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Startseite»Nachrichten»Gefahr durch Bisse steigt: Klimawandel treibt Giftschlangen in stärker besiedelte Gebiete
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Gefahr durch Bisse steigt: Klimawandel treibt Giftschlangen in stärker besiedelte Gebiete

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 27, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Gefahr durch Bisse steigt Klimawandel treibt Giftschlangen in stärker besiedelte Gebiete

Die Wassermokassinotter (Agkistrodon piscivorus) gehört zu jenen Arten, deren Lebensräume sich Forschern zufolge künftig mit der größten Wahrscheinlichkeit stärker mit dem menschlichen Lebensraum überschneiden wird. (Foto: picture alliance / blickwinkel/R. Koenig)

Die Erderwärmung hat zur Folge, dass sich die Lebensräume von Mensch und Tier verschieben. Eine Modellrechnung zeigt nun, wo künftig vermehrt mit giftigen Reptilien zu rechnen ist. Besonders in zwei Weltregionen steigt die Gefahr durch Schlangen demnach deutlich.

Giftige Schlangenbisse könnten für Menschen im Zuge eines weitgehend ungebremsten Klimawandels ein größeres Problem werden als bisher. Die Regionen, in denen sich giftige Schlangen in von Menschen besiedelten Gebieten tummeln, würden in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen, schreibt ein Forschungsteam im Fachjournal „PLOS Neglected Tropical Diseases“.

Die Gruppe um Anna Pintor von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat unter anderem öffentliche und private Datenbanken, Museumsaufzeichnungen, wissenschaftliche Literatur und Beobachtungsdaten von 508 medizinisch relevanten Giftschlangenarten ausgewertet. Sie modellierte möglichst genau, wo sich Schlangen und Menschen in ihren Lebensräumen überschneiden – und wo sie das in Zukunft tun werden, wenn sich die Erde noch stärker erhitzt hat.

Dabei legt das Team für den weiteren Verlauf des Klimawandels ein „Business-as-Usual“-Szenario zugrunde – im Fachjargon SSP5-8.5 genannt. Damit ist ein weitgehend ungebremster Verlauf der Erderwärmung ohne ein ernsthaftes Gegensteuern gemeint. Die Autoren begründen ihre Fokussierung damit, dass man sich so auf ein Worst-Case-Szenario vorbereiten könne.

Schätzungsweise fast 140.000 Tote jedes Jahr

„Vor dieser Studie war überraschend wenig über die genaue Verbreitung vieler medizinisch bedeutsamer Schlangen bekannt, sogar über einige weit verbreitete Arten, die zahlreiche Bisse verursachen“, betonen die Autoren. Schlangenbisse gälten trotz ihres häufigen Vorkommens in vielen Ländern als vernachlässigte Tropenkrankheit – vor allem, weil man so wenig darüber wisse, wie viele Menschen gebissen würden und wo.

Nach Angaben der Forschenden sterben jährlich – vor allem in ärmeren Ländern und Schwellenländern – schätzungsweise 138.000 Menschen an Schlangenbissen. Außerdem verursachen diese jedes Jahr 400.000 Behinderungen. Die WHO hat das Ziel ausgegeben, diese Krankheitslast bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Doch das bis dato lückenhafte Wissen über die Verbreitung ist dafür eine große Hürde.

Bislang leben der Auswertung zufolge Menschen und Schlangen vor allem in Subsahara-Afrika, Süd- und Südostasien zusammen in ähnlichen Regionen. Diese sind auch bereits als Gefahrenregionen mit Blick auf Giftschlangen bekannt. In der Zukunft könnte es durch stark veränderte Klimabedingungen unter anderem im Osten Nordamerikas und Teilen von China vermehrt dazu kommen, dass Giftschlangen in von Menschen besiedelten Regionen unterwegs sind – mit entsprechend erhöhten Risiken für Bisse.

Einige breiten sich aus – andere sterben aus

Generell lässt sich die Tendenz erkennen, dass sich der Lebensraum vieler Giftschlangen in höhere Breitengrade – also weiter vom Äquator entfernte Regionen – ausweiten dürfte. Je nach Art wird dies wohl unterschiedlich stark der Fall sein. Vier Arten dürften sich den Forschern zufolge mit der größten Wahrscheinlichkeit stärker mit dem menschlichen Lebensraum überschneiden: die Afrikanische Speikobra (Naja nigricollis), der Vielgebänderte Krait (Bungarus multicinctus), die Wassermokassinotter (Agkistrodon piscivorus) und der Nordamerikanische Kupferkopf (Agkistrodon contortrix).

Einige Arten – insbesondere solche, von denen es ohnehin schon nicht mehr viele Tiere gibt, könnten jedoch auch in ihrer Verbreitung abnehmen und zunehmend in ihrer Existenz gefährdet sein. Dies dürfte den Modellen zufolge etwa Arten im Amazonasbecken betreffen.

„Unsere Prognosen können dazu dienen, zu entscheiden, wo welches Schlangengift vorrätig gehalten werden soll, wie eine ausreichende Kapazität einzelner Gesundheitseinrichtungen sichergestellt werden kann, wie der Zugang zur medizinischen Versorgung in abgelegenen, gefährdeten Regionen verbessert werden kann und wo die Schutzbemühungen für bedrohte Schlangenarten konzentriert werden sollten“, betonen die Autoren.

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

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