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Sieg erklären, Truppen abziehen?: Trump sitzt im Escape Room fest

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 29, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Sieg erklären, Truppen abziehen?Trump sitzt im Escape Room fest

29.04.2026, 20:34 Uhr Ein Kommentar von Frauke Niemeyer
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Einfach den Sieg über Iran erklären? Offenbar auch eine Option für US-Präsident Donald Trump. (Foto: Getty Images)

Donald Trump lässt offenbar prüfen, ob man einseitig den Sieg über Iran erklären könnte, ohne dass es völlig aus dem Ruder läuft. Also noch schlimmer aus dem Ruder als ohnehin schon. Den USA gehen die Optionen aus.

Oft will sich die KI mit Vorschlägen wie „Soll ich Dir meine Antwort in einer Tabelle zusammenfassen?“ ja nur beliebt machen, bringen tut’s nichts. Sollte einem die KI aber zu einer Frage nach Donald Trump und dem Irankrieg einmal vorschlagen, all seine Einzelaktionen auf einem Zeitstrahl anzuordnen – unbedingt anfordern!

Die überdrehte, in sich vollkommen unschlüssige Verfahrensweise des US-Präsidenten in diesem Krieg wird dann sehr schön deutlich. Er hat wirklich alles schon probiert – massiv aus der Luft angreifen, Gesprächsbereitschaft signalisieren, Kapitulation fordern, Krieg für „praktisch beendet“ erklären, Truppen verlegen, Infrastruktur angreifen, Ultimatum stellen, Ultimatum aufheben, mit Zerstörung drohen, noch ein Ultimatum stellen, mit Auslöschung drohen, Seeweg blockieren, Waffenruhe erklären, Angebot machen, verhandeln, erneut angreifen, Waffenruhe doch verlängern, mit Versenkung iranischer Schiffe drohen, Deal fordern, mit Eskalation drohen. In solcher Zuspitzung liest sich sein Gebaren lächerlich. Es ist aber nicht witzig, es ist fatal. Denn dieser Krieg hat Folgen.

Einzig positive Konsequenz des Waffengangs bislang: Trumps Beliebtheitswerte in den USA fallen seit Wochen. Die Zustimmung zum Irankrieg, der grob gerechnet täglich eine Milliarde US-Dollar verschlingt, liegt deutlich unter 30 Prozent. Allmählich wird es den Republikanern mulmig mit Blick auf die US-Zwischenwahlen im November. Und Donald Trump sitzt in diesem Krieg wie im Escape Room fest.

Dem Regime gehört die Straße

Im Iran wiederum lassen sich keine Anzeichen eines beginnenden Regimewechsels feststellen. Die Älteren erinnern sich: Ganz zu Beginn des Krieges schwang dieses Ziel in den US-Erklärungen immer mal mit, nebst der Aufforderung an das iranische Volk, sein Geschick dann selbst in die Hand zu nehmen.

Tatsächlich traut sich das iranische Volk seit Beginn der Luftangriffe jedoch nicht mehr aus dem Haus. Dem Regime gehört die Straße. Martialische Aufmärsche bewaffneter Anhänger sowie Patrouillen von Pickups mit aufmontiertem Maschinengewehr beherrschen die Bilder aus Teheran.

Bei lahmgelegtem Internet und Mobilfunk können sich die Menschen nicht verständigen, werden auf Schritt und Tritt von montierten Kameras und Drohnen aus der Luft beobachtet. Die Wirtschaftskrise setzt den Iranern enorm zu, die Herrscher interessiert das nicht. Sie interessiert nur der Machterhalt. Fast täglich berichtet das Staatsfernsehen von Hinrichtungen der Regimegegner.

Seit dem Start der Waffenruhe immerhin wachen die Iraner nicht mehr nachts vom Bombenhagel auf. Doch die Angst bleibt. Tausende Menschen sind gestorben. „Das Land stürzt in ein Trauma“, sagt Amnesty International.

Für die iranische Bevölkerung sind die Kriegsfolgen bislang also ein Desaster. Trump wiederum kann kein einziges seiner von Anfang an flexibel gehandhabten Kriegsziele auch nur ansatzweise mit einem Haken versehen.

