Bis zu 6.000 Euro Zuschuss für neue E-Autos – doch längst nicht alle profitieren. Wer Anspruch hat, wie hoch die Prämie ausfällt und warum Ökonomen und Autohändler skeptisch sind.
Mit einem neuen Förderprogramm will die Bundesregierung den Kauf von Elektroautos in Deutschland fördern. Wie hoch die Prämie ausfällt, hängt vom Einkommen, der Kinderzahl und der Antriebsart (reines E-Auto oder Hybrid) ab.
Wer bekommt die Förderung und wie hoch fällt sie aus?
Ein Haushalt ohne Kinder darf ein Einkommen von 80.000 Euro im Jahr nicht überschreiten, sonst fällt die Prämie weg. Familien mit Kindern bekommen etwas mehr Spielraum: Für das erste und zweite Kind erhöht sich die Grenze um jeweils 5.000 Euro – somit bis zu einem Maximum von 90.000 Euro. Unterm Strich sind mehrere Tausend Euro Förderung drin.
Ein Beispiel: Bei einem vollelektrischen Auto, einem sogenannten BEV, liegt die Basisförderung bei 3.000 Euro. Dazu kommt ein Kinderzuschuss von maximal 1.000 Euro. Für Einkommen unter 60.000 Euro gibt es 1.000 Euro extra. Liegt es unter 45.000 Euro, gibt es einen weiteren Tausender obendrauf. In Summe liegt die maximale Prämie bei einem vollelektrischen Wagen also bei 6.000 Euro.
Kaufinteressenten freuen sich über E-Prämie
Marek Wilde aus Leeden im Münsterland möchte von der staatlichen Subvention beim Autokauf profitieren. Er will seinen VW Golf gegen ein neues E-Auto tauschen – der Staat zahlt mehrere Tausend Euro dazu. Ein Angebot, dem er nicht widerstehen kann: „Ich hätte mich auch so für ein E-Auto entschieden, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Aber durch die Prämie jetzt hat sich natürlich der Zeitraum verschoben.“
In seinem Blick: ein chinesisches Modell. Vollelektrisch. Kostenpunkt: knapp 44.000 Euro. Bei einer Förderung von 5.000 Euro könnte er sich beim monatlichen Leasing circa 100 Euro sparen.
Für wen sich die Förderung besonders rechnet
Am stärksten können von der neuen Förderung Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen und mit Kindern profitieren – allerdings nur, wenn ein Neuwagen angeschafft wird. Doch das bedeutet oft eine hohe Investition. Wer wenig verdient und keine größeren Rücklagen hat, sollte deshalb sehr genau durchkalkulieren, ob sich der Kauf eines Neuwagens trotz Prämie finanziell tatsächlich stemmen lässt.
Kritiker bemängeln, dass die E‑Prämie an der Realität vieler Haushalte vorbeigeht: Für gutverdienende Singles mit 80.000 Euro Einkommen ist ein E‑Auto ab 30.000 Euro mit Prämie gut machbar, obwohl sie die Unterstützung nicht zwingend brauchen. Für Familien mit ein oder zwei Kindern und Einkommen deutlich darunter bleibt ein neuer, ausreichend großer E‑Wagen selbst mit höchster Förderung oft unerschwinglich.
Ob künftig auch gebrauchte Elektroautos gefördert werden, ist bislang offen. Steht Familienzuwachs, ein Umzug oder ein Jobwechsel mit anderer Pendelstrecke an, sollte geprüft werden, ob das gewählte Auto auch unter den veränderten Bedingungen noch passt. Denn das geförderte Fahrzeug muss mindestens drei Jahre lang gehalten werden.
Prämienstart noch unklar
Burkhard Weller ist Inhaber eines Autohauses und Präsident eines neu gegründeten Autohändlerverbandes. Die Stimmung sei bei vielen Autohändlern gerade nicht gut. Zwar kämen neue Kunden; seiner Beobachtung nach aber nicht wegen der E-Auto-Prämie. Ein Grund dafür: Das Geld, das es für alle Neuzulassungen seit Januar 2026 geben soll, kann noch immer nicht beantragt werden.
Auf Plusminus-Anfrage erklärt das Bundesumweltministerium, dass die Antragstellung voraussichtlich im Mai 2026 möglich sei. Es werde gerade eine Webseite erstellt. „Ein genaues Startdatum können wir (…) aktuell noch nicht nennen (…)“, heißt es weiter auf Anfrage.
Kritik von Autohändlern und Ökonomen
Auf Händlerseite sorge die Prämie auch für Unsicherheiten, so Weller. Und zwar auf dem Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge. Händler rechnen mit einem Preissturz – ausgelöst durch die Prämie, die den Kaufpreis für Neuwagen nach unten drückt, so der Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands.
Automatisch sinke damit auch der Wert der Gebrauchten. „Am Gebrauchtwagen gibt es keine Margen von 3.000 bis 6.000 Euro, sondern da sind wir deutlich darunter.“
Insofern sind das echte Verluste, die auf den Gebrauchtwagen-Höfen entstehen.
Auch von Ökonomen gibt es Kritik. Bei allen Ersparnissen für die Käufer sieht Oliver Falck vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung zum jetzigen Zeitpunkt keine Begründung für einen Elektroautoprämie, „weil sich der Elektromarkt relativ gut entwickelt und Unsicherheiten, wie es sie am Anfang bei den Käufern gab, einfach im Moment nicht mehr vorhanden sind“.
Bundestag macht Weg für E-Auto-Prämie frei
Mit dem „Gesetz zur Förderung klimaneutraler Mobilität“ hat der Bundestag am 17. April die rechtliche Grundlage beschlossen. Der Gesetzentwurf wurde mit den Stimmen von Union und SPD gegen die Stimmen von Grünen, Linken und AfD verabschiedet.
Mindestens 1.500 Euro und maximal 6.000 Euro sind möglich – rückwirkend zum Jahresbeginn. Die neue E-Auto-Prämie ist bis 2029 befristet. Insgesamt rechnet der Staat dafür mit Ausgaben von drei Milliarden Euro.
