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Startseite»Politik»Millionen Mieter in Deutschland von Wohnkosten überlastet
Politik

Millionen Mieter in Deutschland von Wohnkosten überlastet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.06.2026 • 10:24 Uhr

Jeder dritte Haushalt, der in Deutschland zur Miete wohnt, ist einer aktuellen Studie zufolge von Kaltmiete und Heizkosten überlastet. Der Mieterbund spricht von „alarmierenden Zahlen“ und fordert schnelle Maßnahmen.

Rund 3,2 der knapp 20 Millionen deutschen Mieterhaushalte wenden mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für das Wohnen auf. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag des Mieterbunds.

Weitere 3,4 Millionen geben demnach 30 bis 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für Kaltmiete und Heizkosten aus. Insgesamt ist damit aus Sicht von IWU und Mieterbund jeder dritte Mieterhaushalt – etwa 6,6 Millionen – überlastet.

„Alarmierende Zahlen“

Die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds, Melanie Weber-Moritz, spricht von alarmierenden Zahlen. „Die Bundesregierung muss jetzt Mieterinnen und Mieter vor weiteren Belastungen schützen.“ Die Studie basiert auf Daten aus dem jüngsten Mikrozensus 2022 zu Einkommen und Mieten. Die Zahl wurden anhand von Angaben des Statistisches Bundesamts (Destatis) auf den neusten verfügbaren Stand von 2024 fortgeschrieben.

Demnach gehören 42 Prozent oder 8,3 Millionen der Mieterhaushalte zum unteren Einkommensdrittel: Sie haben ein Haushaltsnettoeinkommen von im Schnitt 1.417 Euro pro Monat. Diese Gruppe sei mit ihren Wohnkosten am „finanziellen Limit“. „Besonders betroffen sind die untersten zehn Prozent der Einkommensverteilung, sie haben eine durchschnittliche Wohnkostenbelastung von 60 Prozent“, heißt es in der Studie.

Deutschland über dem EU-Durchschnitt

Das Statistische Bundesamt sieht indes einen kleineren Teil der Bevölkerung von ihren Wohnkosten überlastet. 2025 waren davon 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland oder rund jeder Neunte betroffen, teilte die Behörde Mitte Mai auf Basis früherer europäischer Daten mit. Dabei wurden jedoch sowohl Miet- als auch Eigentümerhaushalte berücksichtigt.

Ein weiterer Grund für die unterschiedlichen Zahlen: Die Statistiker ziehen die Grenze strenger und bezeichnen Haushalte erst als überbelastet, wenn sie über 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aufwenden. Nach den IWU-Daten wären das 16 Prozent der Mieterhaushalte.

Den Destatis-Angaben zufolge lag Deutschland im vergangenen Jahr über dem EU-Durchschnitt von 7,7 Prozent. Noch verbreiteter war die Überlastung durch Wohnkosten nur in Dänemark (23,4 Prozent) und Griechenland (26,4 Prozent). Am wenigsten überlastet waren die Haushalte in Kroatien (3,2 Prozent) und Zypern (2.4 Prozent).

Neue Mieter zahlen deutlich mehr

Der Anstieg der Mieten treibe die Wohnkostenbelastung vieler deutscher Haushalte nach oben – besonders für jene, die kürzlich umgezogen sind, schreibt der Mieterbund. So seien die Mieten in Verträgen ab 2020 im Schnitt gut ein Fünftel höher und Mieterhaushalte hätten seitdem mit 33 Prozent eine deutlich höhere Belastung als früher eingezogene Haushalte.

Besonders betroffen seien Großstädte: In Berlin lägen die Mieten von Haushalten, die nach 2020 eingezogen sind, durchschnittlich 29 Prozent über dem Schnitt aller Mietverträge. In München seien es 26 und in Frankfurt 25 Prozent.

Dahinter steckt, dass viele Menschen, die einen bezahlbaren Mietvertrag haben, einen Umzug scheuen – das friert die Mietmärkte förmlich ein. Die Wohnkostenbelastung in Metropolen liege bei über 30 Prozent und bei neuen Mietverträgen sogar über 35 Prozent, so der Mieterbund.

Mieterbund fordert verschärfte Mietpreisbremse und mehr Sozialwohnungen

„Die Spirale immer stärker steigender Mieten muss gestoppt werden. Dazu muss die Bundesregierung die geplante strengere Ahndung von Mietwucher durchsetzen, die Mietpreisbremse verschärfen und Verstöße mit empfindlichen Bußgeldern ahnden, damit Mieterinnen und Mieter endlich vor illegaler Mietüberhöhung geschützt sind“, fordert Weber-Moritz.

Die Mietpreisbremse, die in angespannten Wohnungsmärkten und bis 2029 gilt, müsse entfristet werden und bundesweit wirken. Selbst in Berlin waren zuletzt nur in fünf Prozent der von der Mietpreisstelle geprüften Fälle die Mieten „mietpreisrechtlich zulässig“, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Bauen und Wohnen kürzlich mit.

Der Mieterbund fordert ferner, dass der Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 von zuletzt 1,1 Millionen auf mindestens zwei Millionen Wohnungen steigen soll. Auch müsse es mehr öffentliche Wohnungen geben, um im Mietwohnungsmarkt „ein dauerhaft preisgebundenes und bezahlbares Segment zu etablieren“.

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