Schlangen an TankstellenSpritpreise steigen schon vor Ende des Tankrabatts kräftig

Bereits am letzten Tag des Tankrabatts müssen sich Autofahrer an den Zapfsäulen in Geduld üben. Immerhin können sie nochmal sparen – am Mittwochvormittag dann ein letztes Mal. Die Preise legen allerdings schon seit Tagen zu.
Die Ölpreise sinken zwar schneller als erwartet, doch die Preise für Benzin und Diesel werden am morgigen Mittwoch trotzdem wieder massiv steigen. Denn ab dem 1. Juli gilt der Tankrabatt nicht mehr. Zuletzt war erwartet worden, dass die Spritpreise dann entsprechend zulegen. Doch sie steigen schon seit Tagen wieder – am Dienstag erneut deutlich.
E5 kostete am Mittag – nur dann dürfen die Preise steigen – in der Spitze durchschnittlich 2,09 Euro pro Liter, E10 im Schnitt 2,03 Euro und Diesel 1,99 Euro. Kraftstoff war damit noch einmal rund 3 Cent pro Liter teurer als am Vortag zur Mittagszeit. Die inzwischen üblichen Preissprünge gegen 12 Uhr erreichten fast Rekordwerte: Beim Diesel ging es im bundesweiten Durchschnitt um 24 Cent pro Liter nach oben, beim Benzin um rund 20 Cent. Dabei waren allerdings ungewöhnlich große Unterschiede zwischen Tankstellen zu beobachten. Im Tagesschnitt kostete ein Liter E5 bereits am Montag 1,87 Euro pro Liter, E10 rund 1,81 Euro und Diesel 1,72 Euro pro Liter.
Die Mineralölkonzerne erhalten ab Mitternacht keinen Steuerrabatt mehr, aufgrund der 12-Uhr-Regel dürfen die Tankstellen ihre Preise aber erst mittags anheben. Deshalb werden Benzin und Diesel am Mittwochvormittag aufgrund des Tankrabatts noch einmal etwas günstiger sein. Wie bereits am Dienstag dürften sich mancherorts an den Zapfsäulen Schlangen bilden. Denn für Mittwochmittag wird dann ein noch größerer Preissprung erwartet.
Der ADAC sieht den Preisanstieg schon vor Ende des Tankrabatts kritisch. Für die Steuer ist die Lieferung, nicht der Verkaufszeitpunkt entscheidend. Deshalb dürften die meisten Tankstellen am Vormittag des 1. Juli noch über vergünstigten Kraftstoff verfügen, teils noch länger. Mit Blick auf den Tankrabatt dürften die Preise somit theoretisch erst in den Tagen danach steigen.
Doch während Preiserhöhungen in der Regel umgehend an die Kunden weitergegeben werden, dauert es, bis Preissenkungen bei den Autofahrern ankommen. Deshalb schlägt sich auch der gesunkene Ölpreis noch nicht nachhaltig in den Spritpreisen nieder. „Rakete, wenn es nach oben geht, aber Feder, wenn es wieder nach unten geht“, sagte Carsten Brzeski, ING-Chefökonom für Deutschland, ntv.de.
Das wurde den Mineralölkonzernen auch nach Beginn des Iran-Kriegs vorgeworfen. Als der Ölpreis regelrecht explodierte, stiegen umgehend die Preise für Benzin und Diesel – obwohl der zu dem Zeitpunkt verkaufte Kraftstoff noch mit günstigerem Rohöl produziert worden war.
Sinkende Ölpreise dämpfen Preissprünge immerhin
Immerhin schlägt das Ende des Tankrabatts infolge der Ölpreisentwicklung nicht ganz so stark zu Buche wie ursprünglich befürchtet. Die Spritpreise hatten sich bereits an das Vorkriegsniveau angenähert. „Noch vor wenigen Wochen erwarteten die Future-Märkte einen allmählichen Rückgang der Ölpreise auf 80 Dollar pro Barrel zum Ende des kommenden Jahres, derzeit ist der Preis mit gut 70 Dollar pro Barrel bereits deutlich niedriger“, sagte Torsten Schmidt, Konjunkturchef des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, ntv.de. „Dadurch wird das Auslaufen des Tankrabatts in Deutschland weniger spürbar für die Autofahrer.“
Vom Vorkriegsniveau sind die Spritpreise inzwischen allerdings schon wieder weit entfernt. Nach Brzeskis Einschätzung wird es bis zum Herbst dauern, bis es wieder erreicht sein wird.
Rund 1,6 Milliarden Euro kostet der Tankrabatt den Bund nach Schätzung des Finanzministeriums, die tatsächliche Summe wird sich demnach erst in den kommenden Monaten zeigen. Die Mineralölkonzerne haben den Steuernachlass nach Analysen der Monopolkommission und des Ifo-Instituts aber vor allem beim Diesel nur teilweise weitergegeben.
20 bis 33 Euro Ersparnis
Die Ersparnis der Autofahrer ist überschaubar. Bei kompletter Weitergabe der 16,7 Cent pro Liter hätte der Steuernachlass einem typischen Dieselfahrer mit 17.000 Kilometern pro Jahr und einem Verbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometern rund 33 Euro gebracht, bei geschicktem Tanken vielleicht einige Euro mehr. Bei einem typischen Benziner mit 9500 Kilometern im Jahr und acht Litern auf 100 Kilometern wären es 21 Euro.
Unter Ökonomen war der Tankrabatt von Anfang an umstritten: sozial nicht ausgewogen und schlecht für die Umwelt. Denn der Steuernachlass dämpfte die sinnvolle Wirkung der hohen Preise auf den Verbrauch. Dabei hätte eine sinkende Nachfrage auch den Preisanstieg abgemildert.
Dieser Artikel erschien erstmals am Vormittag des 30. Juni und wurde aktualisiert.
