Gewaltiger als Becker
Struff ballert sich zu deutschem Tennis-Rekord
Marathonmann Jan-Lennard Struff steht in der dritten Runde von Wimbledon – und schafft das mit einem deutschen Rekord. Dem Warsteiner gelingt, was nicht mal die großen deutschen Tennis-Heroen schafften.
Jan-Lennard Struff ist in diesen Tagen Deutschlands Marathonmann in Wimbledon – und seit seinem Zweitrunden-Thriller gegen den US-Amerikaner Brandon Nakashima auch Deutschlands mächtigster Aufschläger: Beim 4:6, 7:6, 7:6, 6:7, 7:6 (10:7) servierte der Warsteiner sagenhafte 45 Asse. Und damit mehr als jeder deutsche Profi vor ihm.
Der bisherige Rekordhalter Michael Stich hatte 1991 auf seinem Weg zum sensationellen Wimbledon-Triumph im Halbfinale gegen den Schweden Stefan Edberg 38 Asse geschafft, das deutsche Tennis-Idol kam vier Jahre später ebenfalls im Wimbledon-Halbfinale (gegen Andre Agassi) auf 31 Asse. Bestmarken, die Struff nun pulverisierte. „Ich wusste, dass ich aktiv spielen muss. Ballwechsel wären ihm entgegengekommen. Ich habe mal gegen Ivo Karlovic viele Asse gehabt. Aber deutscher Rekord ist schön, da freue ich mich“, sagte der aktuell nur auf Weltranglistenposition 74 geführte 36-Jährige.
Das Match war am Mittwochabend nach Nakashimas Satzausgleich wegen Dunkelheit abgebrochen worden. Nach der Wiederaufnahme am Donnerstagnachmittag sah Struff mehrmals wie der sichere Verlierer aus: Beim 5:4 schlug der an Position 28 gesetzte Nakashima zum Matchgewinn auf, im Match-Tiebreak lag Struff schon mit 4:7 zurück – und machte dann sechs Punkte in Folge. Nach vier Stunden und 21 Minuten Spielzeit riss Struff die Arme in die Höhe.
Isner mit Monster-Zahlen
Vom absoluten Rekord ist Struff trotz seiner beeindruckenden Zahlen allerdings noch meilenweit entfernt: 113 Asse servierte der US-Amerikaner John Isner im verrücktesten Match in der langen Geschichte von Wimbledon – und dem epischsten Duell, das sich jemals zwei Tennisprofis lieferten. 2010 bekämpften sich Isner und sein französischer Gegner Nicolas Mahut in der ersten Runde über mehr als elf Stunden, zweimal musste das Match wegen Dunkelheit unterbrochen werden, ehe es am dritten Tag zu Ende ging. 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:6 (7:3) und 70:68 gewann Isner gegen Mahut, der seinerseits immerhin 103 Asse servierte.
Schon in der ersten Runde musste Struff über die volle Distanz gehen, ehe nach knapp drei Stunden sein 6:1, 7:6, 4:6, 2:6, 7:5-Sieg über den Argentinier Sebastian Baez feststand. Mit insgesamt 65 Assen führt der Deutsche aktuell die Ass-Statistik des wichtigsten Grand-Slam-Turniers des Jahres an.
Struff, der letztmals im Oktober vergangenen Jahres zwei Matches hintereinander im Hauptfeld eines großen Turniers gewinnen konnte, bekommt es in der dritten Runde schon am Freitag mit Daniil Medwedew zu tun. Gegen den Russen hat Struff eine lausige Bilanz: Nur eines von neun Matches konnte der Deutsche gegen den US-Open-Sieger von 2021 gewinnen. „Da gilt es, an der Bilanz zu arbeiten“, sagte Struff, dem es nach seinen beiden Marathon-Matches körperlich „gut“ gehe: „Es ist ein Traum.“
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
