Aus der Schmoll-EckeDen Sozialismus in seinem Lauf halten weder SPD noch Grüne auf

Es ist besser, in ein Rathaus einzuziehen als es abzufackeln. Also wird die Fortschrittskoalition in Berlin kommen, die Mieten und Lebensmittelpreise auf fast null senken und alle islamistischen Gefährder überzeugen, lieber den Omas gegen rechts über die Straße zu helfen, statt dem IS oder anderen Bösewichten zu dienen.
Freundinnen und Freunde der Schmoll-Ecke, Genossinnen und Genossen, Sie haben großes Glück, dass ich diese Kolumne rechtzeitig fertig bekommen habe. Ich war bei einer machtvollen Demonstration und habe auf dem Bebel-Platz, mit einer weißen Rose in der rechten und einer roten Nelke in der linken Hand, erst die Nationalhymne der BRD und dann – unter verwunderten Blicken von Boris Pistorius – die der DDR gesungen, um das berühmte „Nie wieder ist jetzt“ zu beschwören. Ich brauchte ewig nach Hause, musste mich auf dem Heimweg durch Hunderttausende Demonstranten kämpfen, die aufgebracht waren, dass nach Sachsen-Anhalt nun auch Berlin in die Hände einer Partei voller politisch Radikaler fallen soll.
Natürlich war das – so bin ich halt – erfunden, um Sie auf etwas hinzuweisen, was Sie längst wissen. Der Feind in Deutschland steht rechts, nur rechts. Alles, was links ist, ist grundsätzlich zu akzeptieren und irgendwie zu dulden, da es im Kern nur um das Gute geht. Da kann eine Partei noch so krude Ideen haben, den Verfassungsschutz und am liebsten die Polizei abschaffen, Wohnungen mit Heidensteuergeldern kaufen wollen, Israel-Verächter am Ende doch dulden und auf die Idee kommen, allen Ausländern ohne deutschen Pass, die fünf Jahre im Land leben, das aktive und passive Wahlrecht zu geben – es werden beide Augen zugedrückt. Die wollen doch nur regieren.
Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, heißt es in der Verfassung. Und dann sollen selbst abgelehnte Asylbewerber sich um Posten in Parlamenten bewerben und wählen dürfen? Als gebe es nicht längst Angst vor dem politischen Islam, nicht das Gefühl der Überfremdung. Doch wer das sagt, kriegt die Nazi- oder Halbnazi- oder mindestens die AfD-Keule auf den Schädel, selbst wenn man x-mal sagt oder schreibt, wie beschissen man die AfD findet. „Sie gehören vor den Internationalen Strafgerichtshof!“, teilte mir neulich ein Mitbürger allen Ernstes mit, nur weil ich darauf hingewiesen habe, dass eine Bundestagsabgeordnete der Linkspartei ein Fuck-Fest veranstalten möchte. Und die Juso-Frau wusste nach Lektüre einer einzigen Kolumne von mir, wie ich bin: „Vor lauter Ideologie das Denken verlernt.“ Und: „Als hättest du dir das misogyn zur Verunglimpfung einer Frau ausgedacht.“
Das neue Totschlagargument
Die neuen Keulen – also Totschlagargumente – in politischen Pseudodebatten, in denen es nicht mehr oder kaum um Inhalte geht, sind mit der Aufschrift „Frauenhasser“ und „misogyner alter weißer Mann“ versehen. Ines Schwerdtner haute sie bei „Pinar Atalay“ Jan Fleischhauer auf den Kopf, weil der es wagte, die „die-Hamas-wehrt-sich-doch-nur“-Einstellung einer Genossin Schwerdtners zu kritisieren. Die Vorsitzende der Linke sagte allen Ernstes, das tue Fleischhauer nur, „weil Sie starke linke Frauen nicht so ganz ertragen können“. Aha. Der war genauso baff, wie ich war.
