Gewehre, Handgranaten, MunitionRiesiges Kriegswaffenarsenal – Kfz-Meister verurteilt
Es ist der größte Kriegswaffenfund in Deutschland seit mehreren Jahrzehnten: Beamte machen in geheimen Kellern einer Autowerkstatt ein riesiges Arsenal mit Hunderten Waffen ausfindig. Nun verurteilt ein Gericht den Hauptangeklagten.
Über einen Kiosk in Remscheid sollen Drogen- und Waffengeschäfte laufen. Verdeckte Ermittler bekamen davon Wind – sie konnten tatsächlich Maschinenpistolen kaufen. Die Spur führte zu einem Waffenarsenal unter einer Autowerkstatt. Mit dem Eigentümer dieser Werkstatt ist jetzt der Hauptangeklagte in dem Prozess um illegalen Waffenhandel verurteilt worden.
Wegen Waffenhandels haben die Richter am Landgericht Wuppertal gegen den 60-Jährigen eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren verhängt. Zuvor hatte es in dem Verfahren eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung gegeben, dass er zwischen sechs und sieben Jahre ins Gefängnis muss. Außerdem ordneten die Richter die Einziehung von 74.000 Euro an, die sein Ertrag aus Waffengeschäften gewesen sein sollen.
Der Kfz-Meister nahm das Urteil ohne sichtliche Regung entgegen. „Es ist klar, dass er seit 2021 gewerblicher Waffenhändler ist“, sagte der Vorsitzende Richter. Laut Gericht könnte er nach zwei Dritteln der Strafe entlassen werden. Der 60-Jährige sitzt seit einem Jahr in Untersuchungshaft – wegen großer Fluchtgefahr bleibe der Haftbefehl aufrechterhalten, so das Gericht.
Seine Verteidigerin sagte im Plädoyer, die Familie habe seit der Verhaftung große wirtschaftliche Probleme. Das Überleben und die Sorgen der ganzen Familie lasteten auf ihm. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass sie der Aussage des Angeklagten nicht glaube, dass er durch den Kauf einer privaten Sammlung quasi zufällig an scharfe Waffen gekommen sei. „Denn das sind genau die Waffen, die auch in kriminellen Kreisen gefragt sind, für Überfälle oder bandenmäßige Auseinandersetzungen.“
Hakenkreuz-Flaggen und SS-Uniformen
Mehr als ein Jahr waren Fahnder aktiv, ehe am 26. Oktober 2025 zahlreiche Beamte zur Werkstatt und zum Wohnhaus des Kfz-Meisters anrückten. Im Keller stießen sie auf eine Art Waffenmuseum mit Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg. Darunter befanden sich auch Hakenkreuz-Flaggen, SS-Uniformen und andere Relikte aus dem Nationalsozialismus und aus der früheren Sowjetunion.
Tagelang folgte einem Fund der nächste, in geheimen Räumen und Verstecken wie hinter einem Tresor oder einer Vitrine. Bei der Suche nach weiteren Räumen half auch ein Grundriss des Gebäudes. Handgranaten, die potenziell besonders gefährlich sind, wurden von den Entschärfern in einen Steinbruch transportiert und dort gesprengt. Die Verteidigerin machte geltend, dass die geheimen Kammern ohne Mitwirken ihres Mandanten nicht entdeckt worden wären.
Die Bilanz: Rund 300 scharfe Schusswaffen, darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, Präzisionsgewehre und 11 Revolver. Auch 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten und rund 90.000 Schuss Munition waren darunter. Laut Staatsanwaltschaft ist es einer der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte.
„Wollte nie damit schießen, wollte sie nur besitzen“
Das Sammeln von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg sei sein Hobby gewesen, sagte der Hauptangeklagte in dem Prozess. „Man kann sagen, dass ich ein fanatischer Sammler bin.“ Seine Ehe habe unter dem zeitfressenden Hobby gelitten, während er sich „einen Lebenstraum erfüllt“ und ein Waffenmuseum gebaut habe. Im Laufe der Jahre habe er viele andere Militaria-Sammler kennengelernt und sei in Kontakt mit scharfen Waffen gekommen.
Die hätten ihn zwar fasziniert, aber: „Ich wollte nie damit schießen, ich wollte sie nur besitzen.“ Langfristig habe er die Sammlung „entmilitarisieren“ wollen. „Ich wusste, dass ich die nicht haben durfte“, räumte der Angeklagte ein. Daher habe er versteckte Räume eingerichtet, auf die er die Ermittler später aber auch hingewiesen habe, „damit auch kein Unbefugter rein konnte“.
Im Gegenzug für die Strafabsprache hatte der Hauptangeklagte vor wenigen Wochen gestanden, in Polen 70 Skorpion-Maschinenpistolen für je rund 700 Euro gekauft zu haben. Bei diesen handelt es sich um kompakte Waffen osteuropäischer Produktion aus der Nachkriegszeit. Das Gericht geht hingegen von 900 Euro pro Stück aus.
Zwei Mitangeklagte waren bereits als Kriegswaffenhändler zu zweieinhalb und dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die 35 und 38 Jahre alten Männer hatten gestanden, bei dem Hauptangeklagten Maschinenpistolen für je rund 2.000 Euro sowie Munition gekauft zu haben.
Der Kioskbetreiber war bereits im November 2025, einen Monat nach der Waffen-Razzia, in einem eigenen Prozess wegen bewaffneten Drogenhandels zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht berücksichtigte dabei sein Geständnis zum Handel mit Drogen und Aussagen zum Waffenkomplex. Er soll der Kontaktmann gewesen sein, über den verdeckte Ermittler an mutmaßliche Waffenhändler gelangten und schließlich auf das Arsenal gestoßen waren.
Die Ermittlungen der Wuppertaler Staatsanwaltschaft laufen weiter – etwa dazu, wer illegal gehandelte Waffen gekauft haben könnte. Der Verbleib der 70 Maschinenpistolen, um die es im Geständnis ging, ist unklar. Als potenzielle Kunden kommen nach Ansicht der Ermittler Abnehmer in der kriminellen Szene in Betracht, etwa auch Rocker-Banden.
Das Waffenarsenal des Kfz-Meisters wird laut Staatsanwaltschaft aufgeteilt. Kriegswaffen bekomme er auf keinen Fall wieder, über den Verbleib der scharfen Waffen entscheide die Waffenbehörde. Museums- und Dekowaffen sowie weitere Gegenstände bekomme der Besitzer zurück.
