Hoffnung auf Frieden mit IranWall Street fährt neue Rekorde ein
An der Wall Street wächst die Zuversicht auf ein nahes Ende des Iran-Krieges. Auch die Zollschlappe für US-Präsident Trump vor Gericht sorgt für gute Stimmung unter den Anlegern. Zwei Indizes erreichen Allzeithochs.
Die Wall Street hat ihren Rekordlauf zum Wochenschluss wieder aufgenommen – S&P-500 und Nasdaq erreichten Allzeithochs auf Schlusskursbasis. Die Abgaben vom Vortag wurden somit wieder wettgemacht. Für Zuversicht sorgte, dass die USA offenbar um jeden Preis eine Friedensvereinbarung mit dem Iran finden wollen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete wiederholt die Waffenruhe als intakt und nicht gebrochen, obwohl es wieder wechselseitige Scharmützel zwischen den Kriegsparteien gab.
Während der Dow-Jones-Index bei 49.609 Punkten stagnierte, zogen S&P-500 und Nasdaq-Composite um 0,8 bzw. 1,7 Prozent an. Nach ersten Angaben gab es an der Nyse 1571 (Donnerstag: 1012) Kursgewinner und 1159 (1733) -verlierer. Unverändert schlossen 71 (70) Titel. Positiv auf die Stimmung wirkte auch, dass laut einem US-Bundeshandelsgericht Trump nicht befugt war, neue weltweite Zölle zu erheben, nachdem eine vorherige Zollmaßnahme im Februar vom Obersten Gerichtshof der USA für ungültig erklärt worden war. Folglich sei Trumps Proklamation „ungültig, und die gegen die Kläger verhängten Zölle sind rechtlich unzulässig“.
Sehr starke Arbeitsmarktdaten setzten derweil kaum Akzente. Die US-Wirtschaft hat im April sehr viel mehr neue Stellen geschaffen, als Ökonomen ihr zugetraut hatten. Die Arbeitslosenquote blieb konstant bei 4,3 Prozent. Nicht nur stehen die US-Arbeitsmarktdaten derzeit nicht im Rampenlicht, die Lesung löste auch keinen Handlungsbedarf mit Blick auf die US-Notenbank aus. Am Markt wird derzeit erwartet, dass die Fed im laufenden Jahr stillhalten wird.
Lockerung unter neuem Fed-Chef?
„Mit der erhöhten und steigenden Inflation würde die Fed unter normalen Umständen über Zinserhöhungen nachdenken. Stattdessen wird die Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh voraussichtlich abwarten. Das bedeutet, dass die Geldpolitik de facto lockerer wird“, urteilte Chefmarktstratege Sonu Varghese von Carson Group. Für eine Lockerung der Geldpolitik sprach auch die schwächer als gedacht ausgefallene Stimmung der US-Verbraucher im Mai, zumal die Inflationserwartungen der Konsumenten zurückgingen.
Am Anleihemarkt sanken die Renditen auf alle Fälle wieder – im Zehnjahresbereich um 3 Basispunkte auf 4,36 Prozent. Analystin Daniela Hathorn von Capital.com wies darauf hin, dass das Lohnwachstum auf Jahresbasis schwächer als erwartet ausgefallen sei. „Es reduziert die Dringlichkeit für die Fed, weiter zu straffen (…)“, sagte Hathorn. Der Dollar-Index büßte mit gesunkenen Marktzinsen 0,1 Prozent ein.
Die Ölpreise legten mit den Schlagzeilen über Kampfhandlungen im Nahen Osten leicht zu, Nordseeöl der Sorte Brent kostete weiter über 100 Dollar das Fass. Auf Wochensicht verbuchte der Ölpreis aber Verluste von 6,4 Prozent. Trump hatte die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen iranischen und US-amerikanischen Streitkräften als „eine Lappalie“ abgetan und erklärt, dass der Waffenstillstand weiterhin in Kraft sei. Sinkende Marktzinsen und Dollar-Schwäche hieven die Feinunze Gold um 0,8 Prozent nach oben.
Apple und Intel mit Rückwind
Unter den Einzelaktien stiegen Apple um 2 Prozent, Intel schnellten um 13,9 Prozent nach oben. Beide Technologiekonzerne haben offenbar eine vorläufige Vereinbarung getroffen, nach der Intel einen Teil der Chips für Apple-Geräte herstellen soll, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen erklärten. Am Aktienmarkt sorgte darüber hinaus weiter die Berichtssaison für stärkere Impulse. Coreweave hatte den Verlust im ersten Quartal ausgeweitet und mitgeteilt, dass höhere Komponentenpreise die Investitionsausgaben in diesem Jahr erhöhen könnten. Der Cloud-Computing-Anbieter plant Investitionen über 31 bis 35 statt von 30 Milliarden Dollar. Die Aktie stürzte um 11,4 Prozent ab.
Cloudflare brachen um 23,6 Prozent ein. Das Cloud-Konnektivitätsunternehmen plant im Rahmen eines von künstlicher Intelligenz getriebenen Restrukturierungsplans rund 1100 Arbeitsplätze abzubauen und sprach von einer Reaktion darauf, dass KI einen „Paradigmenwechsel“ in der Softwarebranche auslöse. Das Unternehmen meldete zudem einen Quartalsgewinn und -umsatz, die besser als von der Wall Street erwartet ausfielen, und hob die Jahresprognose an. Auch Upwork baut im Rahmen eines Restrukturierungsplans Arbeitsplätze ab, konkret fast ein Viertel. Die Marktplattform für freie Mitarbeiter verwies ebenfalls auf eine sich verändernde „Natur der Arbeit“ durch den Fortschritt der KI-Technologie. Das Unternehmen senkte zudem seine Umsatzprognose. Die Aktie sackte um 16,9 Prozent ab.
Block hatte die Jahresgewinnprognose angehoben, nachdem der Bruttogewinn im ersten Quartal gesteigert worden war. Die Aktie des Fintech-Unternehmens wurde 6,7 Prozent höher gehandelt. Akamai Technologies gab bekannt, im Rahmen einer siebenjährigen Vereinbarung im Wert von 1,8 Milliarden Dollar Cloud-Infrastruktur-Dienste für ein führendes KI-Labor bereitzustellen. Die Reaktion war ein Kursfeuerwerk um 26,6 Prozent. Trade Desk verloren 1,8 Prozent. Das Werbetechnologieunternehmen meldete für das erste Quartal schwächer als erwartet ausgefallene Gewinne und gab eine schwache Umsatzprognose ab. Einen Abschlag von 9 Prozent verbuchten Expedia nach Zahlenvorlage. Analysten sprachen von einer enttäuschenden Buchungsprognose des Reiseportals.
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