Statt das Regime der Mullahs zu schwächen, hat Trump ihm Zugang zu einem Druckmittel eröffnet, mit dem es die gesamte Weltwirtschaft in die Mangel nehmen kann. In keiner Bedrohungslage hatten sich die iranischen Herrscher bislang getraut, die Meerenge von Hormus unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch im Überlebenskampf unter Trumps Raketenhagel schiein die ultima ratio das probate Werkzeug. Und siehe da: Es funktioniert.

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Der Persische Golf, die Straße von Hormus und der Golf von Oman (Foto: picture alliance/dpa/The Visible Earth/NASA)

Mit Blick auf das Arsenal konventioneller Waffen ist der Iran ohne Zweifel geschwächt – aber keineswegs geschlagen. Die 400 Kilogramm hochangereichertes Urans sind aus Sicht der Mullahs kein Gegenstand von Verhandlungen. Sie lagern zudem recht sicher vor Angriffen in den Tunneln von Isfahan.

Als bestmögliches Ergebnis erschiene derzeit ein Abkommen, in dem sich der Iran zum Verzicht auf das Material bereiterklärte und künftiges Anreichern überwachen ließe. Damit wäre dann ungefähr das Niveau von Barack Obamas Nuklearabkommen erreicht, das Trump immer wieder als „das schlechteste Abkommen der Welt“ schalt.

Iran ist halt nicht Venezuela. Die filigranen Teheraner Machtstrukturen werden von einem eine Million Kämpfer zählenden Militärapparat stabil gehalten. Solange die Revolutionsgarden stehen, steht das Regime, auch wenn die nächste Herrscherriege eleminiert werden sollte. Jeder dort ist ersetzbar.

Die USA leeren ihre Munitionslager

Zugleich muss sich bei den Golfstaaten Ernüchterung breitmachen. Jahrelang haben sie kräftig in den USA investiert, um das Weiße Haus gütlich zu stimmen und sich US-Wohlwollen zu sichern. Nun müssen sie erkennen, dass die Weltmacht USA sich schon am Iran die Zähne ausbeißt.

Eine Erkenntnis, die am Golf für Bestürzung sorgen muss, kann Xi Jinping in Peking frohlocken lassen. Nichts besser als ein Gegner, der seine Munitionsdepots für einen sinnlos erscheinenden Krieg in entfernten Regionen leerräumt. Die Taiwanesen werden es mit Schrecken beobachten. Und auch die Nato-Partner müssen sich Gedanken machen. Vielleicht ginge es bei einem möglichen Beistandsfall nach Angriff Putins nicht nur um die Frage, ob die USA mitverteidigen, sondern auch darum, ob das bei derart erratischer Kriegsführung noch wünschenswert wäre.

All diese Sorgen lassen Donald Trump natürlich kalt, wenn das Weiße Haus – siehe Meldung von heute – inzwischen prüfen lässt, wie man aus dem Krieg herauskäme, ohne das eigene Scheitern zu offensichtlich werden zu lassen. US-Geheimdienste untersuchen Insidern zufolge, wie der Iran nach zwei Monaten Krieg auf eine einseitige Siegeserklärung Trumps reagieren würde. Ein Szenario wäre: Sie machen einfach weiter. Denn zum Beenden eines Krieges gehören beide Parteien.

Die doppelte Blockade von Hormus setzt dem Iran enorm zu, in einer ohnehin schon wirtschaftlich prekären Lage. Aber den Mullahs spielt die Zeit in die Hände. Sie müssen keine Zwischenwahlen gewinnen. Trump schon. Um einen Sieg zu sichern, wird ihm jedes Mittel recht sein. Der nächste Eintrag auf dem Zeitstrahl zu Trumps Kriegsführung womöglich lauten: „Die USA erklären ohne Erreichen ihrer Kriegsziele einseitig den Sieg über Iran und den Abzug der eigenen Truppen.“ Es klingt absurd. Aber für die USA ist das kein Maßstab mehr.

Quelle: ntv.de

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