Test mit ukrainischem MilitärEric Trumps humanoide Kampfroboter kommen näher

Die Invasion in die Ukraine hat die moderne Kriegsführung verändert. Auf dem Schlachtfeld der Zukunft sollen humanoide Roboter kämpfen. Eric Trump hat in ein Schlüssel-Start-up investiert. Der Sohn des US-Präsidenten berät das Unternehmen auch.
Ein Soldat nach dem anderen kriecht aus dem Unterstand, hebt seine Hände, entledigt sich seiner Ausrüstung und legt sich vor der Kamera auf den Boden. Drei Russen ergeben im Januar einem ferngesteuerten und bewaffneten Landroboter – also nur indirekt dem menschlichen Feind. Entsprechende Aufnahmen eines ukrainischen Start-ups zeigen, was nur der Anfang des Schlachtfelds der Zukunft sein dürfte. Unternehmen arbeiten bereits daran, was Science-Fiction-Filmen wie „Terminator“ gezeigt haben: Humanoide Kampfroboter, die eigenständig den Abzug betätigen.
Es wäre ein weiterer Schritt in den rasanten Veränderungen moderner Kriegsführung; nach denen der elementar wichtigen Satellitenaufklärung mit KI sowie Flugdrohnen. Mittendrin in der Entwicklung der Rüstungsindustrie sind Eric Trump und das ukrainische Militär, das sich seit fast viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg wehrt. Entsprechend titelte „Wired“: „Von Eric Trump unterstützte Firma bereitet seine Roboter auf Krieg vor“. Der Sohn des US-Präsidenten ist Investor und auch technologischer Chefberater des Start-ups Foundation Future Industries und dessen CEO und Mitgründer Sankaet Pathak.
Ziel des seit 2024 existierenden Unternehmens ist ein in den USA gefertigter, humanoider Roboter als Supersoldat, der aufs Schlachtfeld geht und menschliche Verluste in Kriegen und anderen Militäreinsätzen verringert. „Wir halten es für eine moralische Verpflichtung, diese Roboter anstelle von Soldaten in den Krieg zu schicken“, sagte Foundation-Mitgründer Mike LeBlanc dem US-Magazin „Time“. Der Roboter solle jede Art von Waffe einsetzen können, die auch ein Mensch einsetzen kann. Unbewaffnete Exemplare hat LeBlanc bereits gemeinsam in der Ukraine mit den dortigen Streitkräften getestet. Foundation Future Industries besitzt Forschungsaufträge des US-Militärs von insgesamt 24 Millionen Dollar.
Foundation Future Industries ist nur eines von vielen Unternehmen im Verteidigungssektor, an denen Donald Trumps Söhne mitverdienen wollen oder es schon tun. Eric und Donald Junior möchten unter anderem von einer nationalen Kampfdrohnenproduktion profitieren und bekamen dafür einen Auftrag des Pentagon. Der US-Präsident hatte den Import von chinesischen Drohnen verboten – offiziell aus Gründen nationaler Sicherheit. „Das ist Korruption“, wurde Kathleen Clark von AP zitiert, eine Expertin für Regierungsethik an der Washington University School of Law in St. Louis: „Entscheidungsträger in der Regierung werden sich unter Druck gesetzt fühlen, die Vergabe von Aufträgen dazu zu nutzen, die Familie des Präsidenten zu bereichern.“
Investitionen in Rekordumfang
Bei humanoiden Robotern könnte es ähnliche Interessenkonflikte geben. Investitionen in den Bereich sind in den Amerikas, Europa und Israel so groß wie nie zuvor, und 2026 bereits weit größer als im gesamten Vorjahr. Zugleich verschiebt sich der Fokus in den militärischen Bereich. Von 2023 bis 2025 versechsfachten sich die Investitionen in sogenannte vertikale Robotik für den militärischen Sektor auf 6,3 Milliarden US-Dollar, zeigen Zahlen von F-Prime Capital. Der Durchbruch mit einer breiten Massenherstellung humanoider Roboter könnte nicht mehr lange hin sein. Grund ist ein gigantischer Autonomiesprung der Maschinen durch KI.
Foundation Future Industries werde im Oktober eine Fabrik mit einer Kapazität von 5000 Exemplaren monatlich eröffnen, sagte Pathak zu Reuters. Eine weitere Produktionsstätte mit 50.000 Robotern monatlich möchte die Firma demnach ab 2027 Jahr errichten. Roboter für den militärischen Bereich verkaufe Foundation für je 300.000 US-Dollar und lease sie an die Industrie für je 100.000 US-Dollar im Jahr.
Im April hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündet, eine russische Frontstellung ohne Anwesenheit von Soldaten erobert zu haben. „Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Krieges wurde eine feindliche Stellung ausschließlich durch unbemannte Plattformen – Bodensysteme und Drohnen – eingenommen“, schrieb er. „Die Besatzer ergaben sich, und die Operation wurde ohne Infanterie und ohne Verluste auf unserer Seite durchgeführt.“ Solche unbemannten Bodenfahrzeuge (UGV) werden von Menschen aus sicherer Entfernung gesteuert, auch um verwundete Soldaten aus Kampfgebieten zu bergen, wo menschliche Evakuierungsteams von Drohnen getötet werden könnten.
