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Studie zeigt Profi-Betriebe: Kriminelle ziehen illegale Zigarettenproduktion zunehmend in Deutschland auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Studie zeigt Profi-BetriebeKriminelle ziehen illegale Zigarettenproduktion zunehmend in Deutschland auf

03.06.2026, 09:50 Uhr Von Solveig Bach
Zigaretten-die-in-einer-illegalen-Fabrik-bei-Kleve-hergestellt-wurden-liegen-bei-einer-Pressekonferenz-der-Zollfahndung-Essen-und-der-Staatsanwaltschaft-Kleve-im-Zollkriminalamt-auf-einer-ausgestellten-Maschine-zur-Zigarettenherstellung
Der Zoll findet immer häufiger komplette Produktionsstrecken. (Foto: picture alliance/dpa)

Zigaretten sind teuer, das lässt Raucherinnen und Raucher immer häufiger zu gefälschter Ware greifen. Um diese Nachfrage zu befriedigen, entstehen in Deutschland immer mehr illegale Zigarettenfabriken. Und die zieht die organisierte Kriminalität in großem Stil auf.

Die organisierte Kriminalität auf dem illegalen Zigarettenmarkt verlegt sich zunehmend darauf, ihre Ware direkt in Westeuropa zu produzieren. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle „KPMG-Studie zum Konsum von illegalen Zigaretten und erhitztem Tabak sowie dem Anteil von Nikotinprodukten zum oralen Gebrauch in Europa 2025“.

Die Analyse, die vom Zigarettenhersteller Philip Morris Products SA in Auftrag gegeben wurde, zeigt demnach, dass sich die Strukturen der organisierten Kriminalität in diesem Bereich verändern. Produktions- und Lieferketten würden zunehmend aufgeteilt und illegale Fabriken entstehen verstärkt auch in westeuropäischen Ländern. Deutschland gewinne dabei auch als Produktionsstandort für illegale Tabakprodukte, die in andere EU-Staaten geliefert werden, an Bedeutung.

Dem Bericht zufolge wurden allein im vergangenen Jahr europaweit mehr als 100 illegale Zigarettenfabriken entdeckt. René Matschke, der Leiter des Hauptzollamts in Regensburg, verwies bei der Vorstellung der Ergebnisse darauf, dass illegale Betriebe zur Zigarettenherstellung noch vor wenigen Jahren überwiegend in den Grenzregionen osteuropäischer Staaten angesiedelt waren. „Inzwischen spart man sich die Grenze.“

Maschinen „verschwinden“

Im März 2025 hob der Zoll beispielsweise in Düsseldorf-Lierenfeld eine illegale industrielle Produktionsanlage aus. Dabei handelte es sich um eine komplette Herstellungsstraße aus Tabakschneide- und Trocknungsmaschinen, Herstellungs- und Verpackungseinheiten, Stromgeneratoren und Abluftanlagen. Die Zollmitarbeiter stellten zudem große Mengen an Vorprodukten, Filter- und Zigarettenpapier und Umverpackungen für Zigarettenmarken sicher, außerdem etwa 15 Tonnen Tabak sowie mehr als 25 Millionen bereits produzierte, gefälschte Zigaretten verschiedener Marken.

Matschke verwies darauf, dass die Einführung von Rohtabak nach Deutschland steuerfrei, also ohne „steuerliche oder zollamtliche Überwachung“, erlaubt ist. Gleiches gelte für die Einführung von Maschinen zur Zigarettenherstellung. Diese Maschine stehe drei Monate in Polen, dann drei Monate in Tschechien. „Irgendwann ist sie weg und taucht dann in Düsseldorf wieder auf.“ Dem Zollexperten zufolge stellen sich die kriminellen Organisationen hochprofessionell auf „wie eine normale Firma auch“. Es gebe spezielle Leute, die für den Vertrieb, für die Herstellung oder für den Einkauf zuständig sind. „Und es ist auch nicht mehr so nationalitätsbezogen. Man nimmt einfach den, der es am besten kann.“

Früher seien häufig verlassene Firmengebäude als Produktionsstätten genutzt worden. „Heute ist das sehr sauber und professionell.“  Es würden Wände innerhalb von Lagerhallen oder Gebäuden von Tarnfirmen errichtet, es gebe Geruchs- und Lärmfilter, die Tarnfirmen legitimieren auch einen wahrnehmbaren Lieferverkehr.

Schwarzmarkt wächst

Insgesamt gehört Deutschland im europäischen Vergleich mit einem Anteil von 2,5 Prozent illegaler Zigaretten zwar weiterhin nicht zu den Ländern mit den höchsten Schwarzmarktanteilen. Dennoch stieg die konsumierte Menge von 1,7 Milliarden auf 1,9 Milliarden Stück. Die daraus resultierenden Steuerausfälle beliefen sich auf rund 486 Millionen Euro – ein Anstieg um 85 Millionen Euro gegenüber 2024. Der Anteil gefälschter Zigaretten lag 2025 bei 32 Prozent des illegalen Zigarettenmarktes. Das entspricht einem Plus von sechs Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Auch 2025 bleibt Frankreich das Land mit dem größten illegalen Zigarettenmarkt Europas. Dort liegt der Anteil illegaler Zigaretten bei 41,4 Prozent (20,5 Milliarden Stück). Allein auf Fälschungen entfallen fast 9,7 Milliarden Zigaretten. Das entspricht rund 19 Prozent des gesamten französischen Zigarettenkonsums.

Der Studie zufolge ist in Europa inzwischen jede neunte konsumierte Zigarette illegal. 55,3 Milliarden illegale Zigaretten verursachen demnach in 38 europäischen Ländern 22,4 Milliarden Euro Steuerausfälle.

Für die Studie wurden leere Zigarettenpackungen aus Mülleimern und in Entsorgungsanlagen eingesammelt, um sie auf ihre Steuerzeichen und Echtheit zu überprüfen. In Deutschland waren das rund 100.000 Packungen. Illegale Ware wird häufig in Hinterhöfen angeboten oder erst auf Nachfrage aus einem Bereich hinter der Ladentheke hervorgeholt.

Quelle: ntv.de

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