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Defa 1946 gegründet: Gefährlicher Essiggeruch – DDR-Filmen droht der Zerfall

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Defa 1946 gegründetGefährlicher Essiggeruch – DDR-Filmen droht der Zerfall

Einer der bekanntesten und beliebtesten Defa-Filme: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. (Foto: dpa)

Die Defa, die Filmgesellschaft der DDR, wurde vor 80 Jahren gegründet – noch immer sind viele ihrer Filme nicht digitalisiert. Dabei drängt die Zeit: Die alten Filmrollen zersetzen sich und entwickeln einen stechenden Geruch. Ohne eine Fortsetzung der staatlichen Finanzierung können bald kaum noch Streifen gerettet werden.

Was mit einem Film nach langer Zeit passiert, das riecht man, wenn die Metalldose geöffnet wird. Essiggeruch. Und Essiggeruch, also das bedeutet nichts Gutes. Dann wird es Zeit. Zeit für die Waschmaschine. Studioleiter Ralf Jesse und sein Team haben die Maschine aus den 1980ern in Hollywood gekauft. Jetzt hilft sie, alte Filme aus der DDR zu retten.

Vor 80 Jahren, am 17. Mai 1946, wurde die Filmgesellschaft der DDR gegründet, genannt Defa. Einer der bekanntesten Filme ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, der Märchenklassiker läuft noch heute zu Weihnachten. Legendär sind auch „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef, „Solo Sunny“ mit Renate Krößner und „Die Legende von Paul und Paula“.

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Studioleiter Ralf Jesse überprüft im Studio von Eurotape vor dem Einscannen am Filmsichtungstisch die Qualität der Original-Negative der Defa-Filme. (Foto: picture alliance/dpa)

Aber da gibt es natürlich noch viel mehr. Etwa 700 Spielfilme, 900 Animationsfilme und 2000 Dokumentationsfilme sind damals entstanden, wie Stefanie Eckert erzählt. Sie leitet die Defa-Stiftung, die das Filmerbe von damals verwaltet. Die Filme lagern im Bundesarchiv. Und nicht alle sind bisher digitalisiert. Das wird mit der Zeit zum Problem.

„Die Filme halten eben nicht noch mal 100 Jahre durch“, sagt Eckert und verweist zum Beispiel auf das Essigsäure-Syndrom. Selbst bei bester Lagerung gebe es Zersetzungserscheinungen. „Die kann man versuchen aufzuhalten“, sagt sie. „Besser ist es aber, wenn man versucht, auch nachhaltig zu digitalisieren.“ Das allerdings kostet Geld.

Rettung im Berliner Süden

Im Berliner Süden, in einem unscheinbaren Gebäude in Marienfelde, wird gerade wieder ein Film für die Nachwelt gesichert. Alte Filmrollen werden in Metalldosen angeliefert, von Experten überprüft, in der Filmwaschmaschine vorsichtig gereinigt und mit einem Scanner erfasst. Die Geräte in dem Zimmer sehen aus, als wäre man in einer Folge „Star Trek“ gelandet.

Schauspielerin Katharina Thalbach war in „Die Leiden des jungen Werthers“ noch ganz jung. Jetzt wird der Film von 1976 im Studio der Firma Eurotape digitalisiert. An Bildschirmen werden die Bilder noch vorsichtig farblich angepasst und es werden zum Beispiel Kratzer entfernt. Studioleiter Jesse und sein Team erklären detailliert die einzelnen Schritte.

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Original-Filmrollen der digitalisierten Defa-Filme liegen im Studio von Eurotape. Eurotape hat bereits viele Defa-Klassiker digitalisiert, zuletzt „Die Leiden des jungen Werthers“ von 1976. (Foto: picture alliance/dpa)

Mehrere Zehntausend Euro koste die Digitalisierung eines Films, sagt Eckert. Seit 2019 hätten sie mit anderen Institutionen vom Förderprogramm Filmerbe profitiert, für das jährlich zehn Millionen Euro vorgesehen waren. Inzwischen aber seien die Gelder in etwa halbiert worden und es sei unklar, was nach 2028 passiere. Dann laufe das Programm aus.

„Ein Wettlauf gegen die Zeit“

Gemeinsam mit anderen Organisationen appelliert sie an die Politik, das Förderprogramm fortzusetzen. „Das Filmerbe ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres kulturellen Gedächtnisses und ein Spiegel der deutschen Geschichte“, heißt es in einem Appell an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die Bundesländer und die Filmförderungsanstalt (FFA).

„Die Sicherung dieser wertvollen Bestände ist ein Wettlauf gegen die Zeit und den physischen Verfall des Materials“, heißt es in dem Schreiben. Filme, die nicht mehr gesehen würden und über die nicht mehr kommuniziert werde, seien ein „totes Erbe“. Erst ein kleiner Teil des deutschen Filmerbes sei überhaupt digitalisiert, sagt Eckert. Bei Defa-Spielfilmen ist es inzwischen fast die Hälfte.

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Techniker Ronald Beer im Studio von Eurotape am Filmscanner, mit dem die Original-Negative der Defa-Filme eingescannt und digitalisiert werden. (Foto: picture alliance/dpa)

Bei der Stiftung werden immer wieder Filme angefragt, selbst aus Regionen wie Chile. Dass die Filme aus der DDR überhaupt so gesammelt vorliegen und im Bundesarchiv lagern – und nicht verstreut auf der Welt zusammengesucht werden müssen -, ist der Tatsache geschuldet, dass es in der DDR eine Abgabepflicht für Filmmaterial gab.

Wo man die Filme heute sehen kann

Bis heute werden Defa-Filme im Fernsehen gezeigt. Besonders schön sei es auch, wenn man sie im Kino sehen könne, findet Eckert. Im Berliner Kino „International“ – dem früheren Premierenkino der DDR – etwa sollen im Jubiläumsjahr regelmäßig Filme laufen. An diesem Wochenende können Kinos digitalisierte Klassiker zum Jubiläum auch lizenzfrei zeigen.

„Wir arbeiten auch mit Plattformen wie Youtube oder anderen Sichtungsplattformen“, sagt Eckert. Die Bibliotheksplattform Filmfriend zeige einige ihrer Filme, außerdem habe die Stiftung etwa den Kanal „Defa TV“, den man über seinen smarten Fernseher aufrufen könne.

Mit Lizenzen verdient die Stiftung Geld, das sie dann in Projekte investieren kann. Mit den Fördergeldern könnten sie derzeit etwa 20 bis 30 Filme pro Jahr digitalisieren, sagt Eckert. Ohne das Förderprogramm Filmerbe seien es maximal ein bis zwei Filme im Jahr. Die Gefahr bestehe also, dass sich das Material in der Zwischenzeit zersetze. Der Essiggeruch.

Quelle: ntv.de, Julia Kilian, dpa

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