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Politik

Tankstellen-Pächter befürchten neuen Unmut von Autofahrern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.07.2026 • 15:01 Uhr

Monatelang sahen sich Tankstellenpächter wütenden Kunden und einbrechenden Umsätzen ausgesetzt. Der Tankrabatt brachte Entspannung. Gibt es jetzt neuen Unmut bei Autofahrern, wenn der Sprit wieder teuer wird?

20 bis 25 Prozent, so viele der Kunden sollen vor Einführung des Tankrabatts aggressiv gegen Steven Gröbler, einem Tankstellenpächter in Berlin und seinen Mitarbeitenden gewesen sein. „Alle Mitarbeiter von mir haben schon grünes Licht bekommen, Hausverbote zu erteilen“, sagt der 39-Jährige.

Die Kunden hätten ihren Frust über die Preise beim Personal abgeladen. Einmal habe er sogar eigenhändig einen Mann aus seiner Tankstelle in Berlin rausgeworfen. „Der hatte getankt, kam rein und pfefferte das Geld auf die Theke, nach dem Motto: ‚Mach du mal‘. Das kann ich schon gar nicht ab. Beschimpfte uns dann, was für eine Mafia wir wären. ‚Alles Verbrecher bei den Preisen‘.“ Diese täglichen Aggressionen hätten ihn am stärksten belastet, sagt Gröbler rückblickend.

„Leute haben richtig sauer reagiert“

Diese Verhaltensweisen hat nicht nur er festgestellt. Auch andere Pächter hätten gemeldet, dass der riesige Preisschock bei den Kunden zu Aggressionen gegenüber dem Personal geführt habe, so Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes: „Da haben die Leute richtig sauer, mit Vorwürfen, Beleidigungen und Anschuldigungen reagiert.“ Die Menschen hätten nicht verstanden, dass nicht die Pächter die Preise machen, sondern die Konzerne.

Erst durch den Tankrabatt, die niedrigeren Spritpreise und die Berichterstattung, hätten sich die Gemüter beruhigt. Den Menschen sei zunehmend klar geworden, dass die Einnahmen an der Zapfsäule zum größten Teil direkt an die Mineralölkonzerne und durch die Steuern an den Staat fließen. Die Pächter bekommen durch den Verkauf des Kraftstoffs nur eine kleinere Provision. „Im Schnitt bekommen wir zwischen 0,8 und 1,2 Cent pro verkauftem Liter“, sagt Gröbler.

Pächter von den Shop-Einnahmen abhängig

In den ersten Wochen des Preisschocks hätten die Kunden und Kundinnen noch normal getankt, erzählt Gröbler. Aber nach einem Monat wurde es weniger. Dazu kam, dass immer weniger Kleinigkeiten in seinem Shop gekauft wurden. Niemand wollte mehr die Marken-Limo, Schokolade oder den Müsliriegel. „Da dachte ich mir noch: Okay, das wird sich schon wieder einkriegen. Aber es wurde halt immer schlimmer. Irgendwann haben die Leute wirklich nur noch getankt.“ 37 Prozent Umsatzeinbruch im Shop bedeutete das für Steven Gröbler.

So sei es auch vielen anderen Pächtern ergangen, sagt Herbert Rabl. Vielfach wurde von bis zu 30 Prozent weniger Umsatz berichtet. „Die Bereitschaft, Blumen für die Frau oder Schokolade für die Enkel zu kaufen, ist massiv gesunken, und dadurch hatten wir beim Shop die Umsatzeinbrüche.“

Es sei wichtig zu verstehen, wie sich die Umsätze für die Pächter zusammensetzen. „Sie verdienen ungefähr 60 Prozent ihres Unternehmerlohns über die Margen im Shop“, so Rabl. „20 Prozent bekommen sie über die Provisionen, die sie von der Mineralölwirtschaft für den Spritverkauf bekommen, und etwa 20 Prozent mit Zusatzgeschäft, zum Beispiel Autowäschen.“

Mit dem Tankrabatt wurde es besser. Die Kunden und Kundinnen hätten wieder mehr im Shop gekauft, griffen aber vor allem zu den günstigen Produkten, sagt Göbler. Er betreibt neben seiner Tankstelle eine eigene Werkstatt – ein wesentlicher zusätzlicher Gewinn in diesen Monaten. „Ohne Werkstatt hätte ich hier schon alle entlassen, das würde gar nicht gehen. Dann würde ich hier alleine stehen, vielleicht noch mit einem Mitarbeiter.“

Der Tankrabatt konnte nicht alles abfedern

„Der Umsatz, den wir vor der Krise gemacht haben, war trotz Tankrabatt nicht in Reichweite“, sagt Gröbler. Dazu kam, dass die Monate vor dem Tankrabatt den Pächter vor enorme finanzielle Herausforderungen stellten. Er habe nicht gewusst, wie er sein Personal bezahlen soll.

Gröbler sah nur noch die Möglichkeit, sein privates Geld in die Tankstelle und in die Bezahlung seiner Angestellten zu stecken. Vor allem mit dem Ziel, so lange wie möglich Arbeitsplätze zu sichern. Zwei seiner Autos hatte er zu dem Zeitpunkt schon verkauft, eigentlich um sich das Geld zur Seite zu legen. Stattdessen nutze er es für die Bezahlung seiner Beschäftigten.

Minijobber gekündigt

„Ich habe im März über 5.000 Euro, im April 3.000 Euro reingebuttert“, erzählt Gröbler. „Ich konnte das irgendwann aber nicht mehr.“ Im Mai musste er die Notbremse ziehen. Trotz Tankrabatt kündigte er allen Minijobbern, die bei ihm angestellt waren, insgesamt sieben Mitarbeitende, „damit ich die Personen, die hier ihr Haupteinkommen bestreiten, behalten kann.“ Seine große Hoffnung sei, dass er alle, die er entlassen musste, wieder einstellen kann, sobald sich die Situation nachhaltig entspanne.

Und wie geht es nun weiter? „Vor ein paar Tagen hat ein Liter Diesel 1,67 Euro gekostet. Das gab es ja Ewigkeiten nicht mehr. Da war hier die Hölle los und die Leute haben dann auch wieder die Marken-Limo gekauft oder einen Riegel oder ein Eis“, sagt der Berliner Tankstellenpächter. Doch ihm sei klar, dass das nach dem Auslaufen des Tankrabatts vorbei sein werde. „Wenn dann wieder eine Zwei vor dem Komma steht, dann haben wir wieder das gleiche Problem.“

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