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Startseite»Politik»Finanzwende kritisiert die Finanzaufsicht BaFin
Politik

Finanzwende kritisiert die Finanzaufsicht BaFin

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.05.2026 • 08:36 Uhr

Als zahnloser Tiger wurde die BaFin schon öfter bezeichnet. Nun muss sie sich diesen Vorwurf auch wieder gefallen lassen. Diesmal geht es um den Klimawandel.

Für ihren Protest haben die Mitglieder der Bürgerbewegung Finanzwende vor dem Frankfurter Literaturhaus, in dem die BaFin am selben Tag ihre Jahrespressekonferenz abhält, am Morgen extra einen großen Papiertiger aufgestellt. Auf dem steht vorne BaFin drauf. Auf Plakaten fordern sie von der Aufsicht mehr Biss, wenn es um Umweltthemen geht.

„Wir stehen hier, weil wir besorgt sind, dass die BaFin Nachhaltigkeitsrisiken und Klimarisiken immer noch zu sehr als Nischenthema behandelt“, sagt Chiara Arena, bei Finanzwende Referentin für Nachhaltigkeitsrisiken und Finanzaufsicht: „Das ist ein Problem für die Finanzstabilität und langfristig für uns alle.“

Zu wenig Nachhaltigkeitsprüfer für Banken?

Die NGO kritisiert, dass es in der Bankenaufsicht für diese Art von Risiken zu wenig Personal gebe. Die BaFin beaufsichtigt mit der Bundesbank in Deutschland knapp 2.400 Banken und Finanzinstitute. Da seien nur zweieinhalb Vollzeitstellen speziell für den Nachhaltigkeitsaspekt zu wenig, sagt Arena. Sie bezieht sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen.

Diese Mitarbeiterzahl bestätigt man bei der BaFin. Allerdings könne man zusätzlich auf Prüfer der Bundesbank zurückgreifen, heißt es. Trotzdem werden in der Behörde in anderen Bereichen wie der Wertpapier- und der Versicherungsaufsicht für die Kontrolle solcher Risiken mehr Mitarbeiter eingesetzt.

Nachhaltigkeit wird laut BaFin oft mitabgefragt

Christian Klein bezweifelt, dass so wenige Beschäftigte solch einer Mammutaufgabe gewachsen sind. Der Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel sagt, wenn diese die Kreditportfolios aller Banken durchleuchten würden, ob Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken korrekt eingepreist seien, hätten sie viel zu tun.

Darüber hinaus kritisiert Finanzwende, dass die BaFin zu Nachhaltigkeitsrisiken zu wenig spezifische Prüfungen durchführe. So seien beispielsweise dieses Jahr vier Sonderprüfungen vorgesehen, von denen nur eine wirklich den Fokus auf diese Nachhaltigkeitsrisiken lege, bei den anderen sei es lediglich ein Nebenthema.

Risiko Klimawandel: Seit 2023 ein Thema

Die Themen Klima, Nachhaltigkeit und Umwelt seien aber oft in andere Prüfungen integriert, meint BaFin-Präsident Mark Branson bei der Fragerunde mit Journalisten im Frankfurter Literaturhaus. So führe die BaFin dieses Jahr bei knapp 100 Instituten Prüfungen durch, bei denen solche Risiken mit abgefragt würden. Letztes Jahr habe es ähnlich viele solcher Kontrollen gegeben.

Dabei sind laut BaFin letztes Jahr, auch zum Thema Nachhaltigkeit, 79 Mängel festgestellt worden. Die Finanzaufsicht habe die Institute aufgefordert, diese zügig zu beheben. Seit 2023 müssen die Banken laut BaFin den Klimawandel bei ihrem Risikomanagement berücksichtigen.

Gleichzeitig räumen die Finanzaufseher bis heute Defizite ein: In Deutschland würden Banken Risiken, die etwa durch klimabedingte Naturkatastrophen entstehen könnten, immer noch nicht ausreichend abbilden. Darauf legen die Aufseher deshalb einen Schwerpunkt und achten verstärkt darauf. Darüber hinaus hat die Behörde mittlerweile sogar eine eigenständige Abteilung, die sich allein um das Thema nachhaltige Finanzen kümmert.

Viele Gefahren für die Kreditbücher der Banken

Trotzdem hält der Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft Klein es weiter für ein großes Problem, wenn Banken gerade bei Krediten die Auswirkungen des Klimawandels unterschätzen. „Denn einen Neubau im Ahrtal zu finanzieren, ist vielleicht keine gute Idee“, so Klein mit Bezug auf die Flutkatastrophe in der Region.

Probleme gebe es auch bei vielen Altbauten, warnt Klein. Häuser aus den Jahren 1980 und älter müssten häufig aufwendig und teuer energetisch saniert werden. Hätten Käufer diese Immobilien mittels eines Kredits finanziert, könne das womöglich in Privatinsolvenzen enden. Die würden die Kreditbücher der Banken belasten.

Schwierig findet Klein darüber hinaus, wenn Regionalbanken viele Landwirte oder mittelständische Produktionsbetriebe in einer Region finanzieren. Dort könnten sich Dürreperioden oder Überschwemmungen häufen, erklärt Klein. Das könne für eine Bank ein regelrechtes Klumpenrisiko werden. Davor hatte auch die BaFin selbst erst letztes Jahr ausführlich gewarnt.

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Dr. Heinrich Krämer
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