Nervosität vor Micron-ZahlenUS-Anleger halten sich zurück
Die Ölpreise fallen weiter, was die Inflationssorgen an der Wall Street lindert. Für morgen erwarten die Anleger einen wichtigen Verbraucherpreisindex und halten sich mit Käufen deshalb zurück. KI-Werte sind weiter im Fokus.
Überwiegend mit kleinen Verlusten haben die US-Börsen den Handel zur Wochenmitte beendet. Zwischenzeitliche Erholungsansätze verpufften rasch, vor allem bei den Technologiewerten. Der Dow-Jones-Index schloss zwar 0,4 Prozent höher bei 51.849 Punkten, nachdem er im Verlauf die Marke von 52.000 Punkten überwunden hatte. Der S&P-500 sank um 0,1 Prozent. Die Nasdaq-Indizes fielen um 0,4 Prozent, nachdem sie am Dienstag um bis zu 3,3 Prozent eingeknickt waren. An der Nyse wurden 1492 (Dienstag: 1417) Kursgewinner gesehen. Ihnen standen 1277 (1363) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 81 (67) Titel.
Teilnehmer sprachen von Zurückhaltung. Mit den jüngsten Turbulenzen im Technologie-Sektor standen die Ergebnisse von Micron Technology für das dritte Quartal im Fokus, die nach der Schlussglocke veröffentlicht werden sollten. Das Unternehmen gehört zu den weltweit wichtigsten Herstellern von Speicherchips und gilt als wichtiger Indikator für KI-bezogene Ausgaben, da seine Chips in Rechenzentren und fortschrittlichen Computersystemen genutzt werden. Die Aktie gab um 0,4 Prozent nach, nachdem sie am Vortag um gut 13 Prozent eingebrochen war. Die Erwartungen an die Zahlen sind exorbitant hoch und das Enttäuschungspotenzial entsprechend groß. Die Papiere von Intel und Nvidia sanken um 0,3 und 0,6 Prozent.
Die Konjunkturdaten des Tages setzten keine Akzente. Das Defizit in der US-Leistungsbilanz ist im ersten Quartal 2026 gestiegen. Die Zahl der Neubauverkäufe ging im Mai wider Erwarten zurück. Die Ergebnisse des Bankenstresstests der US-Notenbank sollten nach der Schlussglocke veröffentlicht werden und können den Markt daher erst am Donnerstag bewegen. Allerdings werden sie sich die Aufmerksamkeit der Anleger dann mit einer Fülle wichtiger Konjunkturdaten teilen müssen, vor allem dem PCE-Preisindex. Dieser ist das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank.
Alphabet kommt in den Dow
Bei den Einzelwerten tendierte die Fedex-Aktie knapp behauptet. Der Logistik-Konzern hat im vierten Geschäftsquartal dank höherer Versandtarife und -volumina einen höheren Umsatz verzeichnet. Der Gewinn ging allerdings leicht zurück. Belastend sei vor allem die Margenentwicklung. Der Ausblick ist nach Einschätzung der Analysten von Morgan Stanley wegen mehrerer struktureller Änderungen in der Finanzberichterstattung des Unternehmens schwer zu bewerten.
Für die Alphabet-Aktie ging es um 0,2 Prozent nach unten. Die Google-Muttergesellschaft wird ab Montag in den Dow Jones Industrial Average aufgenommen. Platz machen muss dafür Verizon Communications, die gut 2 Prozent verloren. Qualcomm übernimmt das KI-Softwareunternehmen Modular in einem rund 3,9 Milliarden Dollar schweren Aktiendeal. Modular bietet Software an, mit der KI effizient über verschiedene Hardware-Architekturen hinweg ausgeführt werden kann, wodurch Entwickler KI zu geringeren Gesamtkosten einsetzen können. Qualcomm verbilligten sich um 3,3 Prozent.
Broadcom schlossen etwas fester. Das Unternehmen liefert Silizium für einen KI-Prozessor von OpenAI, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Cerebras Systems fielen um rund 20 Prozent, obwohl der KI-Chiphersteller bessere Ergebnisse als erwartet für das dritte Quartal gemeldet hat. Die Erwartungen waren vor der Veröffentlichung sehr hoch, da es sich um den ersten Bericht des Unternehmens seit dem Börsengang im Mai handelte. SK Hynix will mit der geplanten Zweitnotiz an der Wall Street mehr als 29 Milliarden US-Dollar einnehmen. Ausländische Investoren sollen die Expansionspläne des südkoreanischen Chipkonzerns finanzieren, der von der hohen Nachfrage nach technisch führenden Halbleitern im Zuge des weltweiten KI-Booms profitiert. Das Unternehmen plant mit einem Handelsstart am 10. Juli.
Dollar legt weiter zu – Ölpreise fallen erneut
Der Dollar setzte seine Aufwärtsbewegung fort, der Dollar-Index gewann 0,2 Prozent. Weiter stützte die Aussicht auf steigende Zinsen durch die Fed noch im laufenden Jahr. „Die erwartete Straffung könnte die Dollar-Stärke weiter antreiben und die Anleiherenditen auf einem erhöhten Niveau belassen“, sagte Bas Kooijman von DHF Capital S.A. Die PCE-Inflationsdaten würden am Donnerstag im Mittelpunkt stehen, und ein starker Wert könnte die Erwartungen einer Zinserhöhung im September zementieren, so der Vermögensverwalter. Die Rendite zehnjähriger Anleihen fiel indessen nach den jüngsten Gewinnen um 9 Basispunkte auf 4,40 Prozent. Die deutlich gesunkenen Energiepreise hätten Inflationssorgen gelindert, erklärten die Analysten der Saxo Bank. Andere Marktteilnehmer verwiesen auf das attraktive Niveau der Renditen, das Käufer angelockt habe.
Die Ölpreise weiteten ihre Verluste aus, nachdem US-Präsident Donald Trump in einem Social-Media-Beitrag mitgeteilt hatte, der Iran habe den USA erklärt, er verlange oder kassiere keine Gebühren von Schiffen, die die Straße von Hormus befahren. Der Preis für ein Barrel Brent reduzierte sich um rund 5 Prozent auf 73,31 Dollar. Dass die US-Ölvorräte in der vergangenen Woche stärker abgenommen hatten als erwartet, stützte die Preise nicht.
Für den Goldpreis ging es um weitere 2,8 Prozent auf 3.994 Dollar je Feinunze nach unten, womit er unter die psychologisch wichtige Marke von 4000 Dollar fiel. Neben dem starken Dollar belastete auch die Aussicht auf steigende Zinsen das zinslose Edelmetall.
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