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Politik

Probleme häufen sich: Was ist los in der Glasfaserbranche?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 3, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.06.2026 • 09:19 Uhr

Der deutsche Glasfasermarkt schwächelt. Der Ausbau läuft zwar weiter, aber viele Anbieter stehen wirtschaftlich unter Druck. Projekte werden verschoben, Firmen gehen pleite.

Michelle Goddemeier

Das Glasfaserunternehmen Metrofibre ist zahlungsunfähig. Die Düsseldorfer Firma meldete vor kurzem Insolvenz in Eigenverwaltung an. Der Grund sei ein „kurzfristiger und überraschender Rückzug der bisherigen Finanzierungspartner“, hieß es. Der laufende Betrieb soll fortgesetzt werden. Gleichzeitig pausieren die Bauarbeiten vorübergehend. Für die laufenden Glasfaser-Projekte werde derzeit nach neuen Geldgebern gesucht.

Damit ist Metrofibre nicht alleine. Bau- und Subunternehmen wie Phoenix Engineering oder Convert gingen ebenfalls insolvent. Auch bei der Deutschen Glasfaser – einem großen Konkurrenten der Telekom – gab es Anpassungen. Das Unternehmen hat seine Ausbauziele im vergangenen Jahr stark reduziert. Statt ursprünglich rund sechs Millionen Haushalten werden nun nur noch etwa 3,2 Millionen angepeilt. Zuletzt wurden die Ausbaupläne für die Hamburger Bezirke Bergedorf und Wandsbek gestoppt.

Branche ist unter Druck

„In den Medien lassen sich immer mehr Insolvenzen feststellen“, sagt Jan Büchel, vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die schwächelnde Marktstimmung könne man auch im BIL-Portal sehen. Dort können Unternehmen, die Glasfaser verlegen, Anfragen für Leitungen stellen. „Im Jahr 2022 gab es dort etwa 40.000 Anfragen“, berichtet Büchel. Seitdem sei die Entwicklung rückläufig. 2025 habe es nur noch 30.000 Anfragen – also 10.000 weniger – gegeben.

„Es gibt eine negative Branchenstimmung. Ich würde aber nicht soweit gehen, zu sagen, es ist eine Krise“, ordnet Büchel die Zahlen ein. Vielmehr handele es sich um eine vorübergehende Phase. Das unterstützt auch Frederic Ufer, Geschäftsführer beim Verband der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt (VATM): „Der Markt ist unter Druck und die Lage ist durchaus angespannt.“ Von einer Krise sei man jedoch weit entfernt. Der Markt sei dabei, sich neu auszurichten und die Geschäftsmodelle anzupassen. „Denn die Erwartungen der Investoren, die in den deutschen Glasfasermarkt einstiegen sind, wurden nicht alle erfüllt“, erklärt Ufer.

Deutschland scheitert im EU-Vergleich

Gleichzeitig sei das Potential für Glasfaser-Investitionen weiter riesengroß, berichtet Sven Knapp, Geschäftsführer vom Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko). Der Markt sei noch lange nicht ausgeschöpft. Der aktuelle Stand beim Glasfaserausbau: Etwa die Hälfte der Haushalte in Deutschland kann Glasfaser inzwischen nutzen, da die Kabel zumindest in der Straße verbaut sind. Aber nur jeder vierte dieser Haushalte bucht tatsächlich auch einen Glasfaseranschluss.

Deutschland schneidet im Vergleich mit den 27 EU-Ländern schlecht ab. „2024 lag Deutschland auf dem vorletzten Platz bei der Glasfaserabdeckung“, so Büchel. Der EU-Schnitt lag damals bei 70 Prozent – also deutlich über den 50 Prozent in Deutschland. „Deutschland ist im Prinzip das Sorgenkind bei der digitalen Konnektivität“, sagt Ufer vom Branchenverband VATM. Das sei für eine globale Top-Industrienation nicht angemessen.

Hohe Zinsen bremsen Firmen aus

Die Herausforderungen sind vielfältig. Zum einen ist der Glasfaserausbau sehr kapitalintensiv: Es braucht Tiefbau, Genehmigungen, Hausanschlüsse, Technik und Vertrieb. Viele Firmen in der Branche arbeiten mit dem Modell: Heute viel Geld investieren, viele Jahre später erst Gewinne einfahren. Das funktionierte in der Niedrigzinsphase 2022 gut. Doch seit den Zinserhöhungen der EZB wurden Kredite teurer, Investoren vorsichtiger und Refinanzierungen schwieriger. Das setzt der Branche zu. „Investitionen zahlen sich meist erst nach zehn bis 20 Jahren aus“, erklärt Büchel.

