Evakuierung läuft anErste Passagiere können „Hondius“ verlassen
Die Fahrt der „Hondius“ durch den Südatlantik entwickelt sich Anfang April zu einem Albtraum. Auf dem Kreuzfahrtschiff bricht das Hantavirus aus. Auf Teneriffa findet die Reise nun ihr Ende, die Passagiere dürfen das Schiff verlassen – unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.
Nach der Ankunft des von einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ vor der Kanareninsel Teneriffa hat nun dessen Evakuierung begonnen. „Die Ausschiffung der spanischen Passagiere und der spanischen Besatzung beginnt“, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid im Onlinedienst Telegram mit.
An Bord befinden sich knapp 150 Menschen, darunter mehrere Deutsche. Den Transport der betroffenen Deutschen übernehmen die Niederlande, teilte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García vor Journalisten am Hafen Granadilla auf der spanischen Urlaubsinsel mit.
Vor der Ausschiffung der ersten Betroffenen begaben sich Ärzte an Bord der „Hondius“. Das medizinische Personal führe zunächst eine epidemiologische Untersuchung durch, sagte die Ministerin. Die gute Nachricht des Tages: Nach jüngsten Informationen seien alle Passagiere und Besatzungsmitglieder weiterhin ohne Krankheitssymptome.
Aktion läuft bis Montag
Nach der Überprüfung der gesundheitlichen Lage an Bord sollen alle Passagiere und zahlreiche Crewmitglieder nach und nach und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen an Land und anschließend auf dem Luftweg in ihre jeweiligen Heimatländer gebracht werden. Man werde zunächst die 14 Spanier an Bord zusammen mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO ausschiffen und nach Madrid bringen, erklärte García. In der Hauptstadt sollen diese Menschen in einem Militärkrankenhaus in Quarantäne gehen.
García erklärte, dass alle Flüge nach Möglichkeit bis Montagnachmittag abgewickelt werden. Als letzte soll demnach eine australische Maschine mit Menschen aus dem Land sowie aus Neuseeland und verschiedenen asiatischen Ländern abheben.
Die „Hondius“ war am frühen Vormittag in den Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel eingefahren. Auf dem Kreuzfahrtschiff sind Reisegäste und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide sind sechs Deutsche an Bord.
Suche nach der Infektionskette
Laut den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.
Gesundheitsministerin García, der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska und auch der Chef der WHO waren extra auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist kein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.
Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen und auch aufgrund der Sorgen der Inselregierung vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen. Dort liegt das Schiff nun vor Anker.
Quarantäne und Desinfektion
Die Passagiere sollen zunächst in kleinen Gruppen von maximal fünf Personen auf Booten ausgeschifft werden. Nach Angaben Garcías müssen sie FFP2-Schutzmasken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen. Alle müssen an Land auch Einreiseformalitäten durchführen.
Per Bus geht es danach zum 15 Autominuten entfernten Flughafen. Dort sollen die streng abgeschotteten Menschen ohne weitere Abfertigung sofort die für sie bereitgestellten Flugzeuge besteigen. Wahrscheinlich müssen Ausgeflogenen in Quarantäne, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist. Das liegt aber in der Verantwortung der Heimatländer.
Sobald die Menschen von Bord sind, soll die „Hondius“ ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes und der Sachen der Passagiere soll in den Niederlanden vorgenommen werden.
