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Der Fall Henry Nowak: Wie der tragische Tod eines Teenagers für rechte Hetze missbraucht wird

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 6, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Der Fall Henry NowakWie der tragische Tod eines Teenagers für rechte Hetze missbraucht wird

06.06.2026, 15:15 Uhr Von Katharina Delling, London
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Ein Teilnehmer der Proteste in Southampton präsentiert sich stolz einem Fotografen. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

In Großbritannien stirbt der 18-jährige Henry Nowak bei einer Festnahme, die völlig ungerechtfertigt war. Rechte Aktivisten machen daraus einen Fall von Rassismus gegen Weiße.

„I can’t breathe“ – ich bekomme keine Luft. Dieses Zitat kennen viele noch aus dem Jahr 2020. Damals waren es die letzten Worte des Amerikaners George Floyd – ein Schwarzer, Opfer rassistischen Vorgehens der Polizei. George Floyd starb, nachdem ein Polizist mehrere Minuten auf seinem Hals gekniet hatte. Der Vorfall war der Auslöser für die weltweiten „Black Lives Matter“-Proteste.

Heute, im Juni 2026, rufen im britischen Southampton Protestierende wieder „I can’t breathe“. Doch die Situation ist eine andere. Die Menschen, die hier zu hunderten auf die Straße gehen und sich brutale Auseinandersetzungen mit der Polizei liefern, stehen politisch hauptsächlich rechts – da mischen sich „besorgte Bürger“ und Menschen, die den Hitlergruß zeigen.

Auslöser dieser Proteste war der Tod von Henry Nowak. Der 18-Jährige wurde im vergangenen Dezember vom 23-jährigen Vickrum Digwa erstochen. Digwas Bruder erzählte der Polizei, Nowak hätte Vickrum rassistisch angegriffen. Die Polizei nahm den zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Nowak fest, der dann vor Ort starb.

Im Laufe des Prozesses gegen Digwa wurde das Bodycam-Material der Festnahme veröffentlicht. Diese Aufnahmen zeigen Szenen, die kaum zu ertragen sind: Henry Nowak ist zu hören, wie er mehrfach sagt, er bekomme keine Luft. Der junge Mann sagte den Polizisten auch, dass auf ihn eingestochen wurde. Doch die Polizisten glaubten ihm nicht: Dem Sterbenden wurden sogar noch Handschellen angelegt. Einen rassistischen Angriff gab es in dieser Nacht nicht. Das Gericht verurteilte Vickrum Digwa wegen Mordes zu lebenslanger Haft.

Hoffnung der Eltern wurde nicht erfüllt

Dass ein solcher Fall die Menschen nicht kalt lässt, ist nur allzu verständlich. Die Polizei von Southampton hat sich bei der Familie des 18-Jährigen entschuldigt und es wird eine Untersuchung über das Vorgehen der Polizisten geben – auch, um zu ermitteln, wie ein solcher Fall in Zukunft verhindert werden kann. Das ist etwas, das Henrys Eltern sich wünschten: dass der Tod ihres Sohnes etwas zum Positiven verändert. „Wir möchten Henrys herzzerreißende Geschichte nutzen, um etwas zum Besseren zu verändern. Wir wollen nicht, dass sein Tod dazu benutzt wird, weitere Spaltung, Hass oder Spannungen zu schüren. Wir möchten, dass seine Geschichte dazu beiträgt, unsere Straßen für alle sicherer zu machen“, sagte sein Vater Mark Nowak nach Abschluss des Gerichtsprozesses.

Doch genau das Gegenteil ist passiert. Nigel Farage, der Vorsitzende der rechtsgerichteten Partei „Reform UK“, behauptete kurz nach Veröffentlichung der Videoaufnahmen, Großbritannien sei zweigeteilt. Die Rechte weißer Menschen würden weniger zählen als die von ethnischen Minderheiten. Die Reaktion darauf könne nur „pure, eiskalte Wut“ sein.

Der Tod des Jungen ist für ihn, wie für andere rechte Aktivisten in Großbritannien, ein gefundenes Fressen, um ihr Narrativ der unterdrückten weißen Gesellschaft zu pushen und zu „beweisen“, dass die Polizei von der Regierung angehalten werde, weiße Briten schlechter zu behandeln als nichtweiße. Statistiken zeigen, dass das nicht ferner von der Realität sein könnte.

Beim Vorgehen gegen Rassismus übers Ziel hinausgeschossen?

Schon vor Jahren ergab eine Untersuchung, dass die britische Polizei ein Rassismusproblem hat. Nach dem Tod von George Floyd in den USA verpflichteten sich die britischen Polizeibehörden daher, gegen rassistisches Verhalten in den eigenen Rängen vorzugehen.

Einige sorgen sich nun, dass sie dabei über das Ziel hinausgeschossen sein könnten. Tatsächlich zeigen aktuelle Zahlen, dass Schwarze in Großbritannien noch immer stark im Fokus der britischen Polizei stehen: Sie werden zum Beispiel in Londons wohlhabendsten Stadtteilen 48 Mal häufiger von der Polizei angehalten und durchsucht als weiße Personen. Schwarze sterben siebenmal häufiger in Polizeigewahrsam. Schwarze Kinder sind achtmal mehr von Leibesvisitationen betroffen.

Die traurige Wahrheit ist, dass es dunkel war, als die Polizei Henry Nowak fand, wie der Richter in seinem Schlusswort feststellte. Dazu trug der Teenager ein dunkles Oberteil, wodurch die Stichwunde schlecht zu erkennen war. „Nach den Erfahrungen der Strafgerichte kommt es manchmal vor, dass Festgenommene und mit Handschellen gefesselte Personen Verletzungen vortäuschen, in der Hoffnung, freigelassen zu werden“, sagte Richter William Mousley. Eine Obduktion stellte fest, dass Henry wahrscheinlich nicht hätte gerettet werden können, selbst wenn die Beamten seine Verletzungen sofort erkannt hätten. Trotzdem bleibt schrecklich, wie die Polizisten den jungen Mann in den letzten Minuten seines Lebens behandelt haben.

Traurig ist auch, dass Henry Nowaks trauernde Eltern ihren Wunsch – eine positive Veränderung – nicht erfüllt bekommen, sondern rechte Aktivisten seinen Tod missbrauchen, um das Land weiter zu spalten – per Social Media übrigens auch unterstützt von Donald Trump und Elon Musk aus den USA. Hätten Nigel Farage und seine Anhänger wirklich das Wohl der Bevölkerung im Blick, würden sie sich vielleicht dafür einsetzen, dass die Arbeit, das Training und das Arbeitspensum der Polizei genauer analysiert werden. Denn schlechte Polizeiarbeit schadet am Ende allen – egal welcher Hautfarbe.

Quelle: ntv.de

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