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Startseite»Politik»Pflege: Scheitert der Azubi-Boom am Lehrermangel?
Politik

Pflege: Scheitert der Azubi-Boom am Lehrermangel?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 2, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 02.05.2026 • 17:08 Uhr

Mehr junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung in der Pflege – bundesweit sind es so viele wie noch nie. Gleichzeitig fehlt es an qualifizierten Lehrkräften. Droht der Azubi-Boom daran zu scheitern?

Von Jacqueline Piwon, rbb

„Wir haben die Patientin an der Trachealkanüle und eine Patientin in der häuslichen Situation mit Beatmungsgerät“, erklärt Lehrer Denny Köppen. Die Patientinnen sind lebensgroße Puppen, die in Krankenbetten in einem nachgebauten Zimmer liegen. Hier üben die Auszubildenden im zweiten Lehrjahr, was sie vorher im Unterricht gelernt haben.

Im sogenannten Skills-Lab der Recura Kliniken in Beelitz-Heilstätten geht es heute darum, wie die Atemwege von Patientinnen und Patienten abzusaugen sind – eine zentrale Aufgabe in der Pflege von Menschen, die nicht selbstständig atmen können. Die Materialien liegen bereit, dann geht es los: Die Schülerinnen und Schüler gehen anhand einer Checkliste die einzelnen Schritte durch, dann wird an der Puppe geübt.

Für viele ist die Entscheidung für den Pflegeberuf ganz bewusst gefallen. „Was man so lernt in der Ausbildung, ist super interessant“, sagt Lorelay Dathe über ihre Motivation. Jonas Keßler betont: „Am Menschen zu arbeiten, das macht super viel Spaß.“ Für Leon Krupp ist es vor allem ein krisenfester Beruf: „Pflege wird immer gebraucht“, sagt er.

Anstieg bei Ausbildungsverträgen in der Pflege

Im vergangenen Jahr haben mehr junge Menschen in Deutschland angefangen, in der Pflegebranche zu arbeiten. Laut dem Statistischen Bundesamt ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf etwa 64.000 gestiegen. Insgesamt machen damit derzeit etwa 158.000 Menschen eine Ausbildung zur Pflegefachkraft und damit so viele wie noch nie seit Einführung der generalistischen Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz.

In Brandenburg, dort liegt die Pflegeschule, an der Lehrer Köppen arbeitet, ist die Zahl neuer Ausbildungsverträge im Jahr 2024 gegenüber 2023 um gut 25 Prozent gestiegen – von 1.395 auf 1.746. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Ausbildung finanziell deutlich attraktiver

Die Ausbildung ist inzwischen auch finanziell deutlich attraktiver geworden. Bereits im ersten Lehrjahr verdienen Auszubildende in Beelitz-Heilstätten in Brandenburg rund 1.500 Euro. Das zieht mehr Bewerberinnen und Bewerber an. Doch genau darin liegt die Herausforderung. „Wir merken, dass der Zuwachs an Schülern uns vor Probleme stellt“, sagt Denny Köppen, der auch stellvertretender Leiter der Pflegeschule ist. „Wir brauchen jetzt Lehrkräfte, die wir vorher nicht brauchten.“

Denn die Anforderungen an das Lehrpersonal sind hoch – und sie steigen weiter. Ab dem Jahr 2030 sollen in der Pflegeausbildung regulär nur noch Lehrkräfte mit Masterabschluss unterrichten. Für Einrichtungen wie die in Beelitz-Heilstätten hätte das gravierende Folgen. Vor Ort arbeiten aktuell viele Lehrkräfte mit einem Bachelorstudium in der Tasche. Sie würden damit ab 2030 die Voraussetzungen nicht mehr erfüllen.

Der lange Weg zur Pflege-Lehrkraft

Der Weg zur Pflege-Lehrkraft ist ohnehin lang und anspruchsvoll: „Das ist überwiegend ein berufsbegleitendes Studium, das 12 bis 14 Semester dauert“, erklärt Köppen, also bis zu sieben Jahre parallel zur eigentlichen Arbeit in der Pflege. Für viele sei das eine große Hürde, neben dem Beruf so viel Zeit in einen zusätzlichen Bildungsweg zu investieren.

„Der Lehrermangel an den Pflegeschulen ist seit Jahren der Flaschenhals der generalistischen Pflegeausbildung“, sagt auch Anna Leonhardi vom Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP). Bundesweit müssten teilweise ganze Kurse abgesagt werden, weil Lehrpersonal fehle.

Aus Sicht des Verbands braucht es deshalb flexiblere Übergangsregelungen. Er fordert, dass Lehrkräfte mit Bachelorabschluss auch nach der Umstellung vorübergehend weiter unterrichten dürfen. Gleichzeitig müsse das Studium der Pflegepädagogik attraktiver werden, etwa durch bessere Anerkennung vorhandener Qualifikationen und mehr finanzielle Unterstützung.

Gesundheitsministerium sieht Spielräume

Das Brandenburger Gesundheitsministerium verweist hingegen auf bestehende Spielräume. Zwar sei im Pflegeberufegesetz grundsätzlich ein Masterabschluss vorgeschrieben, allerdings gebe es die Übergangsregelungen bis Ende 2035. Zudem ermögliche eine sogenannte Nachwuchslehrkräfteregelung im Land Brandenburg, dass auch Lehrkräfte ohne vollständige Qualifikation bereits eingesetzt werden können – unter der Auflage, den Abschluss nachzuholen. Insgesamt sieht sich das Ministerium derzeit „zunächst gut aufgestellt“ und steht nach eigenen Angaben im Austausch mit relevanten Akteuren, um die Entwicklung weiter zu beobachten.

In der Pflegeschule in Beelitz-Heilstätten gelingt es noch, den Unterricht weitgehend abzudecken. Doch schon jetzt wird deutlich: Wenn nicht genügend qualifizierte Lehrkräfte nachkommen, könnte der aktuelle Azubi-Boom in der Pflege ausgerechnet an diesem Engpass scheitern.

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