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Startseite»Politik»Stolpersteine in Spanien: „Ein Akt der Gerechtigkeit“
Politik

Stolpersteine in Spanien: „Ein Akt der Gerechtigkeit“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 1, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.05.2026 • 17:21 Uhr

Tausende Spanier wurden von den Nazis in KZs deportiert. Auch für sie gibt es – wie in Deutschland – jetzt Stolpersteine zum Gedenken. Für ihre Nachkommen ist es eine besondere Würdigung.

Von Hans-Günter Kellner, ARD Madrid

Etwa 50 Menschen stehen auf der engen Mindivil-Straße im Madrider Stadtteil Vallecas. Der deutsche Künstler Gunter Demnig passt einen Stolperstein in den Boden ein. „Hier lebte Esteban Díaz Baides“ ist darauf zu lesen, „geboren 1898, exiliert in Frankreich, 1940 deportiert nach Mauthausen, ermordet am 7.1.1942 in Gusen“.

Dann hält dessen Enkelin Lola Díaz Gordillo eine kurze Rede: „Diese Würdigung ist ein Akt der Gerechtigkeit. Wir haben unseren Großvater nie kennengelernt. Auch seine Kinder fast gar nicht. Der letzte noch lebende Sohn ist 95 Jahre alt und er wäre sicher sehr bewegt. Die Familie lebte in einem Haus hier in dieser Straße.“

Sieben Stationen für sieben Menschen: Die Gruppe, die die Stolpersteinlegung verfolgt, in Madrid.

Nach und nach erfuhren die Enkel mehr

In der Familie habe es stets geheißen, der Großvater sei im spanischen Bürgerkrieg umgekommen, erzählt Lola. Doch seine Witwe, die Großmutter, habe eine Rente aus Deutschland bezogen. Nach und nach erfuhren die Enkel mehr: zum Beispiel, dass Großvater Esteban im Bürgerkrieg auf der Seite der demokratischen spanischen Republik gekämpft habe.

Nach dem Sieg von Diktator Francisco Franco sei er nach Frankreich geflohen und am 5. September 1940 von der Gestapo in einem Zug nach Mauthausen deportiert worden, sagt Lola – zusammen mit 200 weiteren Spaniern. „Er wurde 43 Jahre alt.“

Gunter Demnig hält sich zurück

Nach einem Applaus zieht die Gruppe weiter, schließlich sollen an diesem Morgen sieben Stolpersteine verlegt werden. Sie sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, doch er will nicht im Mittelpunkt stehen, er zieht sich nach jeder Verlegung eines der Steine schweigend zurück.

Nach Francos Sieg im spanischen Bürgerkrieg 1939 flohen fast 500.000 Spanierinnen und Spanier nach Frankreich, erklärt Jesús Rodríguez, einer der Initiatoren dieser Aktionen im Land. Viele von ihnen seien kurz darauf zurückgekehrt, doch mehr als 9.000 seien 1940, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich, in Kriegsgefangenenlagern interniert worden.

„Franco überlässt sie ihrem Schicksal“

„Die Deutschen fragen im spanischen Außenministerium nach, was sie mit diesen Leuten machen sollen. Doch Spanien reagiert nicht. Das Franco-Regime überlässt sie ihrem Schicksal. Kurz darauf rollen die Züge mit den Spaniern in die Konzentrationslager“, erzählt Jesús.

Etwa die Hälfte der spanischen Gefangenen hat nach Informationen der spanischen Behörden überlebt. Einer der Bekannteren war der spätere spanische Kulturminister Jorge Semprún. Von ihm haben die meisten schon gehört, die der Gruppe an diesem Morgen zu jeder der sieben Stationen folgen.

Eine Frau, die zu der Gruppe gehört, sagt, sie wolle jeden dieser Menschen auf seinem letzten Weg begleiten. „Das waren Menschen, die unseren Stadtteil verlassen mussten, die bei ihrem Kampf für die Freiheit umgekommen sind. Ich will um sie trauern.“ Für die Frau kehren die Menschen an diesem Morgen nach Hause zurück.

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