„Hatte er die Klasse?“
Deschamps wirft brisante Frage in den Raum
15.07.2026 | 01:36 Uhr
Frankreich wird am Sonntag nicht um den WM-Titel spielen: Im Halbfinale platzt der Traum des Vize-Weltmeisters. Nach dem Spiel findet Trainer Deschamps klare Worte – und sorgt dann für Verwunderung.
Nach der Weltmeisterschaft endet eine große Ära des französischen Fußballs: Didier Deschamps, 1998 als Spieler Weltmeister und 2018 als Trainer, wird den Verband verlassen. Das hatte der ehemalige Profi schon weit vor der WM verkündet, nun ist gewiss: Deschamps‘ große Geschichte mit Les Bleus wird nicht mit einem märchenhaften Triumph enden.
Eiskalte Spanier ließen Frankreichs Träume vom WM-Titel im Halbfinale gnadenlos platzen. Im Spiel um Platz 3 geht es am Samstag um kaum mehr als einen Trostpreis. Nach dem Spiel, das die heimische Presse als „Lehrstunde“ einsortierte, sorgte Deschamps allerdings für Verwunderung – mit einer kuriosen Einlassung.
Kuriose Szene: Kult-Schiri sorgt für Lacher
„Ich habe eine Frage, aber keine Antwort: Hatte er die Klasse für ein WM-Halbfinale?“, sagte er über Ivan Barton, den Schiedsrichter aus El Salvador. Und schob nach: „Ich werde auf die Frage nicht antworten.“ Der Unparteiische sei „nicht der Grund, warum wir heute verloren haben“ gewesen. „Deswegen sage ich das nicht. Aber es gab einige Situationen, teilweise auch zu unseren Gunsten …“
Für den El Salvadorianer war das Halbfinale bereits der vierte Einsatz bei der Weltmeisterschaft, zuvor hatte Barton dreimal souveräne bis sehr gute Leistungen gezeigt. Einen kuriosen Auftritt hatte er nun im Halbfinale, als er sich vor einem Freistoß für Spanien in der Anfangsphase von einem Assistenten ein Freistoßspray reichen lassen musste. Ob er seines vergessen oder verloren hatte, ließ sich nicht aufklären.
„Will keine Ausreden suchen“
Barton hatte Mitte der ersten Hälfte einen völlig unzweifelhaften Elfmeter für Spanien gepfiffen, den der Europameister zur Führung nutzte. Kurz zuvor hatte Frankreichs Michael Olise Glück, dass er für ein hartes Einsteigen gegen Rodri nur eine mündliche Verwarnung kassierte. MagentaTV-Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich war mit dieser Milde Bartons nicht einverstanden: „Unser Schiedsrichterexperte, wir haben mit Patrick Ittrich gesprochen, sagt: ‚Das hat alles Zeug zur Roten Karte'“, verkündete Moderator Johannes B. Kerner in der Halbzeit.
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Möglich, dass sich Deschamps für das Gigantenduell einen europäischen Spitzenschiedsrichter gewünscht hatte und sein Kommentar weniger gegen Barton gerichtet war, als dessen Nominierung durch die FIFA infrage stellen sollte. Allerdings gehört der 35-Jährige zu den besten Schiedsrichtern seiner Konföderation, bereits bei der WM 2022 war Barton dreimal zum Einsatz gekommen. Unter anderem hatte er damals den deutschen WM-Auftakt (1:2 gegen Japan) gepfiffen. Der „Kicker“ gab dem Mittelamerikaner seinerzeit die Note 2.
Entscheidenden Einfluss auf das Spiel hatte Barton in der zumeist überraschend einseitigen Partie nicht genommen. Das räumte auch Deschamps deutlich ein: „Spanien hat heute gezeigt, dass sie auf einem anderen Niveau spielen“, sagte der 57-Jährige. „Wir waren schwach. Der Gegner hat uns an unserem Spiel gehindert, aber wir waren auch technisch nicht so gut heute. Wir waren gezwungen, zu verteidigen. Wir konnten ihnen nicht genug Probleme bereiten“, so Deschamps, der unmissverständlich klarstellte: „Zuerst einmal war es unsere Schuld, ich will keine Ausreden suchen.“
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
