Brustkrebs beim Mann ist eine seltene Krankheit. Oft wird ein Tumor deshalb erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert – dadurch geht wertvolle Therapiezeit verloren.
Pro Jahr werden in Deutschland etwa 700 Fälle von Brustkrebs bei Männern registriert. Bei Frauen sind es hingegen jährlich mehr als 75.000 Neuerkrankungen pro Jahr – es ist bei Frauen die häufigste Krebsart.
Dass auch Männer Brustkrebs bekommen können, ist oft nicht bekannt. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind bei Männern, anders als bei Frauen, nicht vorgesehen. Dabei ist die Krankheit bei Männern genauso gefährlich.
So entsteht Brustkrebs beim Mann
Brustkrebs beim Mann kann entweder in den Drüsengängen oder in den Drüsenläppchen der Brust entstehen. Dass nur wenige Männer diese Krankheit bekommen, liegt daran, dass Männer weniger von diesem Gewebe haben, aus dem Krebs entstehen könnte.
Bis zur Pubertät ist die Brust von Jungen und Mädchen praktisch identisch aufgebaut. “Und dann kommt mit der Pubertät der Hormonschub. Bei den Jungs das Testosteron, bei den Mädchen das Östrogen. Dieses lässt die Brust wachsen – das Testosteron hemmt diese Entwicklung”, erklärt Onkologin Prof. Marion Kiechle, vom Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München. Jungs haben also nur ein paar Milchgänge und Drüsenläppchen.
Risikofaktoren und Ursachen für Brustkrebs beim Mann
Auch, wenn Brustkrebs bei Männern seltener vorkommt: Es gibt Risikofaktoren, die das Auftreten von Krebs begünstigen: “Rauchen, ungesunde Ernährung, wenig Bewegung oder zu viel Östrogen gehören dazu”, so Onkologin Kiechle. Ursachen für einen erhöhten Östrogenspiegel können sein: starkes Übergewicht, hoher Alkoholkonsum, Lebererkrankungen oder die Einnahme leistungssteigernder Hormone.
Eine vermehrte Strahlenbelastung, zum Beispiel nach einer früheren Bestrahlungsbehandlung im Bereich des Brustkorbs, kann das Brustkrebsrisiko ebenso erhöhen.
Genetische Ursachen für Brustkrebs beim Mann
Männer, die am sogenannten Klinefelter-Syndrom leiden, neigen deutlich häufiger zu Brustkrebs. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Genmutation, bei der Betroffene über ein oder mehrere zusätzliche X-Chromosomen verfügen.
Männer, die eine erbliche Veränderung, eine Mutation, der Gene BRCA1 oder BRCA2 in sich tragen, haben ebenfalls ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.
Bei genetischer Vorbelastung: Überwachung wichtig
„Zeigen sich beim Mann Symptome, die auf Brustkrebs hindeuten können, und kommen bei den weiblichen Verwandten vermehrt Brust- oder Eierstockkrebs in jungen Jahren vor, ist das ein typisches Zeichen für eine erbliche Form von Krebs“, betont die Onkologin. Dann sollten sich diese Männer auf eine Brustkrebs-Mutation testen lassen.
Die Symptome von Brustkrebs beim Mann
Die Symptome entsprechen im Wesentlichen denen der Frauen: Tastbare Knoten oder Verhärtungen im Brustgewebe oder hinter der Brustwarze gehören ebenso dazu wie Flüssigkeitsabsonderungen aus den Brustwarzen. Weitere Symptome sind: Entzündliche Veränderungen, die nicht abheilen, vergrößerte Lymphknoten in den Achselhöhlen oder eine nach innen gezogene Brustwarze.
Bei diesen Symptomen sollte der Hausarzt oder direkt ein Brustzentrum aufgesucht werden.
Diagnose dauert oft länger als bei Frauen
Meist dauert es länger, bis die Krankheit bei Männern entdeckt wird. Denn oft kommen betroffene Männer erst über Umwege in ein spezialisiertes Brustzentrum oder zu dem richtigen Arzt.
Oftmals lassen Männer aber auch aus Unkenntnis über die Krankheit viel Zeit verstreichen, bis sie ärztlichen Rat einholen. Die Diagnose erfolgt ähnlich wie bei Frauen: eine Untersuchung der Brust per Ultraschall oder Mammografie.
Für den Nachweis von Brustkrebs wird eine Biopsie durchgeführt und Gewebeproben entnommen. Die Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob Veränderungen gutartig oder bösartig sind.
Mit weiteren Untersuchungen wie etwa Ultraschall und Computertomografie wird festgestellt, ob der Tumor bereits in andere Organe gestreut hat. Fünf Jahre nach der Diagnose, haben Frauen laut RKI statistisch gesehen eine Überlebenschance von 88 Prozent. Männer hingegen nur 81 Prozent.
Wie Brustkrebs beim Mann behandelt wird
Wird der Krebs diagnostiziert, entspricht die Therapie im Wesentlichen der bei Frauen. Im Vordergrund steht die operative Entfernung des befallenen Gewebes und benachbarter Lymphknoten in der Achselhöhle.
Da bei Männern weitaus weniger Brustgewebe vorhanden ist als bei Frauen, muss häufig die gesamte Brust entfernt werden. Es gibt dann auf der betroffenen Seite des Oberkörpers keine Brustwarze mehr, dafür eine Narbe. Mitunter kann dieser Teil der operierten Brust auch eingefallen aussehen.
Zusätzlich kommt es, je nach Größe des Tumors, zu einer zusätzlichen Strahlen-, Chemo oder Antikörpertherapie, um etwaige im Körper verbliebene Krebszellen zu beseitigen. Da Brustkrebszellen bei Männern meist hormonabhängig wachsen, bietet sich in den meisten Fällen eine antihormonelle Therapie an.
