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Politik

Argentinien verhängt Stadionverbote gegen zahlungsunwillige Väter

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 3, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.07.2026 • 13:24 Uhr

Argentinien geht in Bezug auf säumige Väter ungewöhnliche Wege: Wer keinen Unterhalt zahlt, bekommt ein Stadionverbot – und die entsprechende Namensliste wurde auch den US-Behörden für die WM übergeben.

Anne Herrberg

Ihre Fangesänge im Stadion: legendär. Ihre Leidenschaft für den Fußball: grenzenlos. Argentinische Fans sorgen bei der WM regelmäßig für Bombenstimmung. Doch nun haben argentinische Behörden den Stadionbesuch an eine bisher ungewöhnliche Maßnahme geknüpft.

„Wer die Unterhaltszahlungen für seine Kinder nicht leistet, der muss draußen bleiben“, erklärt Franco Berlin, Nationaler Sicherheitsdirektor für Sportveranstaltungen in einem Instagram-Reel.

Argentinien hat 13.000 Namen von Personen, die ihre Unterhaltszahlungen nicht leisten, auf eine Liste gesetzt, die auch den US-Behörden vorliegt. Wer da drauf steht, der hat Stadionverbot. Voraussetzung: Das Versäumen wurde auch durch ein Gericht bestätigt.

Geld für Fußball, aber kein Geld für Unterhalt?

„Die Botschaft ist klar: Seinen Pflichten als Eltern nicht nachzukommen, das hat Konsequenzen. Deswegen müssen sie verantwortungsbewusst wahrgenommen werden“, findet Paula Ojeda, Gleichstellungsdirektorin bei Argentiniens Fußballverband AFA. Die Idee stammt von der Stadtregierung von Buenos Aires, in deren Einzugsgebiet sich die meisten der argentinischen Profi-Klubs und Stadien befinden.

Schließlich greifen viele Argentinier tief in die Tasche, um ihren Klub oder Messis letzte WM zu sehen, geben aber keinen Peso, um Essen, Schule oder Kleidung ihrer Kinder zu finanzieren.

Mütter müssen gerichtlich um Unterhalt kämpfen

„Damals sagte mein Ex zu mir: ‚Du wolltest dich trennen? Pech gehabt – sieh zu, wie du allein damit klarkommst.'“, erzählt Cecilia Bertolino. Drei Kinder hat sie alleine großgezogen, fünf Jahre kämpfte sie gerichtlich für das Recht auf Unterhaltszahlungen. Sie bekam Recht, doch immer noch kein Geld.

So ergeht es jeder zweiten alleinerziehenden Mutter in Argentinien – das ergab eine Studie von UNICEF 2024. Und fast 70 Prozent sind es, wenn man die dazu zählt, die Geld nur unregelmäßig erhalten – ein Problem quer durch alle sozialen Schichten.

„Im Jahr 2023 stand der Abschlussball meiner Ältesten an, das Schullandheim meiner Jüngsten, ich aber hatte nicht mal genug, um die Kosten für Lebensmittel zu decken. Das ist sehr frustrierend, den Kindern ständig sagen zu müssen: Wir haben kein Geld, das geht nicht“, berichtet Bertolino.

Bertolinos Mann ist einer der 13.000 Namen auf der Liste derjenigen, die wegen nicht gezahltem Unterhalt Stadionverbot haben. Sie wurden dem bereits bestehenden Register „Tribuna Segura“ – sichere Tribüne – hinzugefügt, vergleichbar etwa mit der Datei Gewalttäter Sport in Deutschland.

Stadionverbotsliste soll eigentlich für Sicherheit sorgen

Die Initiative hat großen Rückhalt in der Gesellschaft. Paula Aberastegui, Gender-Beauftragte vom Klub Estudiantes de la Plata sagt: „In einem so Fußball verrückten Land, in dem der wöchentliche Besuch im Stadion oder das eigene Spielen im Klub Teil der Identität ist, ist das ein Weg, Zahlungen zu erzwingen.“

Doch es gibt auch Kritik, etwa mit Blick auf den Datenschutz. Vor allem, da die Liste an Behörden im Ausland weitergegeben wird. Der ursprüngliche Zweck, für Sicherheit in den Stadien zu sorgen, werde durch die Aufnahme von zivilrechtlichen Vergehen verwässert, sagen andere.

Cecilia Bertolini unterstützt die Liste, sagt aber auch: „Es hat eine symbolische Wirkung, aber ausschließlich eine symbolische – als eine Form der öffentlichen Bloßstellung oder als medienwirksame Maßnahme.“ Um die Unterhaltszahlungen für ihre Kinder, dass wirklich Geld auf ihrem Konto landet, darum kämpft die Argentinierin Bertolini immer noch.

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