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Startseite»Politik»Finnlands Mine gegen Europas Abhängigkeit von Lithium-Importen
Politik

Finnlands Mine gegen Europas Abhängigkeit von Lithium-Importen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 2, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Europamagazin

Stand: 02.05.2026 • 11:18 Uhr

Europa ist beim Lithium von Importen abhängig. Zwar gibt es in Deutschland große Vorkommen – der Abbau ist aber erst in der Vorbereitung. Finnland ist da weiter: Eine erste Mine hat die Arbeit aufgenommen.

Christian Blenker

Wer Ruhe sucht, ist im Westen Finnlands richtig. Wälder und Felder, soweit das Auge reicht.

Juho Harjukoski ist hier, in der Gemeinde Kaustinen, aufgewachsen. In einem kleinen Fichtenwäldchen, direkt am Fluss, hat der Finne eine Sauna. „Die Sauna ist ein wichtiger Ort für uns. Mein Vater hat sie gebaut. Wir haben hier viel Zeit verbracht. Für uns Kinder, Geschwister und meine Mutter ist es bis heute ein besonderer Ort.“

Doch mit der Ruhe könnte es bald vorbei sein. Denn in seiner Nachbarschaft wird Lithium abgebaut. „Dass der Bergbau hierhin kommt, macht uns große Sorgen. Denn sie entnehmen dem Fluss hier Wasser. Im Sommer steht der Pegel schon niedrig. Und ich befürchte, dass er bald ganz austrocknet“, sagt Harjukoski.

Juho Harjukoski sorgen die Auswirkungen des Lithium-Abbaus im Westen Finnlands. Damit ist er relativ allein.

Finanzierung lange auf der Kippe

Wenige Kilometer vom Idyll entfernt lagert ein Schatz im finnischen Boden. Riesige Schaufelbagger graben sich schon durch die grau-braune Erdkruste.

Hannu Hautala überwacht die Arbeiten. Vor mehr als 60 Jahren hat ein Bauer hier Lithiumerz entdeckt, erzählt der Chef des Keliber genannten Projekts. Aber bis heute habe es gedauert, um das kostbare Element abbauen zu können.

„Die Herausforderungen sind vielseitig. Erstens alle Umweltgenehmigungen zu bekommen. Und zweitens die ganze Projektentwicklung zu leisten“, sagt Hautala. „Darüber hinaus brauchen wir Fachkräfte und natürlich Kapital. Das kostet alles ziemlich viel Geld.“

800 Millionen Euro kostet das Projekt. Mehrmals stand es auf der Kippe. Erst als ein südafrikanisches Bergbauunternehmen einstieg, stand die Finanzierung.

Lithium wird vor allem für Batterien benötigt – etwa in Smartphones, Computern und Elektroautos.

Auch Verarbeitung in Finnland geplant

Im Westen Finnlands wollen sie das Lithium nicht nur fördern. Vor Ort soll es auch direkt zu Lithiumhydroxid veredelt werden, das für Batterien zum Beispiel von Elektroautos benötigt wird.

Die Bürgermeisterin von Kaustinen, Minna Nikander, freut sich über neue Jobs, Steuereinnahmen und darüber, dass ihre Gemeinde nun für ganz Europa wichtig werden könnte: „Mit Blick auf die langfristige Rohstoffversorgung in Europa ist die Mine eine gute Sache. Aber es ist auch ein ziemlich verrückter Gedanke, dass in den Elektroautos auf der ganzen Welt künftig auch Lithium aus Kaustinen stecken könnte.“

Minna Nikander ist Bürgermeisterin von Kaustinen und freut sich über die Bedeutung ihrer Gemeinde für Europas Versorgungssicherheit.

Vorkommen auch in Deutschland

Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in der Südpfalz gibt es Lithium-Vorkommen. Auch sie könnten dabei helfen, Europa ein bisschen unabhängiger von Rohstoff-Giganten wie China zu machen, sagt Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur.

Aber in Deutschland gehe es nur schleppend voran: „Wir haben in Skandinavien eine andere Mentalität, was Bergbau angeht. Das haben wir in Deutschland seit Mitte der 1980er-Jahre nicht mehr. Dementsprechend ist die Industrie dort einfach schneller in der Ausführung. Es gibt den regulatorischen Rahmen, der das zulässt“, erklärt Schmidt.

Der Rohstoff-Experte Michael Schmidt sagt, in Finnland herrsche eine größere Akzeptanz für Bergbau als in Deutschland.

„Andere Akzeptanz für Bergbau“

Der Rohstoffexperte ergänzt: „Und, das gehört auch zu Wahrheit dazu, dass man in der Zivilgesellschaft eine andere Akzeptanz für Bergbau und Bergbaufolgen hat.“

Juho Harjukoski ist einer der wenigen Kritiker in Kaustinen. Er fürchtet, dass er sein kleines Idyll im Wald irgendwann einmal verlieren könnte. „In diesem Gebiet können Probebohrungen durchgeführt werden. Sie haben schon die Erlaubnis, jederzeit hierhin zu kommen, um zu bohren.“

Viele Landbesitzer hätten bereits verkauft, sagt der Finne, für einen fairen Preis. Er will bislang aber nicht darüber nachdenken, sein Land aufzugeben.

Eine Reportage zum Thema sehen Sie auch im Europamagazin – am Sonntag um 12.45 Uhr im Ersten.

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Dr. Heinrich Krämer
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