Hier spielt die Zukunftsmusik Diese spektakulären Studien zeigt der Pariser Autosalon
Ein bisschen Vergangenheit, viel Zukunft und jede Menge automobile Selbstfindung: Der Pariser Autosalon (bis 18. Oktober) ist in diesem Jahr auch eine Bühne für Designexperimente. Vor allem die französischen Hersteller nutzen ihn als Schaufenster, um ihre Geschichte neu zu interpretieren und ihr Profil für die kommenden Jahre zu schärfen. Die Bandbreite reicht vom elektrischen Volksauto über den Familien-Van bis zum 800 PS starken Sportwagen.
Citroen 2CV Concept: Die Ente kehrt zurück
Einer der größten Stars der Messe ist die Neuinterpretation des Citroen 2CV. Die 3,76 Meter lange Studie greift die unverwechselbaren Formen der legendären Ente auf, interpretiert sie aber zeitgemäß. Runde, freistehende Scheinwerfer, sichtbare Scheibenwischer, drehbare Türgriffe und das große Stoffrolldach erinnern an das bis 1990 gebaute Original. Selbst die mechanisch aufklappbaren Lüftungsklappen unter der Windschutzscheibe feiern ein Comeback.
Im Innenraum setzt sich die nostalgische Gestaltung fort. Eine durchgehende vordere Sitzbank, ein an die historische Krückstock-Schaltung erinnernder Gangwahlhebel und eine Hupe im Blinkerhebel treffen auf einen 8-Zoll-Touchscreen. Kleine Gags wie Eierfächer und ein herausnehmbares Radio unterstreichen den spielerischen Charakter.
Anders als bei vielen anderen Studien gibt es in diesem Fall konkrete Serienpläne. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll die elektrische Ente zu Preisen um 15.000 Euro auf den Markt kommen. Auch ein Kastenwagen-Ableger namens Fourgonnette ist vorgesehen.
Renault E-Space Concept: Comeback des Familien-Vans
Auch Renault blickt zurück, allerdings auf eine andere Epoche. Nach den elektrischen Neuauflagen von R4 und R5 dient nun der erste Espace von 1984 als Vorbild. Mit dem 4,70 Meter langen E-Space Concept wollen die Franzosen daran erinnern, dass geräumige Familienautos nicht zwangsläufig SUV sein müssen. Die elektrisch angetriebene Studie kombiniert die kastenförmigen Proportionen des Ur-Espace mit großen Glasflächen, 23-Zoll-Rädern und moderner Lichttechnik.
Im Inneren warten sechs Einzelsitze auf ebenem Boden. Die Plätze der zweiten Reihe lassen sich um 180 Grad drehen, sodass sich die Passagiere gegenübersitzen können. Ein Highlight im Cockpit ist ein 1,13 Meter breites Panoramadisplay.
Anders als der Van selbst hat es bereits eine konkrete Zukunft: Die Technik soll in kommenden Generationen von Rafale und Scenic zum Einsatz kommen. Eine Serienproduktion des E-Space ist dagegen derzeit nicht vorgesehen.
Renault 8 Gordini Concept: Blaue Legende unter Strom
Neben dem E-Space erinnert Renault mit einer weiteren Studie an die eigene Vergangenheit. Das Renault 8 Gordini Concept interpretiert die sportliche Heckmotor-Limousine der 1960er-Jahre als flaches, 4,12 Meter langes Elektro-Coupé. Die blaue Lackierung mit weißen Längsstreifen, eckige Radhäuser und sechs runde Frontscheinwerfer zitieren das historische Vorbild.
Für den Antrieb sorgt ein 199 kW/270 PS starker Elektromotor im Heck, der seine Kraft wie beim Original an die Hinterräder schickt. Im Innenraum treffen Schalensitze und Alcantara auf runde Digitalinstrumente und gebürstetes Aluminium. Eine Serienfertigung ist nicht vorgesehen. Nach dem Messeauftritt soll das Einzelstück später ins geplante Renault-Museum im französischen Flins umziehen.
