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Sparkassen & Co. in Sorge: Die größte Bank der Welt expandiert nach Deutschland

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Sparkassen & Co. in SorgeDie größte Bank der Welt expandiert nach Deutschland

20.05.2026, 10:04 Uhr

Von Jannik Tillar
A-JP-Morgan-Chase-flag-flies-near-the-headquarters-for-Bear-Stearns-in-New-York-March-14-2008-Bear-Stearns-on-Friday-said-a-sudden-cash-crunch-forced-it-to-turn-to-the-Federal-Reserve-and-JPMorgan-Chase-for-emergency-funds-intensifying-fears-of-a-widening-global-credit-crisis-and-driving-its-shares-down-as-much-as-half
Von New York nach Berlin: JP Morgan investiert kräftig, um in Deutschland Fuß zu fassen. (Foto: REUTERS)

Jahrelang hat die US-Großbank JP Morgan den Marktantritt ihrer Privatkundensparte Chase in Deutschland vorbereitet. Nun ist es soweit. Die meisten Banker machen kein Geheimnis daraus, dass sie diesen Moment gefürchtet haben.

Wer einmal an den alten Springer-Passagen in der Berliner Markgrafenallee vorbeiläuft, sieht schnell, dass hier jemand gekommen ist, um zu bleiben. Außen hängen zwei Schilder: In schwarzen Lettern „JP Morgan“ und daneben ein blaues Oktagon mit dem Schriftzug „Chase“. Hier, unweit des Checkpoint Charlie, hat sich die größte Bank der Welt niedergelassen, in einem geräumigen Büro mit mehr als 400 Arbeitsplätzen, und Konferenzräumen, die nach Berliner Stadtteilen benannt sind. Und von hier startet ab dem heutigen Mittwoch der Angriff auf den deutschen Privatkundenmarkt.

Was nach einer kleinen Meldung klingt, könnte für die Bankenwelt kaum bedeutender sein. Kaum ein Hintergrundgespräch, kaum eine Präsentation, kam in den vergangenen Monaten ohne das Thema aus: Wann startet Chase – die Digitalbank von JP Morgan in Deutschland? Die meisten Banker machen kein Geheimnis daraus, dass sie Chase fürchten. Wenn die größte Bank der Welt, mit dem größten Vertrauen der Welt, ein cooles, digitales Bankprodukt auf den Markt bringt, ähnlich wie N26 und Revolut – was haben Sparkassen, Volksbanken & Co. dann noch zu bieten, außer natürlich jahrzehntelanger Präsenz und gewachsener Strukturen?

Seit Mittwoch haben sie nun auch Gewissheit, wie JP Morgan Chase, kurz: Chase, in den deutschen Markt eintreten will. Zu Beginn bietet Chase ein Tagesgeldkonto mit vier Prozent Zinsen, limitiert auf vier Monate. Danach erhalten Bestandskunden aktuell zwei Prozent Zinsen. Nicht sonderlich aggressiv, wie befürchtet, aber immer noch das beste Angebot derzeit auf dem Markt. Bis Ende 2028 will Chase allerdings eine ganze Menge zusätzlicher Angebote in die App einziehen – vom Girokonten, Brokerage bis hin zu Krediten.

„Wir verbinden das, was Kunden von einer Digitalbank erwarten, mit der Vertrauenswürdigkeit großer Banken“, sagt Deutschland-Chef Daniel Llano Manibardo dem Wirtschaftsmagazin „Capital“. „Wir konkurrieren auf der Produktseite wohl am ehesten mit Neobanken – wir sind digital, haben schlanken Strukturen, bieten Wettbewerbsfähigkeit sowie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gleichzeitig haben wir aber auch eine traditionelle Bank im Rücken – und zwar eine der größten der Welt. Das schafft Vertrauen.“

Außerdem habe man einen klassischen Kundenservice am Telefon – etwas, das viele Fintechs mit Künstlicher Intelligenz und Chatbots lösen wollen. „Bei allen Vorteilen, die einem die Künstliche Intelligenz liefert – am Ende müssen Kunden immer auch mit einem Menschen sprechen können, denn Geld ist ein sensibles Thema“, sagt Manibardo. Ob das aber reicht, um die traditionell scheuen deutschen Kunden zum Wechseln zu bewegen – das ist die große Wette. Und ob das Vertrauen in eine US-amerikanische Bank größer ist als in die lokale Volksbank oder Sparkasse – auch das bleibt abzuwarten.

Erfolgreicher Start in Großbritannien

Einen Malus als US-Unternehmen will Manibardo aber nicht feststellen. „Die Menschen können immer noch unterscheiden zwischen geopolitischen Spannungen und einzelnen Marken, die, wie wir, in Deutschland investieren.“ Das habe nicht nur die Marktforschung ergeben, sondern zeigen auch andere US-Unternehmen, die weiter gutes Geld in Deutschland verdienen. Die Zielgruppe seien zunächst digitalaffine Menschen, die bereits über ein gewisses Vermögen verfügen, und mit ihrer Bank unzufrieden sind. „Da sehen wir einen großen Markt“, sagt Manibardo.

Um diese Gruppe zu erreichen, wird Chase enorme Summen in den Markenaufbau investieren. Die Werbeindustrie spekuliert halböffentlich bereits über einen achtstelligen Betrag im ersten Jahr. Manibardo sagt nur, dass man „eine Reihe von Marketingmaßnahmen starten“ werde. Der Fokus liege dabei auf digitalen Kampagnen und Out-of-Home-Werbung.

Lernen wolle man beim Markenaufbau aus Großbritannien, wo Chase seit 2021 mehr als drei Millionen Kunden gewonnen hat. Doch nicht alles lasse sich übertragen. Optisch werden sich die Produkte zwar ähneln. Doch es habe nicht umsonst mehr als fünf Jahre gedauert, bis das Deutschland-Produkt marktreif war. Die Regulatorik der EU sei beispielsweise ganz anders als in Großbritannien, so dass die IT-Architektur ganz neu gedacht werden musste. Immerhin: Von Deutschland aus lasse sich nun schneller in andere EU-Länder expandieren.

Wie viele Kunden Chase im ersten Jahr erreichen will, erklärt Manibardo nicht. Die Zahl gebe es natürlich, aber gerade im ersten Jahr seien weiche Faktoren wie Kundenzufriedenheit und Markenbekanntheit wichtiger als knallharte Betriebswirtschaft. Nur bei einer Aussage, da wird Manibardo klar: Es gehe eher darum, viele Kunden zu erreichen – nicht wenige, die dafür über ein hohes Vermögen verfügen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Capital.de.

Quelle: ntv.de

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