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Startseite»Politik»Inflation im Euroraum sinkt deutlich auf 2,8 Prozent
Politik

Inflation im Euroraum sinkt deutlich auf 2,8 Prozent

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.07.2026 • 13:51 Uhr

Die Entspannung im Iran-Konflikt dämpft die Inflation: Die Verbraucherpreise in der Eurozone stiegen im Juni um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das nimmt der EZB den Druck, die Zinsen rasch weiter anzuheben.

Nachdem sich bereits die Inflationsrate in Deutschland merklich abgeschwächt hat, steigen auch die Verbraucherpreise im gesamten Euroraum wieder langsamer. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Juni nur noch um durchschnittlich 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte.

Volkswirte hatten im Schnitt lediglich einen Rückgang der Rate auf 3,0 Prozent erwartet. Im Mai war die Inflationsrate im Zuge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreis-Schocks noch auf 3,2 Prozent geklettert. Mit der Entspannung an den Märkten sind die Ölpreise am Weltmarkt mittlerweile jedoch wieder auf das Vorkrisenniveau gesunken – von in der Spitze rund 120 Dollar je Barrel Brent-Öl auf zuletzt rund 73 Dollar.

Deutsche Inflationsrate laut Eurostat bei 2,4 Prozent

Das kam auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland zugute, die zusätzlich mit dem heute auslaufenden Tankrabatt entlastet wurden. Hierzulande sank die Teuerungsrate im Juni nach der zu europäischen Vergleichszwecken berechneten Rate auf 2,4 Prozent, von 2,7 Prozent im Mai. Nach der nationalen Berechnungsweise beträgt sie 2,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Die höchsten Inflationsraten in der Eurozone verzeichneten Litauen (5,5 Prozent), Bulgarien (5,3 Prozent) und Kroatien (4,2 Prozent). Die niedrigsten Anstiege des Preisniveaus gab es in Malta (1,9 Prozent) sowie Estland und Frankreich (beide 2,0 Prozent). Energieprodukte verteuerten sich im Vergleich zum Juni vergangenen Jahres um 8,7 Prozent, nach 10,8 Prozent im Mai. Bei Dienstleistungen lag der Preisanstieg im Euroraum im Jahresvergleich bei 3,2 Prozent.

„Bleibt die Lage im Nahen Osten stabil, liegt der Höhepunkt des energiegetriebenen Preisschubs hinter uns“, erklärte die Ökonomin Stephanie Schoenwald von der staatlichen Förderbank KfW.

Debatte in der EZB über weiteres Vorgehen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte sich im Juni gegen die steigende Inflation im Euroraum gestemmt und erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben. Die Notenbank verfehlt ihr Ziel einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent derzeit klar und will eine Verfestigung der Teuerung auf hohem Niveau vermeiden. Die Währungshüter debattieren derzeit über die Notwendigkeit eines weiteren Zinsschritts.

EZB-Ratsmitglied Alexander Demarco aus Malta sieht dafür jedoch keine Dringlichkeit: „Angesichts der aktuellen Lage – mit Ölpreisen, die wieder etwa das Niveau von vor dem Konflikt erreicht haben – können wir es uns leisten, die nächsten Prognosen abzuwarten, anstatt zu riskieren, das Wirtschaftswachstum durch eine weitere hastige Zinserhöhung unnötig zu beeinträchtigen.“

Bundesbank-Chef Joachim Nagel sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Ich teile die Überraschung vieler Ökonomen über Ausmaß und Tempo des Preisrückgangs.“ Selbst in den mildesten Szenarien der EZB sei das nicht vorgesehen gewesen. Aber: „Wir sollten unser Inflationsbild deswegen nicht komplett umwerfen.“ Die Inflation sei immer noch zu hoch. Nagel hatte jüngst betont, dass er sich mit Blick auf die anstehenden Zinsentscheide der EZB alle Optionen offenhält.

Experten erwarten weitere Zinserhöhung in diesem Jahr

Die EZB entscheidet am 23. Juli und danach am 10. September über den Leitzins. Auf der übernächsten Sitzung im September werden dann auch die aktualisierten Prognosen des EZB-Stabs vorgelegt. Im Juli dürften die Leitzinsen erstmal unverändert bleiben, prognostiziert Schoenwald. „Erst die Daten der nächsten Wochen und Monate werden Aufschluss darüber geben, wieviel zusätzlicher Preisdruck sich durch das viermonatige Energiepreishoch noch in der Wirtschaft entfaltet.“

Commerzbank-Chefsvolkswirt Jörg Krämer erwartet bis zum Jahresende eine Inflationsrate, die um knapp drei Prozent schwankt: „Trumps Iran-Deal kann den vorherigen Ölpreisschub nicht ungeschehen machen, den die Unternehmen in den kommenden Monaten teilweise an die Verbraucher weitergeben werden.“ Die EZB sollte ihre Leitzinsen daher nach der Sommerpause noch einmal anheben, so Krämer.

Auch Alexander Krüger, Chefsvolkswirt bei ABN Amro Deutschland, hat eine weitere Zinserhöhung für September auf dem Zettel: „Wegen des Risikos von Zweitrundeneffekten scheint die EZB gewillt, die Zinsen weiter zu erhöhen.“

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