Börsenlieblinge unter DruckZinssorgen und KI-Zweifel ziehen Wall Street nach unten
Kräftige Verluste bei den Technologie-Werten drücken die Wall Street deutlich ins Minus. Auslöser sind Bedenken, dass die US-Zinsen länger als erwartet auf einem hohen Niveau bleiben könnten.
Ein erneuter Ausverkauf bei Technologiewerten hat die US-Börsen am Dienstag belastet. Anleger zeigten sich zunehmend besorgt über die hohen, schuldenfinanzierten Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) und eine restriktivere geldpolitische Haltung der US-Notenbank Fed. Die technologielastige Nasdaq gab um 2,2 Prozent auf 25.587 Zähler nach, während der S&P 500 um 1,4 Prozent auf 7365 Stellen einbüßte. Beide Indizes schlossen auf dem tiefsten Stand seit mehr als einer Woche. Der US-Standardwerteindex Dow Jones verharrte nahezu bei 51.667 Punkten.
Der CBOE-Volatilitätsindex, das Angstbarometer der Wall Street, erreichte den höchsten Stand seit mehr als einer Woche. Der Markt dürfte insgesamt volatiler werden, sagte Melissa Brown, Geschäftsführerin für Investment Decision Research bei Simcorp. Das liege an dem potenziell zinssteigernden Umfeld, dem Wettbewerb um Kapital aufgrund großer Börsengänge sowie weiteren Unsicherheiten hinsichtlich der Ölpreise.
LSEG-Daten zufolge setzen Händler zunehmend auf zwei Zinserhöhungen durch die US-Notenbank bis Jahresende. Vor zwei Wochen war noch mit lediglich einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte gerechnet worden. Anleger stellten sich damit auf eine straffere Geldpolitik unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh ein. Zudem blickten Investoren auf die am Donnerstag anstehenden Daten zum Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed.
Dies setzt vor allem sogenannte Hyperscaler unter Druck, die den massiven Ausbau ihrer Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend über den Schuldenmarkt finanzieren. Höhere Zinsen würden diese Kredite verteuern. „Einige der jüngsten Nachrichten über KI werfen Fragen über die gesamten Ausgaben, die Investitionen und den Kapazitätsaufbau bei Halbleitern auf“, sagte Thomas Martin, leitender Portfoliomanager bei Globalt.
Verkaufswelle bei Chipherstellern
Im Tech-Sektor gaben die Aktien von Nvidia und der Google-Mutter Alphabet nach. Ebenfalls deutlich im Minus schlossen die Chiphersteller Intel, Marvell Technology und Advanced Micro Devices. Zudem büßten die Papiere der Speicherchiphersteller Micron Technology und Sandisk ein, die in diesem Jahr zu den stärksten Werten im S&P 500 gehörten. Die am Mittwoch anstehenden Quartalszahlen von Micron könnten Aufschluss über die Aussichten für den Speicher- und KI-Chip-Sektor nach der jüngsten Rally geben.
Die KI-Börsenwette habe sich zu einer der meist genutzten Strategien an den globalen Märkten entwickelt, sagte Nigel Green, Geschäftsführer des Anlageberaters deVere Group. „Wenn jeder die gleichen Aktien besitzt, wird der Weg zum Ausgang sehr schnell sehr eng.“
Nach dem Rekordbörsengang ist der Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX für viele Privatanleger Experten zufolge ein Indikator, wie hoch das Kurspotenzial im KI-Sektor noch ist. SpaceX gehört zu den Schwergewichten, die den Anleihemarkt zur Kapitalbeschaffung nutzen. Nach Verlusten in den vorangegangenen drei Handelstagen legten die Aktien von Elon Musks Raumfahrtkonzern am Dienstag jedoch wieder zu. Die Papiere waren zur Monatsmitte zum Stückpreis von 135 Dollar ausgegeben worden und danach bis auf rund 220 Dollar gestiegen, bevor sie wieder absackten.
Ein enttäuschender Geschäftsausblick drückte die Aktien des Kreuzfahrt-Anbieters Carnival um rund acht Prozent. Das Unternehmen rechnet für das dritte Quartal mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von etwa 1,35 Dollar, nachdem Analysten LSEG-Daten zufolge 1,42 Dollar geschätzt hatten. Als Grund nannte Carnival den anhaltenden Einfluss höherer Treibstoffpreise.
Die Ölpreise gaben am Dienstag weiter nach. Die USA haben nach der ersten Verhandlungsrunde über ein sich abzeichnendes Friedensabkommen Sanktionen gegen den Iran für 60 Tage ausgesetzt. Rohöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI verbilligten sich in der Spitze um jeweils knapp zwei Prozent auf 76,43 Dollar und 72,48 Dollar je Barrel. Für Entspannung sorgte vor allem die Aussicht auf eine Normalisierung der Öllieferungen durch die Straße von Hormus. Schifffahrtsdaten zufolge nahm der Tankerverkehr in der Meerenge langsam wieder Fahrt auf. Dennoch gebe es weiter große Unsicherheiten, warnten Experten.
Im Zuge der Zinsspekulationen kletterte der US-Dollar auf ein Jahreshoch. Die in der Devise notierten Edelmetallpreise für Gold und Silber sackten nach unten.
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