Nach dem letzten massiven russischen Angriff auf die Ukraine hat Präsident Selenskyj eine eigene Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen gefordert. Durch den Iran-Krieg ist deren Bestand stark gesunken.
Wieder hat Russland die Ukraine massiv angegriffen. In der Folge dringt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf eine eigene Produktionsstätte für Patriot-Flugabwehrraketen.
Um wirklich Leben schützen zu können, brauche die Ukraine eine eigene Produktion, sagte Selenskyj in einer abendlichen Videobotschaft. Er sprach von einer europäischen Produktion in der Ukraine oder mit Partnern gemeinsam und stellte den USA in diesem Fall auch Unterstützung bei Einsätzen in Aussicht.
Eine breite Allianz von Unterstützerländern hatte der Ukraine für die Flugabwehr Waffen wie US-amerikanische Patriot-Systeme oder die deutschen Iris-T-Komplexe geliefert. Doch die Raketen für solche Flugabwehrsysteme sind teuer und rar. Durch den Iran-Krieg ist das Defizit an solchen Raketen noch größer geworden.
Lizenz für die Produktion benötigt
Selenskyj hofft darauf, dass die USA der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen in Lizenz erlauben. In Bayern stellt etwa der Rüstungskonzern MBDA Deutschland im Joint Venture mit dem US-Unternehmen Raytheon Patriot-Raketen her.
Das ukrainische Verteidigungsministerium bezeichnete die Abwehr ballistischer Raketen in einer Mitteilung aufgrund des Mangels an Raketen für die Patriot-Systeme als zentrale Herausforderung.
Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow habe sich bereits an fast 40 Partnerländer der Ukraine gewandt, und um die Lieferung von Patriot-Raketen aus deren Beständen noch in diesem Monat im Austausch gegen vereinbarte künftige Lieferungen gebeten.
Fast 30 Tote in Kiew
Die schwersten russischen Angriffe seit Kriegsbeginn erschütterten Kiew in der Nacht auf Donnerstag. Nach Angaben der Behörden wurden durch den Beschuss mindestens 27 Menschen getötet, 91 weitere Menschen wurden verletzt. Selenskyj kündigte Vergeltung an. Moskau seinerseits will indes den „Druck“ auf Kiew noch weiter erhöhen.
Zwar war der Angriff erwartet worden und Selenskyj hatte seine Landsleute bereits im Vorfeld vor der Attacke gewarnt. Trotzdem zeigte sich die Flugabwehr in Kiew überfordert. Grund war die Vielzahl und Vielfalt der angreifenden Objekte. Russland überlastete die ukrainische Flugabwehr mit mehreren Angriffswellen, in denen es Drohnen, Raketen und Marschflugkörper koordinierte.
Bei der Abwehr von Drohnen ist die Ukraine nach eigenen Angaben relativ gut. Bei Marschflugkörpern ist die Abschussquote schon bedeutend geringer, und die Iskander-Raketen bereiten Kiew nach wie vor enorme Probleme.