Fiat Multiplay: Ein Auto, mehrere Rollen
Dass der klassische Van noch Potenzial besitzt, glaubt auch Fiat. Die italienische Stellantis-Tochter erinnert mit dem 4,45 Meter langen Multiplay an den Multipla, der einerseits als eines der hässlichsten Autos aller Zeiten gilt, andererseits in seinen verschiedenen Generationen ungewöhnlich viel Platz auf kleiner Fläche bot.
Besonders spektakulär an der Studie ist das verschiebbare Heckmodul: Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich der sechssitzige Familien-Van in einen viersitzigen Pick-up mit offener Ladefläche. Der Heckspoiler lässt sich dabei zum Fahrradträger für zwei Räder umfunktionieren. Im Innenraum demonstriert Fiat weitere Variabilität. Ein zusätzliches Sitzelement kann als Kindersitzbasis, Hundetransportplatz, Tisch oder Ablage dienen. Sogar eine Hundeleine und ein faltbarer Napf sind vorgesehen.
Angaben zum Antrieb fehlen, konkrete Serienpläne gibt es ebenfalls nicht.
Opel STX Concept: Ein Bekenntnis zum Kombi
Nicht nur Vans, auch Kombis haben es im SUV-Zeitalter schwer. Opel hält der flachen Karosserieform dennoch die Treue und zeigt mit dem STX Concept einen Ausblick auf den elektrischen Sports Tourer der Zukunft. Die knapp 4,70 Meter lange Studie verbindet einen annähernd drei Meter messenden Radstand mit kurzen Überhängen, ausgestellten Radhäusern und einem langen Dach.
Anders als bei coupéartig gezeichneten Kombis fällt das Heck steil ab und verspricht entsprechend viel Stauraum. Besonders prägend ist die neue Interpretation des Opel-Gesichts. Der bekannte Vizor wächst zu einer großflächigen Lichtinstallation mit zahlreichen Lamellen und beleuchtetem Markenlogo. Auch das Heck erhält eine markante Lichtsignatur. Kamera-Außenspiegel, geschlossene Räder und ausfahrbare Aerodynamikelemente sollen den Luftwiderstand reduzieren.
Technisch setzt die Studie auf elektrischen Allradantrieb und mehr als 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. Batteriedaten und Reichweite bleiben offen. Ein konkreter Astra-Nachfolger ist der STX nicht, seine Gestaltungselemente sollen aber schrittweise in verschiedene Opel-Baureihen einfließen.
Peugeot E-T16: Rallye-Legende unter Strom
Deutlich sportlicher interpretiert Peugeot seine Vergangenheit. Der E-T16 erinnert an den legendären Rallyewagen 205 T16, der in den 1980er-Jahren zweimal die Weltmeisterschaft gewann. Die neue Version setzt allerdings auf drei Elektromotoren und gewaltige 600 kW/816 PS. Aus dem Stand soll die Studie in 2,5 Sekunden Tempo 100 und nach 16 Sekunden bereits 300 km/h erreichen.
Eine 85-kWh-Batterie mit 800-Volt-Technik ermöglicht laut Hersteller bis zu 400 Kilometer Reichweite. Der Ladevorgang auf 80 Prozent soll nur 15 Minuten dauern. Mindestens so interessant wie die Leistungsdaten ist der Designausblick. Unter dem Namen „Feline Future“ führt Peugeot eine neue Formensprache ein, die künftig auch Serienfahrzeuge prägen soll. Dazu kommt ein fast eckiges Hypersquare-Lenkrad mit Steer-by-Wire-Technik, das ohne mechanische Verbindung zu den Vorderrädern arbeitet.
Der E-T16 selbst bleibt ein Einzelstück. Elemente seines Cockpits und seiner Gestaltung dürften sich aber in der nächsten Generation des Peugeot 208 wiederfinden.
Peugeot RCZ Vision: Comeback des Sportcoupés?
Mit dem RCZ Vision erinnert Peugeot an einen weiteren Publikumsliebling. Das von 2009 bis 2015 gebaute Sportcoupé kehrt als rein elektrische Studie zurück. Vom Original übernimmt es vor allem das charakteristisch doppelt gewölbte Dach, während die übrige Karosserie deutlich moderner und reduzierter ausfällt.
