Vermittler Pakistan weckt Hoffnungen, Iran bremst: Eine Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges noch am Wochenende scheint unwahrscheinlich. Die iranische Seite deutet jedoch einen baldigen Abschluss an.
Die USA und Iran stehen nach übereinstimmender Darstellung beider Seiten sowie des Vermittlers Pakistans kurz vor einem Abkommen zur Beendigung des Kriegs. Widersprüchliche Angaben werfen nun jedoch die Frage auf, wann genau es zu der Unterzeichnung einer Absichtserklärung für das Friedensabkommen kommen könnte.
Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif teilte am Samstag im Onlinedienst X mit, eine Einigung werde „voraussichtlich in den nächsten 24 Stunden erwartet“ – also noch am Wochenende. Pakistan bereite sich „auf die elektronische Unterzeichnung des Friedensabkommens“ vor. Danach sollten „technische Gespräche auf Fachebene in der kommenden Woche“ folgen. „Wir sind einem Friedensabkommen näher als je zuvor“, erklärte Sharif.
Trump hatte Unterzeichnung in Europa angedeutet
US-Präsident Donald Trump teilte auf seiner Plattform Truth Social einen Screenshot von Sharifs Post, ohne ihn weiter zu kommentieren. Zuvor war in den USA nicht von einer möglichen elektronischen Unterzeichnung die Rede. Am Donnerstag hatte Trump im Weißen Haus gesagt, die Dokumente für ein Abkommen sollten in Kürze fertiggestellt und vielleicht schon an diesem Wochenende in Europa unterzeichnet werden.
Die iranische Regierung schloss Staatsmedien zufolge die Unterzeichnung an diesem Wochenende hingegen aus. „Wir müssen abwarten, bis das genaue Datum der Unterzeichnung feststeht“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna. Das werde „nicht morgen, am Sonntag“, sondern eher „in den kommenden Tagen“ der Fall sein.
Im Iran-Krieg gilt derzeit eine Waffenruhe, die allerdings immer wieder gebrochen wird. Die laufenden Verhandlungen sollen die Kämpfe dauerhaft beenden.
Öffnung der Straße von Hormus offenbar vorgesehen
Trump hatte seit Beginn des Krieges vor gut drei Monaten bereits mehrfach gesagt, dass man einer Einigung nahe sei – was von Iran stets dementiert wurde und dann auch nicht eintrat. Am Freitag allerdings hatten beide Seiten signalisiert, dass ein Ende der Kämpfe nahe sei. Laut einem hochrangigen US-Regierungsvertreter – auf den sich die Nachrichtenagentur Reuters beruft – haben sich die US-Regierung und die Führung in Teheran auf einen Text verständigt.
Nach Angaben von Irans Außenminister Abbas Araghtschi befasst sich der Entwurf des Abkommens vor allem mit der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormus sowie der Seeblockade. Auch würden Themen diskutiert, die im Anschluss an eine Unterzeichnung in weiteren Verhandlungsrunden besprochen werden sollen – darunter das iranische Atomprogramm, die Aufhebung von Sanktionen sowie die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte.
Laut Trump sieht die geplante Vereinbarung eine Öffnung der Straße von Hormus vor. Medienberichten zufolge soll dieser Schritt binnen 30 Tagen vollzogen sein – und im Gegenzug laut Trump die US-Blockade iranischer Häfen aufgehoben werden.
Doch wie schwierig die Lage weiterhin ist, zeigt ein neuer Zwischenfall in der Straße von Hormus. Das US-Militär meldete am frühen Morgen erneut mehrere Drohnenangriffe Irans auf Handelsschiffe in der Meerenge am Persischen Golf. „Die US-Streitkräfte haben sie alle in den letzten Stunden abgeschossen, während der Schiffsverkehr durch die Meerenge ungehindert weiterfließt“, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf X mit.
Weiter Kämpfe zwischen Israel und Libanon
Die USA und Israel hatten den Krieg gegen Iran am 28. Februar begonnen. Israel kämpft auch gegen die mit Iran verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon.
Ob mit dem Abkommen auch die Streitfrage Libanon gelöst wird, ist offen. Iran hatte gefordert, dass Israel seine Offensive gegen die Hisbollah beendet. Israel ist allerdings an den amerikanisch-iranischen Verhandlungen nicht direkt beteiligt. Der iranische Außenamtssprecher Baghai betonte, dass die Vereinbarung auf die Beendigung der Kriegshandlungen an allen Fronten – einschließlich des Libanon – abziele.
Israel greift Ziele im Südlibanon an
Die Kämpfe dort gehen unterdessen weiter: Die israelische Armee forderte die Bewohner von 24 Städten und Dörfern im Südlibanon zur Evakuierung auf. Armeesprecher Avichay Adraee erklärte auf X, die Bewohner sollten ihre Häuser zu ihrer eigenen Sicherheit unverzüglich verlassen und sich nördlich des Flusses Sahrani begeben. Wer sich in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern, deren Einrichtungen und Kampfmitteln aufhalte, bringe sein Leben in Gefahr.
Nach dem Aufruf zur Evakuierung meldeten libanesische Sicherheitskreise heftige israelische Angriffe mit Kampfflugzeugen, Drohnen und Artillerie auf Ziele in den genannten Gebieten – beispielsweise auf Kfar Ruman, Nabatija sowie die Hügel oberhalb der Stadt. Einige Gebiete, wie der größte Teil von Nabatija und Kfar Ruman, seien bereits vor der neuen Warnung nahezu menschenleer gewesen.
Die israelische Armee erklärte auf X, dass in den vergangenen 24 Stunden mehr als 70 Einrichtungen der Hisbollah angegriffen worden seien – darunter Abschussrampen und Gebäude. Sie berichtete zuvor mehrfach von Luftalarm in Nordisrael nach mutmaßlichen Drohnenangriffen der Hisbollah. Betroffen gewesen seien unter anderem die Grenzorte Metula und Misgav Am. Die Hisbollah erklärte, dass sie zwei israelische Militärfahrzeuge im Südlibanon mit Drohnen angegriffen habe.
