Mehr als 32 Millionen Menschen sind 2025 aufgrund von Konflikten und Gewalt innerhalb ihres Landes vertrieben worden – so viele wie noch nie. Experten der Beobachtungsstelle IDMC sprechen von „weltweitem Versagen“.
Erstmals seit Beginn der Aufzeichnung sind mehr Menschen durch Konflikte und Gewalt innerhalb ihres Landes vertrieben worden als durch Naturkatastrophen. Das zeigt der aktuelle Bericht der Beobachtungsstelle für Binnenvertriebene (IDMC) in Genf.
Insgesamt zählte das IDMC im Jahr 2025 mehr als 82 Millionen Binnenvertriebene weltweit. Das sei der zweithöchste jemals verzeichnete Wert. 32,2 Millionen Menschen, so viele wie noch nie, wurden dabei durch Konflikte und Gewalt vertrieben, das sind 60 Prozent mehr als im Jahr davor. Fast zwei Drittel davon betrafen Iran und die Demokratische Republik Kongo.
In den letzten zehn Jahren habe sich die Gesamtzahl mehr als verdoppelt. Da sich Konflikte verschärften, seien es oft dieselben Menschen, die immer wieder entwurzelt würden, erklärte IDMC-Direktorin Tracy Lucas.
Sudan besonders betroffen
Aufkommende, eskalierende oder festgefahrene Konflikte hätten die Menschen dazu gezwungen, wiederholt innerhalb ihrer Länder umzusiedeln. Aber auch Stürme, Überschwemmungen und andere Gefahren lösten knapp 30 Millionen Binnenvertreibungen aus.
Sudan, Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan sind die Länder mit den insgesamt meisten Binnenvertriebenen. Eine Vertreibung bedeutet, dass jemand wegen der Gefahr aus seinem Haus fliehen musste. Die Beobachtungsstelle IDMC erfasst, wer danach im eigenen Land außerhalb seiner Heimat Zuflucht suchte.
Mangelnde Konfliktprävention
Die Beobachtungsstelle wurde 1998 vom norwegischen Flüchtlingsrat gegründet. Sie ist für Regierungen und die Vereinten Nationen eine der wichtigsten Quellen für Daten, Analysen und Berichte über Binnenflüchtlinge.
Demnach ist die Binnenvertreibung von Millionen von Menschenein Zeichen für ein weltweites Versagen bei der Konfliktprävention und dem grundlegenden Schutz der Zivilbevölkerung, der sich die Regierungen weltweit stellen müssten. So könne es nicht weitergehen, mahnte der Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats, Jan Egeland, in diesem Zusammenhang.
Mit Informationen von Marie-Christine Werner, ARD-Studio Genf
