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Startseite»Politik»Indie-Macher verleihen der deutschen Games-Branche frischen Wind
Politik

Indie-Macher verleihen der deutschen Games-Branche frischen Wind

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.04.2026 • 14:56 Uhr

Die Games-Branche in Deutschland wächst und verändert sich rasant. Zwischen Blockbustern, Indie-Projekten und neuen Plattformen stellt sich die Frage: Was bieten die neuen Spiele? Ein Blick auf die kreative Szene.

Videospiele sind längst mehr als Zeitvertreib. Sie sind Milliardenmarkt, Erzählmedium und kulturelle Ausdrucksform zugleich. Doch die Branche steht unter Spannung: Während kreative Ideen und neue Projekte entstehen, konzentrieren sich Aufmerksamkeit und Geld zunehmend auf wenige große Plattformen.

Der Deutsche Computerspielpreis macht diese Entwicklung sichtbar. Die Bandbreite der nominierten Spiele ist groß. Sie zeigt, wie unterschiedlich Games heute sein können.

Strategie-, Wirtschafts- und Gesellschaftsspiele

Da ist etwa „Anno 117: Pax Romana“, entwickelt bei Ubisoft Mainz: ein aufwendig produziertes Strategiespiel. Es simuliert komplexe Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme. Oder „The Berlin Apartment“. Es erzählt deutsche Geschichte aus der Perspektive einer Altbauwohnung – über Jahrzehnte hinweg, anhand persönlicher Schicksale.

„Tiny Bookshop“ wirkt fast wie ein interaktiver Besuch im Lieblingscafé. Das ruhige Spiel über einen kleinen Buchladen am Meer reduziert und entschleunigt.

Professorin Mareike Ottrand war lange in der Jury vom Deutschen Computerspielpreis. Die Expertin sagt: „Die Games-Landschaft ist vielfältig“.

Games-Landschaft heute ist divers und vielfältig

Große Produktionen, kleine Projekte, persönliche Geschichten: All das existiert nebeneinander. Für Mareike Ottrand als langjährige Jurorin beim Deutschen Computerspielpreis ist genau das entscheidend: Die Games-Landschaft sei heute „sehr divers und vielfältig“, sagt die Professorin für Games an der HAW Hamburg.

Wie solche Projekte entstehen, zeigt das Spiel „Heart Drive“. Entwickelt hat es der Hamburger Game-Designer Jonas Pfeiffer – zunächst als Studienprojekt. Die Idee kam aus einer persönlichen Situation heraus. Damals sei es ihm nicht gutgegangen, sagt Pfeiffer. Er habe einfach nur mit dem Auto davonfahren wollen. Daraus entstand ein Spiel, das wie ein Roadtrip beginnt: Drei Figuren reisen gemeinsam durch eine fremde Inselwelt. Sie erkunden ihre Umgebung und stoßen auf Spuren einer vergangenen Zivilisation.

Visuell prägt das Spiel eine Mischung aus Retro-Science-Fiction und 70er-/80er-Jahre-Ästhetik, mit bewusst reduzierten, fast nostalgischen Gestaltungselementen. Das Besondere: Tempo, Erkundung und ungewöhnliche Spielmechaniken greifen ineinander – etwa dann, wenn während der Fahrt geangelt wird. Was zunächst skurril wirkt, fügt sich zu einem stimmigen Ganzen.

Kreativität und Zugänge durch kostenlose Programme

Noch ist „Heart Drive“ ein Prototyp. Dass er dieses Jahr für den Computerspielpreis nominiert ist, liegt auch an Pfeiffers Arbeitsweise. Er habe „eine starke Vision“ gehabt und diese konsequent umgesetzt, sagt seine Professorin Ottrand. Gerade in der Spieleentwicklung sei das bemerkenswert – weil hier viele Disziplinen zusammenkommen.

Dass solche Projekte entstehen, hat auch mit veränderten Bedingungen zu tun. Der Zugang zur Spieleentwicklung ist einfacher geworden: Kostenlose Programme wie Unity, Godot oder Blender sind oft frei verfügbar, digitale Plattformen ermöglichen die Veröffentlichung auch ohne großes Studio.

Für viele junge Entwicklerinnen und Entwickler ist das ein Einstieg in die Branche. Pfeiffer beschreibt die Szene als offen und stark vernetzt – gerade in Städten wie Hamburg, Berlin oder Köln. „Da draußen gibt es unglaublich viele interessante Leute und Ideen“, sagt er.

Gerade im Indie-Bereich entsteht so eine große kreative Vielfalt: kleine Teams, manchmal nur eine einzelne Person, entwickeln persönliche Spiele – oft abseits gängiger Genres. Viele dieser Projekte erreichen inzwischen auch international Aufmerksamkeit.

Computerspielentwickler Jonas Pfeiffer hat 2026 einen Spiel-Prototypen entwickelt: einen Retro-Sci-Fi-Roadtrip.

Meistes Geld fließt in Games wie Fortnite und Minecraft

Doch diese kreative Vielfalt trifft auf eine wirtschaftliche Realität: Ein Großteil der Spielzeit entfällt auf wenige große Plattformen und langlebige Titel. Dazu gehören „Minecraft“, „Fortnite“ und „Roblox“, die über Jahre hinweg erweitert werden. „Das meiste Geld geht an die großen Titel“, sagt Ottrand. Kleinere Spiele seien wichtige Impulsgeber. Sie bräuchten aber Unterstützung, etwa durch Förderstrukturen oder risikobereite Publisher. Gleichzeitig versucht die deutsche Games-Branche, international sichtbarer zu werden: durch Netzwerke, gezielte Förderung und Preise wie den Deutschen Computerspielpreis.

Auch als Kulturgut haben es Games nicht immer leicht. Pfeiffer sieht zwar großes künstlerisches Potenzial. Gleichzeitig seien Spiele oft schwer zugänglich – etwa, weil ältere Titel auf neuer Hardware oder aktuellen Betriebssystemen irgendwann nicht mehr funktionieren und digital verschwinden können.

Künstliche Intelligenz verändert die Produktion

Hinzu kommen neue Entwicklungen: Künstliche Intelligenz verändert die Produktion, die Ansprüche an Entwickler steigen. Ausbildung und Branche werden interdisziplinärer, komplexer, internationaler. Für Hochschulen wie die HAW Hamburg bedeutet das, nicht nur Fachkräfte auszubilden, sondern kreative Persönlichkeiten zu fördern. Menschen, die eigene Ideen entwickeln und sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Die deutsche Games-Szene steht damit exemplarisch für eine Branche im Wandel: zwischen künstlerischem Anspruch, technologischem Fortschritt und wirtschaftlichem Druck.

Spiele sind heute zugänglicher denn je: auf Konsolen, Smartphones, Tablets oder direkt über digitale Plattformen. Gleichzeitig konkurrieren unzählige neue Titel um Aufmerksamkeit und Spielzeit.

Sie können persönliche Geschichten erzählen oder ein Millionenpublikum erreichen. Oder, wie Entwickler Pfeiffer es beschreibt: als Möglichkeit, in andere Welten einzutauchen – und dabei vielleicht etwas über sich selbst zu erfahren.

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Dr. Heinrich Krämer
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