Seit fast fünf Monaten sitzt der frühere Präsident von Venezuela, Nicolas Maduro, in einem Bundesgefängnis in New York. Zunächst in Isolationshaft, mittlerweile sollen sich aber die Bedingungen verbessert haben.
In den ersten drei Monaten seiner Haft war Nicolas Maduro in einer kargen Einzelzelle untergebracht: zwei mal drei Meter. Ein Bett mit dünner Matratze, eine Toilette mit Waschbecken, ein kleiner Schreibtisch. Nur eine Stunde am Tag durfte der frühere Präsident Venezuelas in einem kleinen Außenbereich an die frische Luft. Duschen war drei Mal pro Woche erlaubt. Seine Frau Cilia Flores durfte er nur beim Transport in den Gerichtssaal sehen.
Das Bundesgefängnis in Brooklyn sei „die Hölle auf Erden“, sagt Sam Mangel. Der frühere Versicherungsmakler saß selbst wegen Betrugs im Gefängnis und bereitet heute prominente Straftäter auf ihre Zeit hinter Gittern vor. „Auf dem Gang, auf dem sich Maduros Einzelzelle befindet“, so Mangel, „sitzen auch Insassen mit psychischen Erkrankungen, die Tag und Nacht an ihre Türen klopfen und schreien.“
Sohn bestätigt, Gefängnis äußert sich nicht
Doch offenbar ist Maduro Anfang April verlegt worden: aus der kargen Isolationshaft in eine Gemeinschaftszelle mit 18 anderen Insassen. Diese befindet sich in einem kleineren Gebäude, in dem das Frauengefängnis untergebracht ist.
Auch der verurteilte Kryptowährungs-Betrüger Sam Bankman-Fried war bis 2025 in dieser Gemeinschaftszelle inhaftiert.
Der 35-jährige Sohn Maduros, der in Venezuela Nicolasito genannt wird, schilderte kürzlich im Magazin Spiegel, sein Vater dürfe jetzt mit anderen Insassen reden. Einer von ihnen sei der Rapper Tekashi6ix9ine. Tatsächlich bestätigte dies der Rapper nach seiner Freilassung dem Magazin New Yorker. Maduros Bett habe sich direkt gegenüber von seinem Bett befunden. Maduro lese viel in der Bibel und in anderen religiösen und philosophischen Büchern.
Die Leitung des Bundesgefängnis in Brooklyn äußert sich aus Sicherheitsgründen grundsätzlich nicht zu veränderten Haftbedingungen einzelner Insassen.
Der gefangen genommene venezolanische Präsident Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores treffen Anfang Januar am Wall Street Heliport im New Yorker Stadtbezirk Manhattan ein.
Langer Prozess in Sicht
Maduros Sohn beteuerte gegenüber dem Spiegel, seine Familie habe nichts mit Drogen und Terroristen zu tun. In Wirklichkeit sei dies ein „politischer Prozess“. Unter Rechtsexperten in den USA ist umstritten, ob die Entführung der Maduros gegen internationales Recht verstößt. Die meisten rechnen mit einem langwierigen Gerichtsverfahren, das mindestens anderthalb Jahre dauern wird.
Cheryl Bates, Jura-Professorin an der Fordham-University in New York, erklärt, man habe es hier mit Beweismaterial zu tun, das teilweise auf Geheimdienstinformationen beruhe oder als geheim eingestuft sei. „Daher gehe ich davon aus, dass sich das Ganze über einen sehr langen Zeitraum hinziehen wird“, schlussfolgert sie.
Nächster Gerichtstermin Ende Juni
Unterdessen lieferte die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodriguez am 16. Mai einen von Maduros engen Vertrauten, den früheren Industrieminister Alex Saab, an die USA aus. Saab soll mit Hilfe von Scheinfirmen Hunderte Millionen Dollar bei Lebensmittelimporten aus Kolumbien und Mexiko veruntreut haben.
US-Ermittler erhoffen sich von ihm Informationen über illegale Drogengeschäfte der Maduros, um diese im Prozess zu verwenden. Der nächste Gerichtstermin für Nicolas Maduro ist für den 30. Juni anberaumt.