Der Elektroantrieb leistet 368 kW/500 PS. Technisch experimentieren die Franzosen zudem mit einer Festkörperbatterie und 1.000-Volt-Architektur. Die noch nicht serienreife Speichertechnik soll 600 Kilometer Reichweite und eine Ladezeit von nur zehn Minuten zwischen 10 und 80 Prozent ermöglichen. Im Innenraum setzt die Studie auf wenige, teilweise transparente Micro-LED-Displays statt einer großflächigen Bildschirmlandschaft.
Ob daraus tatsächlich ein neuer Serien-RCZ entsteht, lässt Peugeot offen.
Alpine A310 Vision: Sportwagen ohne Kompromisse
Einen besonders radikalen Entwurf steuert die Renault-Sportwagenmarke Alpine bei. Die A310 Vision interpretiert das gleichnamige Coupé der 1970er-Jahre neu, verzichtet dabei aber auf allzu offensichtliche Retro-Zitate. Die 4,55 Meter lange und nur 1,18 Meter hohe Studie duckt sich extrem flach auf die Straße. Ein teilweise transparenter Heckflügel, ungewöhnliche Scheinwerfer und scharf geschnittene Karosserieflächen sorgen für einen futuristischen Auftritt.
Die technische Grundlage bildet die neue Alpine Performance Platform, die künftig besonders niedrige und eigenständige Sportwagenformen ermöglichen soll. Eine Serienversion der A310 Vision ist nicht geplant. Vielmehr demonstriert Alpine, welche gestalterischen Freiheiten eine speziell für Sportwagen entwickelte Architektur eröffnet.
Alfa Romeo Cuorerosso: Sportlichkeit mit mehreren Antrieben
Auch Alfa Romeo nutzt Paris zur Selbstvergewisserung. Mit der Studie Cuorerosso, zu Deutsch „Rotes Herz“, erinnert die italienische Marke an ihre sportliche Tradition und gibt einen Ausblick auf ihre künftige Designsprache. Das flache fünftürige Coupé im Stil des Brera aus den Nuller-Jahren bietet vier Personen Platz und verfügt über Luftfahrwerk sowie Keramikbremsen von Brembo.
Interessant ist vor allem die Antriebsstrategie: Die Plattform ist nicht allein für Elektroautos vorgesehen, sondern auch für Mild-, Voll- und Plug-in-Hybride. Denkbar wäre laut Hersteller sogar ein 2,9-Liter-V6-Hybrid mit Allradantrieb. Ein konkretes Serienmodell kündigt die italienische Stellantis-Tochter damit aber nicht an.
DS F3ver Concept: Eine neue Markenidentität
Mit dem F3ver Concept sucht schließlich die französische Marke DS nach einer eigenständigeren Formensprache. Der 4,19 Meter lange Hatchback kombiniert kompakte Abmessungen mit 2,70 Metern Radstand und 400 Litern Kofferraumvolumen. Auffällig sind das vertikale Markensymbol an der Front, die Y-förmigen Leuchten und die aufwendigen LED-Animationen am Heck.
Ein individualisierbarer Dachring und eine ungewöhnliche Zweifarblackierung sollen zusätzliche Differenzierung ermöglichen. Gleichzeitig will die Stellantis-Tochter mit einteiligen Stoßfängern und dem Verzicht auf manche Kunststoffverkleidungen die Zahl der Bauteile reduzieren. Zum Antrieb macht die Marke keine Angaben. Sollte das Konzept in Serie gehen, wäre ein reichweitenstarker Elektroantrieb vorgesehen.
So unterschiedlich die zehn Studien ausfallen, eines verbindet sie: Sie dienen in erster Linie der Profilierung der jeweiligen Marke. Citroen setzt auf sympathische Einfachheit, Renault und Fiat auf Familientauglichkeit, Opel auf praktische Vernunft. Peugeot und Alpine betonen ihre sportlichen Wurzeln, Alfa Romeo seine Antriebsoffenheit und DS den gestalterischen Anspruch. Auffällig ist allerdings auch, dass aus den meisten Entwürfen zunächst keine konkreten Serienfahrzeuge werden. Paris ist damit weniger eine Vorschau auf die nächsten Modelljahre als eine Ideenschau darüber, wohin sich die Marken langfristig entwickeln wollen.
