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Politik

Mehr arbeiten für das gleiche Geld: Mercedes verschärft Sparkurs

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 26, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 26.06.2026 • 16:14 Uhr

Mercedes muss sparen: Vorerst verschiebt der Konzern eine Sonderzahlung an seine Mitarbeiter. In Zukunft sollen sie außerdem mehr arbeiten – für den gleichen Lohn.

Mercedes zieht seinen Sparkurs deutlich an. Der Konzern verschiebt eine Sonderzahlung an Beschäftigte – damit will der Autobauer die Produktionskosten in Deutschland senken. Sie seien im internationalen Vergleich zu hoch, so ein Konzernsprecher.

Über die Verschiebung der Sonderzahlung informierte das Unternehmen seine Mitarbeiter in einem Schreiben des Vorstands. Eigentlich hätte sie im Juli ausgezahlt werden sollen. Betroffen sind nach Angaben des Konzerns rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland.

Bei der Sonderzahlung handelt es sich um den jährlichen „Transformationsbaustein“. Dieser beträgt 18,4 Prozent vom regelmäßigen individuellen Monatsentgelt. Es könne „in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation des Betriebes“ verschoben oder nicht ausgezahlt werden, schreibt die IG Metall auf ihrer Website. Welche Summe der DAX-Konzern damit vorerst einspart, sagte ein Mercedes-Sprecher auf Anfrage nicht.

Vorstand: Produktion in Deutschland zu teuer

In seinem Schreiben betont der Vorstand die Herausforderungen, vor denen Mercedes stehe. Der Standort Deutschland habe stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren, heißt es. Dazu kämen weltweite Einschränkungen beim Freihandel und die Absatzflaute auf dem chinesische Markt.

Man müsse weiterhin „mit Hochdruck die Kosten senken, um auch bei den Preisen für unsere Produkte wettbewerbsfähig sein zu können“, schrieb der Vorstand. Nicht nur sei die Produktion in Deutschland besonders teuer, zugleich seien hierzulande der Krankenstand teils um ein Vielfaches höher als im Ausland, die Zahl der Arbeitstage niedriger.

„Aus diesen Gründen müssen wir handeln“, heißt es in dem Brief. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. „Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten“, so der Vorstand. Mit der Arbeitnehmervertretung werde man in den nächsten Wochen und Monaten darüber sprechen, wie man die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in Deutschland sichern könne.

Betriebsrat sieht Pläne kritisch

Der Gesamtbetriebsrat bezeichnete die Verschiebung der Sonderzahlung als „einseitige Entscheidung des Unternehmens“. Die Ursachen der aktuellen Herausforderungen lägen nicht bei den Beschäftigten; dennoch sollten jetzt erneut die Beschäftigten einen erheblichen Teil der Last tragen.

Die angestoßene Debatte über längere Arbeitszeiten bei gleichem Entgelt sehe der Gesamtbetriebsrat kritisch, hieß es weiter. Gerade vor dem Hintergrund einer teilweise geringeren Auslastung an den deutschen Standorten sei das kein überzeugendes Zukunftskonzept. „Wer Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie über unbezahlte längere Arbeitszeiten definiert, macht es sich zu einfach“, schrieb der Gesamtbetriebsrat.

Erst vor wenigen Tagen hatte Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller dem Handelsblatt gesagt, dass man ernsthaft die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche angehen sollte. Angesichts der aktuellen schwierigen Lage sei es „absolut zumutbar, wieder länger zu arbeiten.“ In der deutschen Autoindustrie ist bei den tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard – auch bei Mercedes-Benz. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht.

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