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Deutsche-Bank-Chef Sewing sieht Deutschlands größte Bank gut aufgestellt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 30, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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interview

Stand: 29.04.2026 • 16:55 Uhr

Die Deutsche Bank erzielt einen Rekordgewinn im ersten Quartal. Wachstum solle weiter aus eigener Kraft kommen, statt aus Zusammenschlüssen, sagt Vorstandschef Sewing im Interview mit der ARD-Finanzredaktion.

Stefan Wolff

tagesschau.de: 2,2 Milliarden Euro Gewinn, ein neuer Rekord. Darüber sind Sie als Vorstandsvorsitzender sicher glücklich, oder?

Christian Sewing: Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Quartal. Ich glaube, man muss dieses Ergebnis auch vor dem Hintergrund der gesamten geopolitischen Entwicklung sehen, der Unsicherheit in der Welt. Und da hat sich gezeigt, dass die Bank voll auf Fahrt ist. Wir haben in allen vier Geschäftsbereichen an Profitabilität gewonnen, wir sind gewachsen.

Und wir hatten in dieser Zeit die Kosten im Griff und konnten somit im ersten Quartal erfreulicherweise einen Rekordgewinn zeigen. Von daher ein toller Auftakt in das Jahr. Das stärkt uns in unserer Strategie auf dem Weg in das Jahr 2028.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Zur Person

Christian Sewing ist seit 2018 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Dem Vorstand gehört er seit 2015 an. Davor arbeitete er bereits in verschiedenen Funktionen für die Deutsche Bank.

„Können noch deutlich besser werden“

tagesschau.de: Sie haben, als Sie das Heft in die Hand genommen haben, die Deutsche Bank quasi als eine Baustelle übernommen. Wie weit sind Sie denn mit den Bauarbeiten?

Sewing: Es ist ja das Schöne im Leben, dass Bauarbeiten nie ganz beendet sind. Wir sind sehr stolz darauf, was wir geschafft haben. Aber wir wissen auch, dass wir noch deutlich besser werden können. Deswegen ist unsere Strategie, in den nächsten drei Jahren auf eine Eigenkapitalrendite von über 13 Prozent zu kommen.

Jetzt haben wir 12,7 Prozent im ersten Quartal erreicht. Traditionell ist das erste Quartal immer etwas stärker. Aber wenn wir an diesen Kernstellhebeln Wachstum, aber insbesondere auch weitere Effizienzen, auch durch Technologie, arbeiten, dann bin ich fest davon überzeugt, dass diese Bank deutlich über 13 Prozent kommen kann.

tagesschau.de: Sie sprechen es an, neue Technologien sollen die Bank vorwärts bringen. Geht das auf Kosten von Jobs?

Sewing: Ich glaube, das ist gar nicht so einfach zu sagen. Natürlich ist es so, dass Automatisierung die Welt bestimmen wird. Ob das jetzt Künstliche Intelligenz ist, oder andere Technologien – damit haben wir uns in den letzten Jahren auseinandergesetzt und werden es auch in der Zukunft. Das wird in bestimmten Teilen auch bedeuten, dass wenn mehr automatisiert wird, vielleicht an der einen oder anderen Stelle Arbeitskräfte wegfallen.

Aber auf der anderen Seite wachsen wir. Und wenn wir wachsen, brauchen wir auch in bestimmten Bereichen zusätzliche Mitarbeiter. Von daher sollte man nicht immer mit dem einen gleich auf das andere schließen.

„Wollen der europäische Champion sein“

tagesschau.de: Wir haben über die Übermacht der US-amerikanischen Banken gesprochen, auch in Asien sind wahre Riesen entstanden. Wie positioniert sich denn die Deutsche Bank in der Diskussion um einen großen europäischen Champion? Zum Teil gehen da eventuell die Bastelarbeiten schon los, ich spreche jetzt von der UniCredit und der Commerzbank.

Sewing: Zunächst einmal wollen wir unsere Strategie der globalen Hausbank jetzt vervollständigen. Ich glaube, da sind wir auf einem ganz guten Weg. Aber wir haben auch gesagt, dass die Deutsche Bank mit ihrem Netzwerk die einzige oder zumindest eine der wenigen europäischen Banken ist, die im Asset Management, im Privatkundengeschäft, im Firmenkundengeschäft und in einem globalen Investmentbanking ist.

Wir sind die europäische Alternative und wir wollen der europäische Champion sein. Das bedeutet, dass man in jedem dieser vier Geschäfte mit den Amerikanern auch wirklich mithalten kann. Da geht es nicht nur um Größe, sondern es geht darum, dass man dem Kunden das richtige Produkt anbieten kann und dass man das globale Netzwerk hat. All das können wir mit uns selbst und wirklich alleine erreichen.

Deswegen schaue ich gar nicht so sehr, was vielleicht woanders passiert. Ich bin mir sehr sicher, dass dieser europäische Champion, den wir über Jahre hinweg als unser Ziel haben, auch realisierbar ist.

„Bank nicht nur von Zinsentscheidungen abhängig“

tagesschau.de: Das beherrschende Thema dieser Woche sind die Zinsen. Die US-Notenbank tagt diese Woche, auch die Europäische Zentralbank (EZB). Womit rechnen Sie? Wie positionieren Sie sich in diesem doch sehr unsicheren Zinsumfeld?

Sewing: Das Wichtigste ist, unabhängig von den Zinsen, dass man diversifiziert aufgestellt ist. Und ich glaube, das ist die Bank, sie kann sich nicht nur von Zinsentscheidungen abhängig machen. Deswegen sind andere Sorten der Einnahmen so wichtig.

Hinsichtlich der Zinsentwicklung, das ist schon ein komplexes Thema. Das wird jetzt sehr, sehr eng beobachtet durch die Zentralbanken. Man muss sehen, wie sich die Inflation entwickelt. Das hat auch damit zu tun, wie der Konflikt mit dem Iran ausgeht, wie lange er noch dauert, was das wiederum für die Energiekosten bedeutet.

Wir müssen damit rechnen, dass wir eine Inflation haben, die in den nächsten Wochen und Monaten auf deutlich größer als zwei Prozent geht, vielleicht in Richtung von drei Prozent. Und dann kann man nicht ausschließen, dass eine Europäische Zentralbank reagiert. Ich glaube allerdings, dass es jetzt und heute zu früh ist, darüber zu spekulieren.

Grundsätzlich ist es so, wenn es zu Zinserhöhungen kommt, das ist jetzt nicht negativ für eine Bank. Auf der anderen Seite, und das wissen die Zentralbanker auch, ist das immer eine Gefahr, dass man eine Wirtschaft damit auch sozusagen verlangsamen kann. Und von daher gilt es hier, die Balance zu halten. Aber ich rechne nicht heute oder morgen mit Schritten, sondern, wenn überhaupt, im Sommer.

tagesschau.de: Und was ist Ihnen als Bank lieber, ein hoher oder ein niedrigerer Zins?

Sewing: Naja, das kommt immer auf die Balance an. Aber mit leicht steigenden Zinsen können wir natürlich gut umgehen. Aber es ist ganz, ganz wichtig, dass man das moderiert macht und dass man auch sieht, welche Auswirkungen es auf das Wirtschaftswachstum hat. Aber eine leichte Zinserhöhung ist für Banken sicherlich kein Thema, sondern eher, glaube ich, als Rückenwind zu verstehen.

Das Interview führte Stefan Wolff, ARD-Finanzredaktion, im Update Wirtschaft bei tagesschau24

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