„Wir können es uns einfach nicht leisten, Personal zu verlieren“, wird Major Oleksandr in der „New York Times“ zitiert, dessen Nachnamen das Medium aus Sicherheitsgründen nennt. Der Offizier befehligt demnach das Bataillon für unbemannte Bodensysteme der K-2-Brigade, das mehr als 500 Soldaten und über 600 Roboter umfasst und täglich fünf bis sechs Einsätze durchführt. Die Brigade musste einen Weg finden, ihre Soldaten besser zu schützen, so Major Oleksandr, sonst „hätten uns bald die Fahrer für die Pick-ups gefehlt“, um die logistischen Anforderungen zu bewältigen.
Bislang kleine autonome Panzer
Bodenroboter sind kleiner und langsamer als Pick-ups, aus der Luft schwerer zu erkennen, und sie strahlen keine Körperwärme ab. Für den Preis eines gepanzerten Infanteriefahrzeugs könne eine Brigade 77 Bodenroboter anschaffen, rechnete Maksym Vasylchenko, Vorsitzender des ukrainischen Verbandes der Hersteller von Bodenrobotersystemen, der US-Zeitung vor: „Das bedeutet 77 Versuche, eine Mission ohne Verluste an Menschenleben zu erfüllen.“ Laut Selenskyj führten Bodenrobotersysteme im ersten Quartal 2026 mehr als 22.000 Einsätze an der ukrainischen Front durch.
Bislang sehen die Roboter wie kleine autonome Panzer aus, da sie auf fahrbaren Plattformen mit Rädern oder Panzerketten für schwieriges Terrain agieren. Im Januar hatten sich drei russische Soldaten dem bewaffneten ukrainischen Bodenroboter „Droid TW-7.62“ gegenüber ergeben. Laut dem ukrainischen Rüstungshersteller Devdroid ist dies seither mehrmals geschehen. Das Gefährt erkennt, erfasst und verfolgt demnach Ziele mit KI-Unterstützung selbst. Der nächste Schritt in der Kriegsführung könnten nun humanoide Roboter sein, die auf zwei mechanischen Beinen laufen und so noch flexibler sein sollen.
Solche humanoiden Roboter haben bislang keine Waffen in ihre Hände bekommen. Das soll sich ändern. Pathak sagte zu „Wired“, sein Unternehmen plane, den Humanoiden bald tödliche Fähigkeiten zu verleihen. „Wir werden wahrscheinlich in den nächsten Monaten etwas vorstellen“, kündigte er an. Neben dem Kampfeinsatz könnten die Roboter des Unternehmens laut eigenen Angaben auch in den Bereichen Logistik, Aufklärung und Inspektion nützlich sein. Foundation testete seinen Roboter „Phantom MK-1“ gemeinsam mit den ukrainischen Streitkräften, gibt die Firma an.
Die Hände als Schlüssel
Das US-Militär fördert Entwicklungsprogramme für Roboter bereits seit Jahren. Motoren, Sensoren und andere Bauteile sind günstiger geworden, und das Training durch KI-Algorithmen ist wesentlich effizienter. Doch es gibt einerseits ethische Fragen bei einem militärischen Einsatz von Kampfrobotern, die potenziell selbst entscheiden und eigenhändig Menschen töten. Tödliche autonome Waffensysteme seien „politisch inakzeptabel“ und „moralisch verwerflich“, erklärte UN-Generalsekretär António Guterres im vergangenen Jahr.
Zudem ist ein Schlachtfeld ein schwierig kalkulierbares Umfeld, wo sich Roboter so schnell wie möglich an Terrain anpassen müssen. Viele Routineaufgaben sind offenbar noch immer ein Problem, etwa das Aufheben einer Waffe. „Eine Hand der zweiten Generation … eine sehnenbetätigte Hand“, sei die letzte große Hardware-Hürde, hatte Foundations CEO Pathak im Dezember gesagt. Eine solche Hand sei „der letzte verbleibende Teil der Hardware, der noch perfektioniert werden muss; danach handelt es sich um ein reines KI- und Datenproblem.“ Sein Unternehmen baut Roboter sowohl für den Industrie-, als auch den militärischen Einsatz. Das Unternehmen möchte eigenen Angaben zufolge bald ein neues Modell vorstellen: „Phantom MK-2“ soll wasser- und staubdicht sein, starke Erschütterungen aushalten und sich rund um die eigene Achse umblicken können.
Doch Rodney Brooks, ein Pionier der Robotik und emeritierter Professor am MIT, sagte zu „Wired“, dass er von mehr als einem Jahrzehnt ausgehe, bis humanoide Roboter in komplexen und ungewohnten Umgebungen zuverlässig agieren können. Zunächst müsste ein solcher Kampfroboter im Labor in der Lage sein, sich in vielen verschiedenen Gelände- und Gebäudetypen zu bewegen, und dabei auch Trümmer auf Treppen oder blockierte Türen überwinden. Nach solchen erfolgreichen Labortests dauere es „immer mindestens zehn Jahre“ bis zum Außeneinsatz. So lange wird der Verteidigungskrieg der Ukraine womöglich nicht mehr dauern.