Meldungen über Sabotageakte in Europa nehmen zu – ebenso die Hinweise, dass Russland dahinterstecken könnte. Nun warnt auch der dänische Nachrichtendienst öffentlich vor solchen Aktionen. Und davor, für Spionage angeworben zu werden.
Der dänische Inlandsnachrichten- und Sicherheitsdienst PET hat vor konkreten russischen Sabotageakten in dem skandinavischen Land gewarnt. Moskau bereite „aktiv Sabotageakte vor, die auf die Verteidigungsindustrie in Dänemark abzielen“, sagte der Leiter der Spionageabwehr, Emil Graesholm, der Tageszeitung Berlingske.
Ziel der Sabotagepläne sollen demnach insbesondere Rüstungsunternehmen sein, die Waffen für die Ukraine herstellen. Der dänische Nachrichtendienst geht davon aus, dass Russland unter anderem Brandstiftungen plant. So solle sowohl Angst verbreitet werden als auch die Lieferungen in die Ukraine gestoppt werden. Ähnliche Anschlagsszenarien hatte es zuletzt vermehrt in Europa gegeben, etwa in Tschechien.
Erst am Dienstag hatte außerdem die Bundesregierung Russland für den Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht und Strafmaßnahmen verhängt – mit großer Unterstützung der EU. Russland bestreitet eine Beteiligung an hybrider Kriegsführung.
Was ist ein „hybrides Angriffsszenario“?
Von einem hybriden Angriffsszenario sprechen Sicherheitsbehörden, wenn Hinweise darauf hindeuten, dass unterschiedliche Angriffsformen Teil eines gemeinsamen Vorgehens sein könnten – etwa Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, Drohnenattacken oder Desinformation. Ziel ist es, einen Staat, seine Einrichtungen oder seine Gesellschaft zu schwächen, ohne die Schwelle eines offenen Krieges zu überschreiten. Die Urheber versuchen dabei häufig, ihre Beteiligung zu verschleiern.
Hybride Angriffe richten sich häufig gegen kritische Infrastruktur, also etwa gegen Flughäfen, Bahnstrecken, Energieversorger, Kommunikationsnetze oder Behörden. Gleichzeitig können sie auf die öffentliche Meinung zielen. Falschmeldungen und Desinformation sollen Verunsicherung auslösen und das Vertrauen in staatliche Institutionen schwächen. Kennzeichnend ist das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen. Einzelne Vorfälle wirken oft unverbunden. Erst das Gesamtbild kann mögliche Zusammenhänge sichtbar machen.
Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD Hauptstadtstudio
„Ganz normale Dänen“ anwerben
Normalerweise äußert sich der dänische Nachrichtendienst nicht zu solchen Szenarien. In diesem Fall sei die Vorbereitung aber so konkret und die potenziellen Auswirkungen auf die Bevölkerung so groß, dass man die Öffentlichkeit warnen wolle, teilte der PET mit.
Russische Geheimdienste versuchten zudem, „ganz normale Dänen“ für Sabotage anzuwerben, hieß es weiter. Die Aufträge der russischen Behörden könnten Graesholm zufolge darin bestehen, Fotos zu machen, die Zugangs- und Sicherheitsbedingungen rund um eine Anlage zu prüfen und darüber zu berichten. „Wir sprechen über diese Methoden, weil sie nicht wie ein Spionagefilm aussehen müssen“, betonte er im Interview mit Berlingske.
Sicherheitsvorkehrungen sollen erhöht werden
Der PET hatte bereits 2024 erklärt, dass die russische Bedrohung gegen Dänemark, einen wichtigen Unterstützer der Ukraine, zugenommen habe. Als Reaktion auf die neuerliche Warnung forderte der dänische Industrieverband DI nun relevante Unternehmen auf, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen.
Mit Informationen von Arne Bartram, ARD-Studio Stockholm.
