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„Plötzlich schossen sie auf ihn“: Zeugen werfen israelischem Militär „Hinrichtung“ eines Hilfslieferanten vor

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 10, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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„Plötzlich schossen sie auf ihn“Zeugen werfen israelischem Militär „Hinrichtung“ eines Hilfslieferanten vor

Ein Foto der Hilfsorganisation WCK zeigt den getöteten Fahrer. (Foto: WCK)

Ein israelischer Soldat tötet einen Lkw-Fahrer, der für eine renommierte Hilfsorganisation Lebensmittel in den Gazastreifen bringt. Die israelische Armee spricht von einer bedrohlichen Situation, doch mehrere Kollegen des Getöteten schildern eine ganz andere Szene. Sie sprechen von einer „Hinrichtung“.

Mehrere Augenzeugen sprechen nach der Tötung eines palästinensischen Lkw-Fahrers, der für die internationale Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) Lebensmittel in den Gazastreifen brachte, von einer „Hinrichtung“ durch einen israelischen Soldaten. Wie der „Guardian“ unter Berufung auf die Zeugen und Angaben des örtlichen Lkw-Fahrer-Verbands berichtet, wurde dem Mann namens Ahmad Esleem am Mittwoch in den Kopf geschossen, als ein Hilfskonvoi kurz nach der Einfahrt in den Gazastreifen wegen einer Panne an einem Lkw anhalten musste.

Demnach befahlen israelische Soldaten den Fahrern, auszusteigen. Einer von ihnen habe Esleem in den Kopf geschossen, während dieser mit erhobenen Händen vor ihm gestanden habe. Das israelische Militär weist diese von drei Personen geschilderte Darstellung zurück. Einer der Fahrer des aus vier Lkws bestehenden Konvois sagte laut der Zeitung, die Schüsse seien im Philadelphi-Korridor gefallen, einer vom israelischen Militär kontrollierten Zone am südlichen Rand des Gazastreifens.

„Nachdem der Lkw eine Panne hatte, warteten wir auf die Erlaubnis, auszusteigen und ihn zu überprüfen, da jede unserer Bewegungen im Voraus koordiniert werden muss“, wird der Fahrer zitiert. „Während wir warteten, traf ein israelisches Militärfahrzeug ein.“ Die Soldaten hätten dem Zeugen zunächst befohlen, sich auszuziehen und ihn gezwungen, in der Sonne zu sitzen. „Dann holten sie Ahmad aus seinem Lkw. Einer der Soldaten begann, mit Ahmad zu sprechen, während dieser mit erhobenen Händen dastand. Ahmad sprach kein Hebräisch, und es schien, als würden die Soldaten sein Arabisch nicht verstehen. Plötzlich schossen sie auf ihn.“

Das Opfer sei am Kopf getroffen worden und starb laut Aussage des Zeugen noch am Tatort. „Es schien, als wollten sie herausfinden, warum wir angehalten hatten, aber sie verstanden die Situation nicht und eröffneten sofort das Feuer, ohne jegliche Diskussion oder den Versuch, sich zu verständigen“, wirft der Fahrer den israelischen Soldaten vor.

WCK: Erwarten umfassende Aufklärung des Vorfalls

Dem Bericht zufolge war der Konvoi im Auftrag des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen und World Central Kitchen unterwegs. Der Getötete habe „seine orangefarbene Sicherheitsweste getragen, alle erforderlichen Genehmigungen und Sicherheitsfreigaben gehabt“ und mit dem israelischen Militär seien vorher Koordinierungsvereinbarungen getroffen worden, sagte Jihad Esleem, ein entfernter Verwandter des Toten und stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Transportunternehmen in Gaza.

Das israelische Militär bestätigte den tödlichen Vorfall, schilderte in einer Stellungnahme jedoch ein anderes Geschehen, wie der „Guardian“ berichtet. Demnach nahmen Soldaten drei Lkw-Fahrer für Befragungen fest, nachdem diese entgegen dem vereinbarten Protokoll ihre Fahrzeuge verlassen hätten. Gleichzeitig sei ein anderer Lkw-Fahrer, der an einer nahegelegenen Straßensperre angehalten habe, laut ihrer Schilderung auf die Soldaten zugerannt. Sie hätten den Mann als Bedrohung wahrgenommen und auf ihn geschossen.

Die international renommierte Hilfsorganisation WCK schrieb in einer Mitteilung, sie sei erschüttert darüber, dass ein Fahrer, „der für unser Partner-Logistikunternehmen tätig war, von den israelischen Streitkräften getötet wurde, während er Waren vom Grenzübergang Kerem Shalom zu einem unserer Lagerhäuser im Gazastreifen transportierte“.

Ahmad Esleem habe sich dafür eingesetzt, dass hungernde Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. „Wir stehen in Kontakt mit seiner Familie und sind in tiefer Trauer mit ihr verbunden. WCK erwartet eine umfassende Aufklärung des Vorfalls. Lieferungen humanitärer Hilfe dürfen niemals zum Ziel werden.“

Quelle: ntv.de, dsc

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