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Roland Emmerich im Interview: „Technik kann man nicht aufhalten“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 19, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Roland Emmerich im Interview„Technik kann man nicht aufhalten“

18.07.2026, 14:48 Uhr

Interview: Linn Penkert
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Wanderte in den 90er Jahren in die USA aus: Roland Emmerich. (Foto: IMAGO/Future Image)

Roland Emmerich gehört zu den wenigen deutschen Regisseuren, die Hollywood nachhaltig geprägt haben. Mit Filmen wie „Independence Day“, „The Day After Tomorrow“, „2012“ und „Stargate“ macht er spektakuläre Weltuntergänge zum Kassenschlager – auch wenn Kritiker seine Werke oft deutlich schlechter bewerten als das Publikum. Im Gespräch mit ntv.de spricht der 70-Jährige über diese Diskrepanz, seine Pläne für einen ersten KI-Film – und warum er überzeugt ist, dass sich der technologische Wandel nicht aufhalten lässt.

ntv.de: Viele Filmschaffende sehen KI eher als Bedrohung denn als Chance. Sie dagegen arbeiten gerade an einem KI-Projekt. Wie wollen Sie die Technologie konkret einsetzen?

Roland Emmerich: Das ist eine gute Frage. Ich mache gerade erst einmal einen Test, um KI zu verstehen. Das wird eine etwa zehnminütige, sehr emotionale Szene. Ich möchte sehen: Wie emotional kann man mit KI erzählen? Wie sieht das am Ende aus? Das ist für mich im Moment wichtiger als ein konkretes Filmprojekt. Ich arbeite dabei mit dem deutschen Visual Effects Supervisor Stephan Trojansky zusammen. Er beschäftigt sich seit rund zwei Jahren intensiv mit KI, hat seine Firma Scanline an Netflix verkauft und ist ein superreicher Mann geworden. (lacht)

Wie kann man sich so eine emotionale Szene vorstellen? Drehen Sie zunächst mit echten Schauspielern und ergänzen die KI später?

Genau. Ich drehe mit richtig guten Schauspielern aus allen möglichen Perspektiven. Die Schauspieler müssen am Ende nicht genauso aussehen wie beim Dreh, sie können später einen völlig anderen Look bekommen. In meinem Test geht es zum Beispiel um einen jungen Rennfahrer und einen älteren, grimmigen Mann. Die beiden unterhalten sich darüber, warum der Junge so aggressiv fährt.

In Hollywood wird KI derzeit sehr kritisch gesehen. Viele Schauspieler sorgen sich um ihre Jobs oder ihre Bezahlung. Können Sie diese Bedenken nachvollziehen?

Ich weiß halt, dass es kommt. Ich sage den Leuten immer: Stephan Trojansky hat seine Firma an Netflix verkauft. Warum? Weil er sofort gewusst hat, dass das eine Riesensache und die Zukunft ist. Er wollte von Anfang an vorne mit dabei sein.

Sie sehen also vor allem die Vorteile für Filmschaffende. Aber was sagen Sie den Schauspielern oder Statisten, die Angst haben, ersetzt zu werden?

Technik kann man nicht aufhalten. Das geht einfach nicht. Ich habe außerdem das Gefühl, dass Europa dem Thema deutlich positiver gegenübersteht als Hollywood. Viele der spannenden KI-Projekte kommen im Moment aus Europa.

Planen auch Sie noch weitere KI-Projekte?

Ja, absolut. Ich habe viele Drehbücher, für die ich kein Geld bekomme, weil die Studios sagen, das sei zu teuer. Ich habe zum Beispiel einen Film über die Maya. Das ist ein bisschen wie bei „Der mit dem Wolf tanzt“ – es ist unmöglich, das mit klassischen Mitteln zu finanzieren, weil ich riesige Kulissen bauen und unzählige aufwendige Szenen drehen müsste. Mit KI könnte derselbe Film plötzlich vielleicht nur noch 30 oder 35 Millionen Dollar kosten statt 150 oder 200 Millionen. Gleichzeitig würde er sogar größer aussehen als ein herkömmlicher Film.

