Nach dem von US-Präsident Trump angekündigten Stopp der Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah ist vieles unklar. Der Libanon sprach von einer begrenzten Waffenruhe. Doch auch die erweist sich als brüchig.
Der Libanon hat eine begrenzte Waffenruhe zwischen der Hisbollah-Miliz und Israel verkündet. Damit wäre eine zentrale Forderung der iranischen Regierung für ein Abkommen mit den USA erfüllt. Die Vereinbarung für eine Waffenruhe bedeute jedoch kein vollständiges Ende der Kämpfe, teilte die libanesische Botschaft in Washington einschränkend mit.
Demnach soll Israel Angriffe auf die Hauptstadt Beirut und deren von der Hisbollah kontrollierte Vororte unterlassen. Im Gegenzug wolle die von Iran unterstützte Miliz ihre Angriffe auf Israel einstellen. Bereits am Montag erklärte US-Präsident Donald Trump, die Hisbollah habe über Vermittler zugesagt, Israel nicht mehr anzugreifen. Zudem habe der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zugestimmt, Truppen abzuziehen, die einen Angriff auf Beirut vorbereiteten.
Netanjahu betonte nach Trumps Ankündigung jedoch, dass Israel seine Militäreinsätze im Südlibanon fortsetzen werde. Dort rücken israelische Bodentruppen in Richtung des Saharani-Flusses vor und dringen so tief in das Land ein wie seit 25 Jahren nicht mehr.
Israel und Libanon melden gegenseitige Angriffe
Nur wenige Stunde später zeigte sich, wie brüchig die begrenzte Waffenruhe ist: Nach Angaben der israelischen Armee wurde Israel vom Libanon aus erneut beschossen. Am Morgen seien zwei auf den Norden Israels gerichtete Geschosse abgefangen worden, erklärten die Streitkräfte. Libanesische Medien hatten kurz zuvor von neuen israelischen Angriffen im Südlibanon berichtet. Die pro-iranische Hisbollah-Miliz erklärte ihrerseits, sie habe am späten Montagabend im Südlibanon israelische Soldaten angegriffen.
Netanjahu drohte erneut mit Angriffen auf die libanesische Hauptstadt Beirut, falls die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel fortführen sollte. Zudem werde die israelische Armee „ihre Einsätze im Südlibanon wie geplant fortsetzen“. Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Axios warf Trump dem israelischen Regierungschef in dem Telefonat vor, mit seinem Kurs im Libanon die Verhandlungen über eine Beendigung des Iran-Kriegs zu gefährden. Der US-Präsident habe Netanjahu als „verrückt“ bezeichnet.
Libanon will Waffenruhe ausweiten
Ein Abgeordneter der von Iran unterstützten Hisbollah-Miliz erklärte, die Miliz befürworte eine vollständige Waffenruhe im gesamten Libanon als Voraussetzung für einen Abzug der israelischen Truppen. Ob die Gruppe ihre Angriffe auf israelisches Gebiet einstellen werde, ließ er offen.
Auch der Libanon strebt bei geplanten Gesprächen in Washington am Mittwoch eine Ausweitung der Waffenruhe an. Dies könnte den Weg für neue Bemühungen zur Beendigung des dreimonatigen Krieges ebnen, der mit US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran begonnen hatte.
Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran stecken jedoch seit Wochen in einer Sackgasse. Während Iran ein Ende der israelischen Angriffe im Libanon zur Bedingung für ein Friedensabkommen macht, betrachten die USA die beiden Konflikte als voneinander unabhängig.
Weiterhin keine Einigung zwischen USA und Iran
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte dagegen, eine Waffenruhe zwischen Iran und den USA müsse für alle Fronten gelten, einschließlich des Libanon. Iran hat sich einem Medienbericht zufolge noch nicht zu dem Vorschlag für ein Abkommen mit den USA geäußert. Die Beratungen über den finalen Text dauerten in Teheran an, meldete die iranische Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf dortige Verhandlungskreise. Wegen mangelnder Vertragstreue der USA in der Vergangenheit und eines tiefen Misstrauens prüfe die dortige Führung den Vorschlag mit großer Vorsicht.
Zuvor hatten iranische Staatsmedien berichtet, die Führung in Teheran setze die indirekten Friedensgespräche mit den USA aus und könnte eine seit Anfang April weitgehend eingehaltene Waffenruhe beenden. Trump widersprach diesen Aussagen. „Die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran gehen in raschem Tempo weiter“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social.
Trump äußerte sich jedoch erneut widersprüchlich. Dem US-Sender ABC sagte er, er erwarte eine Einigung mit der Führung in Teheran „innerhalb der nächsten Woche“. In einem Interview des Senders CNBC erklärte Trump am Montag, die Friedensgespräche seien ohnehin langweilig geworden und es sei ihm gleichgültig, ob sie beendet würden.