Zum anderen sind die Tiefbaukosten, zum Beispiel für Materialien und Maschinen, in Deutschland hoch. „Wir haben die teuersten Ausbaukosten im internationalen Vergleich, weil wir besonders gut ausbauen“, sagt Ufer vom VATM. In anderen Ländern sei es einfacher und günstiger. Mit dem Ukraine-Krieg und auch dem Iran-Krieg jetzt explodierten viele Kosten zusätzlich. So wurden beispielsweise Diesel für Baumaschinen, Strom, Asphalt, Beton und Stahl teurer.

Fachkräfte fehlen oder werden woanders gebraucht

Gleichzeitig gibt es einen Fachkräftemangel im Bau. Es fehlt zum Beispiel an Tiefbauern, Netzplanern und Glasfasermonteuren. „Im Bereich der Führung bei Erdbauarbeiten ist 2025 die Fachkräftelücke um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen“, erklärt Volkswirt Büchel. Das liege unter anderem daran, dass in Deutschland gerade auch sehr viele andere Infrastrukturprojekte laufen – zum Beispiel Brücken oder Autobahnen, die erneuert werden müssen. „Es gibt somit eine Konkurrenz um die ohnehin sehr stark nachgefragten Fachkräfte in dem Bereich.“

Ein weiteres Problem ist der sogenannte „Überbau“. Mehrere Anbieter wollen dieselben lukrativen Gebiete erschließen. Beispiel: Ein Anbieter plant Glasfaser. Kurz darauf kündigt die Telekom ebenfalls einen Ausbau an. Das führt zu erhöhter Konkurrenz. Die Folge: Beide Projekte rechnen sich schlechter. Die Branche streitet darüber seit Jahren.

Viele Kunden bleiben bei DSL oder Kabel

Hinzu kommt, dass viele Kundinnen und Kunden vorerst weiter DSL oder Kabel nutzen – solange es diese noch gibt. Sie bleiben bei den bisherigen Angeboten, da diese „gut genug funktionieren“. Die Wechselbereitschaft ist deutlich geringer als erwartet. „Das ist natürlich ein wesentlicher Faktor, der von vorneherein nicht einkalkuliert ist. Man geht als Unternehmen davon aus, dass die Anschlüsse, die man in der Kostenrechnung angibt, auch nachgefragt werden“, so Büchel.

Branchenexperte Ufer sagt, dass es für die Unternehmen oft schwierig sei, Kundinnen und Kunden von der Glasfaser zu überzeugen. „Sie müssen besser kommunizieren, warum jetzt Glasfaser für die digitale Versorgung der Menschen wichtig ist.“ Auch die Regierung müsse da entsprechend handeln.

Probleme vor allem bei kleinen Unternehmen

Die diversen Herausforderungen setzen vor allem kleinen Unternehmen zu. „Dagegen sind größere Unternehmen resistenter, weil sie meist bessere finanzielle Möglichkeiten haben und somit mehr Risiko tragen können“, sagt IW-Experte Büchler. Die Krise bedeutet nicht, dass der Glasfaserausbau in Deutschland stoppt. Aber sie verändert deutlich, wie, wo und von wem gebaut wird. Die Branche erwartet eine starke Konsolidierung: Kleinere Anbieter könnten entweder verschwinden, sich zusammenschließen oder von größeren Mitbewerber übernommen werden.

„Viele Unternehmen kooperieren schon. Und das ist gut für die Verbraucherinnen und Verbraucher, da die dadurch Anbieter- und Produktvielfalt erhalten“, sagt Knapp vom Branchenverband Breko. Ein weiterer Vorteil sei, dass so ein einmaliger Ausbau erfolge und die Straßen nicht mehrfach aufgerissen werden müssen.

Die Struktur am Glasfasermarkt sei ohnehin ungewöhnlich, erklärt Cara Schwarz-Schilling, Geschäftsführerin des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste. In Deutschland gebe es etwa 200 Unternehmen, die unter 10.000 Anschlüsse haben. Und das bei circa 300 Unternehmen im Markt. Eine Marke könne man mit so wenigen Kunden nicht aufbauen. „Ich würde schon erwarten, dass sich die Marktstruktur in den nächsten Jahren ändert in Deutschland. Und das ist auch keine Katastrophe“, so Schwarz-Schilling.

Forderung: Kürzere Genehmigungsverfahren

Am Glasfasermarkt muss noch viel passieren. Ufer vom Branchenverband kritisiert die Dauer von Genehmigungsverfahren. Diese seien oft viel zu lange. „Bundesregierung und Bundesnetzagentur müssen jetzt konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Rahmenbedingungen für die ausbauenden Unternehmen zu verbessern“, unterstützt Knapp vom Verband Breko. Zusätzlich müsse der Wettbewerb vorhanden und fair sein.

Und auch der Ausbau an sich muss vonseiten der Firmen an vielen Stellen schneller ablaufen. „Wir können den Menschen nicht zumuten, dass wenn sie den Vertrag unterschrieben haben, sie dann mehr als ein Jahr oder noch länger warten müssen“, so Ufer. Da seien Politik und Unternehmen gleichermaßen in der Pflicht zu handeln.

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