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Focke-Wulf Fw 190: Das Auftauchen des deutschen Jagdflugzeugs „Würger“ schockte im Zweiten Weltkrieg die Briten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Deutsches Jagdflugzeug Fw 190Das Auftauchen des „Würgers“ schockte die Briten

23.06.2026, 18:59 Uhr Von Janis Peitsch
Focke-Wulf-Fw-190-Avioane-de-vanatoare-germane-Luftwaffe-II
Die Entwicklung der Focke-Wulf Fw 190 begann 1937. (Foto: picture alliance / arkivi)

Als die Focke-Wulf Fw 190 im Sommer 1941 über Frankreich auftaucht, wird sie schnell zum Schrecken britischer Piloten. Bald gehört das Flugzeug zum Rückgrat der deutschen Jagdwaffe während des Zweiten Weltkriegs. Dabei steht die Entwicklung der Maschine zeitweise auf der Kippe.

Tiefe Wolken hängen am 23. Juni 1942 über dem Flugplatz Pembrey, als eine Focke-Wulf Fw 190 zur Landung ansetzt. Das deutsche Jagdflugzeug rollt über die Piste, Mechaniker und Soldaten eilen herbei. Erst jetzt wird dem Piloten klar, dass etwas nicht stimmt.

Denn statt im besetzten Frankreich ist Oberleutnant Armin Faber versehentlich auf einem Stützpunkt der Royal Air Force in Wales gelandet. Für die Briten ist der Irrtum ein Glücksfall: Erstmals fällt ihnen eine nahezu unbeschädigte Fw 190 in die Hände, die der Royal Air Force seit Monaten schwer zusetzt.

„Die Fw 190 war kein revolutionäres Flugzeug, sorgte aber bei ihrer Einführung für Furore im Luftkrieg“, sagt der Militärhistoriker Jens Wehner im Gespräch mit ntv.de. „Sie war das zweitmeistgebaute deutsche Flugzeug des Zweiten Weltkriegs und bewährte sich besonders an der Ostfront als Jagdbomber und Schlachtflugzeug.“

Von dieser Karriere ist anfangs nichts zu erahnen. Die Geschichte der Fw 190 beginnt fünf Jahre vor Fabers Irrflug. 1937 beauftragt das Reichsluftfahrtministerium (RLM) die Bremer Firma Focke-Wulf mit der Entwicklung eines neuen Jagdeinsitzers. Die Konstruktion, die am Reißbrett entsteht, wirkt unspektakulär. Eine Besonderheit sticht jedoch hervor: der luftgekühlte BMW-Sternmotor, der Treffer besser verkraftet als flüssigkeitsgekühlte Motoren vieler Konkurrenten. In Anlehnung an den gleichnamigen Sperlingsvogel erhält die Maschine den Spitznamen „Würger“.

Probleme mit dem Motor

Am 1. Juni 1939 hebt der Prototyp zum ersten Mal ab. Die Flugeigenschaften überzeugen, doch der Motor erweist sich als Sorgenkind. Im Betrieb neigt er zum Überhitzen, die Temperaturen im Cockpit klettern auf unerträgliche Werte. „Ich hatte das Gefühl, mit beiden Beinen im Feuer zu sitzen“, erinnert sich der erste Testpilot später.

Doch Focke-Wulf gibt nicht auf und modifiziert den Prototypen immer weiter. Motor, Flügel und Rumpf werden überarbeitet. Als die intensive Erprobungsphase beginnt, häufen sich die Probleme. Ölleitungen platzen, Kolben fressen sich fest, Maschinen kehren rauchend auf die Flugplätze zurück.

Trotzdem gelangen im Sommer 1941 die ersten Serienmaschinen zu Verbänden in Nordfrankreich und Belgien. Viele Kinderkrankheiten sind da noch nicht beseitigt. Das RLM zweifelt an der Fronttauglichkeit und denkt darüber nach, das Projekt zu begraben. Dagegen protestieren die Piloten energisch. Die Grundkonstruktion sei gelungen, die technischen Probleme lösbar, so ihr Urteil. Sie behalten recht: Nach und nach bekommen die Ingenieure die Schwierigkeiten in den Griff.

Briten rätseln über neuen Gegner

Britische Piloten rätseln zunächst über den mysteriösen Gegner, der nun vermehrt über dem besetzten Frankreich auftaucht. Die ernüchternde Erkenntnis folgt bald: Die Royal Air Force muss feststellen, dass der „Würger“ ihrer Spitfire Mk. V in nahezu allen Leistungsbereichen überlegen ist.

„Für die Briten war das Auftauchen der Fw 190 ein echter Schock“, sagt Wehner. „Die Maschine war bei hohen Geschwindigkeiten sehr gut bedienbar, was der deutschen Angriffstaktik entgegenkam: im rasanten Sturzflug den Gegner überraschen. Da konnte die Fw 190 ihre Stärken voll ausspielen.“

Die Briten sind derart beeindruckt, dass die Führung in London ernsthaft erwägt, mit einem Spezialkommando eine Maschine von einem französischen Fliegerhorst zu stehlen. Der Navigationsirrtum von Oberleutnant Faber macht das Vorhaben aber überflüssig. Erst im Sommer 1942 kann die neue Spitfire Mk. IX dem „Würger“ Paroli bieten.

Im Laufe der Zeit bildet die Fw 190 zusammen mit der älteren Messerschmitt Bf 109 das Rückgrat der deutschen Jagdwaffe. Während die Messerschmitt ihre Stärken in großen Höhen ausspielt, bewährt sich die Maschine aus Bremen im Tiefflug und bei Angriffen auf Bodenziele.

Für ihre Aufgaben ist die Fw 190 im Schnitt stärker bewaffnet als die Bf 109. Während frühe Serienversionen des „Würgers“ noch vier Maschinengewehre und zwei 20-Millimeter-Kanonen tragen, kommen später auch 30-Millimeter-Kanonen und schwerere MGs zum Einsatz.

„Die Fw 190 war leichter zu steuern“

„Die Fw 190 ergänzte die Bf 109: Sie spielte ihre Stärken dort aus, wo die Messerschmitt Schwächen hatte – und umgekehrt“, sagt Wehner. „Die Fw 190 war leichter zu steuern, was gerade durchschnittlichen Piloten zugutekam. Dafür war sie aber auch schwerer und hatte eine schlechtere Steigleistung.“

Insgesamt werden rund 20.000 Fw 190 unterschiedlichster Versionen gebaut. Dabei entfällt ein Drittel der Produktion auf Schlachtflieger und Jagdbomber. Im Kriegsverlauf steigt die Motorleistung von anfangs rund 1600 auf knapp 2000 PS, die schnellsten Versionen erreichen etwa 680 Kilometer pro Stunde. Eine Schwäche allerdings bleibt: Oberhalb von etwa 5700 Metern verliert der BMW-Sternmotor rapide an Leistung. Erst spätere Varianten mit flüssigkeitsgekühlten Motoren verbessern ab Spätsommer 1944 die Höhenleistung.

Von den Tausenden Fw 190 existieren heute nur noch etwa zwei Dutzend Originale. Die meisten stehen in Museen als Zeugnisse eines Jagdflugzeugs, dessen Zukunft zeitweise auf der Kippe stand und das den Luftkrieg über Europa dennoch mitprägte.

Quelle: ntv.de

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