Kaum ein anderer Regisseur hat das moderne Katastrophenkino so geprägt wie Sie. Warum fasziniert Sie der Weltuntergang bis heute?

Ich mag einfach keine Comicfilme. Deshalb musste ich mein eigenes Genre erschaffen. Heute gibt es entweder große Buchverfilmungen, Comicfilme, Marvel-Filme und dann vielleicht noch „Star Wars“.

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Mit Katastrophenfilmen schuf Emmerich sein eigenes Genre (im Bild am Set von „The Day After Tomorrow“.) (Foto: imago images/Mary Evans)

Wenn Sie heute viele aktuelle Marvel-Filme sehen und darin Elemente Ihrer Filme wiedererkennen – macht Sie das stolz?

Ich ärgere mich darüber! Das ist Plakativismus. Aber was kann ich dagegen tun?

Viele Ihrer Filme wurden von Kritikern verrissen, waren beim Publikum aber riesige Erfolge. Beschäftigt Sie diese Diskrepanz?

Nein, ich höre gar nicht mehr hin. (lacht)

Lesen Sie Kritiken?

Ich lese keine Kritiken. Schauen Sie sich „Independence Day“ an. Der hatte damals einen sehr niedrigen Score bei Rotten Tomatoes. Heute hat er einen Score von 77. Heute wird der Film ganz anders gesehen. Das passiert oft mit Filmen, die lange Bestand haben und immer wieder im Fernsehen laufen. Meine Filme haben sich einfach gehalten.

Warum liegen Kritiker und Publikum bei Ihren Filmen Ihrer Meinung nach so oft auseinander?

Weil die einen nicht verstehen, was Kino ist. Die Kritiker. Sie sehen immer nur, dass ich ganz am Anfang Filme wie „Universal Soldier“ (1992) mit Jean-Claude van Damme gedreht habe. Das wird mir nie verziehen.

Welcher Ihrer eigenen Filme wird Ihrer Meinung nach bis heute am meisten unterschätzt?

„Anonymous“ (2011). Das ist ein nahezu perfekter Film. Der einzige andere, den ich ähnlich gelungen finde, ist „Independence Day“.

Die Debatte um William Shakespeares Urheberschaft ist ein wirklich sehr unterschätztes Thema!

Oh ja, das ist völlig klar, dass dieser Landkürbis seine Werke nicht geschrieben hat. Die mussten von einem Renaissance-Mann wie Edward de Vere stammen.

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In Hamburg wurde der 70-Jährige mit der Gläsernen Leinwand geehrt. (Foto: IMAGO/Future Image)

Sie wurden kürzlich in Hamburg mit der Gläsernen Leinwand ausgezeichnet. Gibt es rückblickend einen Moment, an dem Sie sagen: Ohne dieses Risiko wäre meine Karriere ganz anders verlaufen?

Ich bin wegen der Kritiker in Deutschland damals nach Amerika gegangen. Nach „Moon 44“ (1990) hatte ich die Nase voll. Ich hatte zunächst ein großes Angebot von Mario Kassar (US-Filmproduzent, Anm.d.Red.) für einen 85-Millionen-Dollar-Film, aber den habe ich nie gemacht, weil der Produzent mich nicht hat machen lassen. Kassar hat mir dann aber „Universal Soldier“ angeboten. Ich dachte: Bevor ich nach Hause fliege, mache ich eben diesen Film – und er wurde sehr erfolgreich. Danach konnte ich endlich meinen eigenen Film drehen: „Stargate“ (1994). Damals haben viele gefragt: „Wer will sowas sehen?“ Trotzdem war der Film ein großer Kassenerfolg. Danach kamen immer wieder Angebote für Filme, die ich nicht machen wollte. Und dann habe ich „Independence Day“ (1996) gemacht – der kam auch gut an und das hat mein Leben komplett verändert. Seitdem gehöre ich zu den Regisseuren, die an ihren Filmen beteiligt werden. Von daher ist am Ende alles gut gelaufen.

Mit Roland Emmerich sprach Linn Penkert

Quelle: ntv.de

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