Na klar, Frau Schwerdtner beklagt zu Recht, dass alte weiße Kolumnisten über Die-Hamas-wehrt-sich-doch-nur-Frauen bei den Linken schreiben, sie würden darin eine „Chance sehen, eine verbotene Leidenschaft“ für arabische Macho-Männer „politisch korrekt auszuleben“. Das ist eklig. Auf jeden Kritiker mit der Frauenfeindlich-Keule einzudreschen, wenn einer sagt, was frau nicht hören will, kann es aber auch nicht sein. Zumal die Linke, wenn ich es richtig sehe, für Gleichberechtigung von Mann und Frau steht. Da sollte man sich Kritik schon geschlechterübergreifend gefallen lassen und alte weiße Männer nicht ausschließen. Frau Schwerdtner hat sich übrigens nicht von Vanessa Emde, die Israel das Existenzrecht abspricht, distanziert, sondern sich in üblicher Manier eines Berufspolitikers rausgewunden: „Diese Meinung ist absolut legitim. Es stimmt völkerrechtlich, dass Staaten kein Existenzrecht haben.“
Warum dann überhaupt die Aufregung? Man muss sich das mal vorstellen, dass drei Nie-wieder-ist-jetzt-Parteien in Sondierungen vor Sondierungen zu möglichen Koalitionsverhandlungen ein Papier vereinbaren, in dem sie erklären, gegen Juden- und Israel-Hass vorzugehen. Hallo?! Wie lächerlich das ist, zeigt sich ja schon daran, dass die Linksfraktion es nicht fertigbrachte, Frau Emde rauszuschmeißen. Ach ja, die hat ja unterschrieben, Israel super zu finden. Das muss ihr so schwergefallen sein, dass sie krank geworden ist, das arme Hascherl. Kein Wunder, dass sich der Kanzler über den hohen Krankenstand in Deutschland beschwert, wenn eine angehende Berufspolitikerin schon beim ersten Gegenwind bettlägerig wird.
Putin als Sachkundiger?
Für die Fraktion ist es natürlich Glück, dass Frau Emde ein Wehleiden ergriffen hat. Nun hat sie mehr Zeit, mit ihr zu reden, wie sie das mit dem „kleinen Geländegewinn gegen die Staatsräson“ ganz genau gemeint hat, wo sie doch das Papier, das ihr die Fraktion vorgelegt hat, damit die Fortschrittskoalition gedeihen kann, unterschrieben hat. Das wird bestimmt eine putzige Aussprache, falls Frau Emde nicht schwerer krank ist, eventuell die ganze Wahlperiode, was wir ihr nicht wünschen. Männer sollten in der Fraktion besser die Schnauze halten, erst recht, wenn sie alt sind (siehe oben). Vielleicht kann man Putin dazu schalten; der wird bestätigen, dass Staaten kein Existenzrecht haben. Dann kann Frau Emde in der Fraktion bleiben.
So oder so: Die Fortschrittskoalition wird kommen, keine Sorge, liebe Gen Z. Die Berliner Parteien schaffen es ja nicht einmal, ihre Wahlplakate fristgerecht zu entfernen – aber kriegen den Rest hin. Denn: Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder SPD noch Grüne auf. Die Öffentlichkeit wird es akzeptieren. Es ist nun mal besser, in ein Rathaus einzuziehen als es abzufackeln. Die Fortschrittskoalition wird die Mieten und Lebensmittelpreise auf fast null senken und alle islamistischen Gefährder überzeugen, lieber den Omas gegen rechts über die Straße zu helfen, statt dem IS oder anderen Bösewichten zu dienen. Die Verstaatlichung privater Wohnungen wird zu einem Bauboom führen. Die Fortschrittskoalition wird eine Markthalle für Drogenhändler im Görlitzer Park bauen lassen. Geplante Eröffnung: 2028. Tatsächliche Eröffnung: 2042. Weshalb aus den 13 Milliarden 35 Milliarden Euro Baukosten werden. Berlin ist dann nicht mehr sexy, aber bettelarm.
Sie werden berechtigterweise fragen, warum auch ich mich in das Thema so verbeiße. Weil ich in Berlin lebe, mich regt es auf. Als Sehr-Gutmensch habe ich nichts dagegen, dass Linke, SPD und Grüne zusammen regieren, wenn es die Wähler so wollen. Doch zwischen dem Landesverband der Linkspartei in Berlin und dem in Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen gibt es schon gravierende Unterschiede, nicht nur in der Haltung zu Israel und zu den Terroristen der Hamas.
Und ich spüre, was da noch auf Deutschland zukommt. Wir rasen in eine politische Sackgasse, in der die Ränder das Kommando übernehmen. Es ist niedlich zu sehen, wie klein sich Grüne und SPD in Berlin machen, um mitregieren zu dürfen. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat schon mal das erste Wahlversprechen einkassiert, einer Verstaatlichung von Wohnimmobilie nicht zuzustimmen. Er weiß natürlich, dass es ohnehin nicht dazu kommt, und denkt, dass die Leute dann sauer auf die Linke sind und wieder SPD wählen. Irrtum. Die Enttäuschung wird alle treffen. Es wird den Frust verstärken, von dem die politischen Ränder profitieren. Aber Schluss jetzt mit der Trübsal – ich muss zur Demo auf dem Bebel-Platz.
