Kahlschlag in MünchenSiemens-Manager müssen um ihre Titel bangen
Schluss mit dem Chef-Wildwuchs bei Siemens: Vorstandschef Busch plant laut einem Bericht eine radikale Entschlackungskur. Um effizienter zu werden, sollen hunderte C-Level-Titel wegfallen.
Mit dem „One-Tech-Company“-Programm hat sich Siemens einiges vorgenommen. Um den Industriekonzern in einen Technologieriesen umzuwandeln, will Vorstandschef Roland Busch unter anderem die Kernsparten Automatisierung, Gebäudetechnik und Bahntechnik enger miteinander verzahnen. In Zukunft sollen im Vertrieb, bei der Nutzung von Daten oder der Entwicklung von Software Synergien geschaffen werden. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ soll der Umbau unmittelbare Konsequenzen für einige Führungskräfte haben. Demnach könnte der „Chief“-Titel zum größten Teil abgeschafft werden.
Im Konzern gebe es hunderte CEOs, CFOs und andere C-Posten von Sparten oder Landesorganisationen. Dieser Wildwuchs passe nicht mehr zur neuen Organisation mit schlankeren Strukturen, berichtet die Zeitung auf Grundlage von Informationen aus Industriekreisen. Viele solcher Positionen bis hinauf zur Vorstandsebene könnten demnach künftig entfallen oder durch die Bezeichnung „Head of“ ersetzt werden. Siemens verzichtete darauf, die Informationen zu kommentieren.
Dass die angestrebte Effizienzsteigerung auch Arbeitsplätze kosten wird, sei allen klar, zitiert das „Handelsblatt“ einen Siemens-Manager. Es handele sich dabei aber nicht um ein Stellenabbauprogramm. Vielmehr werde sich bei den meisten Betroffenen nur die Berichtslinie, der Titel oder die Aufgabe ändern.
Mit dem „One-Tech“-Ansatz will der Konzern außerdem schneller wachsen. Unter anderem soll der Umsatz im Digitalgeschäft bis 2030 verdoppelt werden. Um das zu erreichen, will Siemens seine Struktur und Entwicklungsprozesse vereinfachen. Als Beispiel nannte Busch im vergangenen November die Softwareentwicklung. Die rund 30.000 Software-Entwickler bei Siemens nutzten derzeit etwa 900 verschiedene Versionen von Entwicklungs-Programmen. Diese Zahl soll auf einige Dutzend standardisierte Werkzeuge sinken. Das werde die Produktivität steigern. Zudem will Siemens seine Position in Wachstumsregionen ausbauen – konkret mit erhöhten Investitionen in den USA, China und Indien – und in den kommenden drei Jahren eine Milliarde Euro in seine KI-Angebote investieren.
Zuletzt hatten Fondsmanager gefordert, der Umbau müsse schneller Ergebnisse liefern. „Siemens hat das Potenzial, der Gewinner der industriellen KI-Revolution zu sein“, sagte Arne Rautenberg, Leiter des Portfolio-Managements bei der genossenschaftlichen Union Investment, auf der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle im Februar dieses Jahres. Aber das Vertrauen des Kapitalmarkts sei kein Dauerzustand. „Wir wollen keine Visionen mehr kaufen, wir wollen Ergebnisse sehen. Wann wird aus der Story endlich Substanz?“
