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Startseite»Politik»Kritik am BioNTech-Rückzug aus Deutschland
Politik

Kritik am BioNTech-Rückzug aus Deutschland

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 6, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.05.2026 • 10:52 Uhr

Nach der verkündeten Schließung der Produktionsstätten von BioNTech in Deutschland wird vor möglichen Engpässen gewarnt. Scharfe Kritik kommt auch vom CureVac-Gründer und der Gewerkschaft.

Das vom Mainzer Biotechunternehmen BioNTech verkündete Aus für seine Corona-Impfstoffproduktion in Deutschland stößt auf Kritik. „Wir haben in der Covid-Pandemie gesehen, dass eine rein betriebswirtschaftliche Wahl von Produktionsstätten für Impfstoffe im Krisenfall zu Versorgungsengpässen führen kann“, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Bundesregierung sollte daher prüfen, ob auch ohne die BioNTech-Produktionsstätten im Krisenfall ausreichend Kapazitäten für Impfstoffe in Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten verfügbar seien.

„Wenn dies nicht der Fall ist, sollte sie mit industriepolitischen Maßnahmen wie Subventionen oder ‚Buy European‘-Vorschriften für die Krankenversicherungen dafür sorgen, dass Produktionskapazitäten für strategische Güter wie Impfstoffe ausreichend in Deutschland und den Nachbarländern vorgehalten werden“, forderte Dullien.

Schließungen bis Ende 2027

BioNTech hatte am Dienstag angekündigt, fast alle heimischen Produktionsstandorte zu schließen und bis zu 1.860 Stellen zu streichen. Die Covid-Impfstoffherstellung wird komplett an den US-Partner Pfizer übertragen. „Grundsätzlich stellt sich hier die Frage, ob die Einzelentscheidungen von Unternehmen die Resilienzanforderungen Deutschlands ausreichend berücksichtigen“, so IMK-Experte Dullien.

Im Laufe des Jahres will das Unternehmen die letzten Chargen des Covid-Impfstoffes in Deutschland herstellen. Das Unternehmen schließt im Zuge des Umbaus bis Ende 2027 seine Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur. In Deutschland bleiben neben dem Hauptsitz in Mainz nur noch die Bürostandorte Berlin und München erhalten.

CureVac-Gründer spricht von Täuschung

Auch die Standorte des Ende 2025 für rund eine Milliarde Euro übernommenen Tübinger Rivalen CureVac sind von den Schließungen betroffen. Gründer Ingmar Hoerr wirft BioNTech nun Täuschung vor. „Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von CureVac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Es war laut Hoerr vereinbart, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchtet. „Und das wurde jetzt über den Haufen geschmissen. Dadurch sind alle nachweislich getäuscht worden. Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen.“

Hoerr vermutet hinter dem Vorgehen, dass BioNTech schlicht die Patentstreitigkeiten mit CureVac umgehen wollte. „Die Investoren haben sich mit Versprechungen einlullen lassen. Das könnte BioNTechs Strategie von Anfang an gewesen sein.“ Die BioNTech-Führung begründet die aktuellen Pläne mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kostensenkungen.

„Gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit“

Auch die Pharma- und Biotech-Gewerkschaft IG BCE kritisierte sie jedoch als „gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit und Frontalangriff auf die Beschäftigten“. „Im Konzern haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen“, sagte der Leiter des IG BCE-Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland, Roland Strasser. „Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland.“

Für die Beschäftigten bei CureVac in Tübingen bedeute die Schließung ihres Standorts einen tiefen Einschnitt. „CureVac war bereits in den vergangenen Jahren durch mehrere Personalabbauprogramme stark gebeutelt“, sagte Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der IG BCE in Baden-Württemberg. „Der Kauf durch BioNTech wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Schritt zur Beendigung der Patentstreitigkeiten auf Kosten der Beschäftigten.“

BioNTech entwickelt Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten. Auch CureVac forscht seit Jahren an der mRNA-Technologie. Die Tübinger galten einst ebenfalls als Hoffnungsträger bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Doch im Gegensatz zu BioNTech, das erfolgreich war und Milliarden mit seinem Vakzin verdiente, kam es bei den Schwaben wegen einer vergleichsweise geringen Wirksamkeit zu Problemen.

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