Johnny Depp ist zurück. Zwischen Fanmomenten, umstrittener Kunst und einem Image, das nach dem Rosenkrieg schwer beschädigt schien, inszeniert er als als Maler und Rockmusiker im Düsseldorfer Schloss Benrath.
Kein neuer Kinofilm, sondern Gemälde und Band-Auftritte. In Düsseldorf präsentiert Johnny Depp seit Sonntag im Schloss Benrath seine Werkschau „The Art of Johnny Depp“. Nach Ausstellungen in Hessen und Bayern waren Depps Werke in diesem Jahr bereits bis Mai in Tokio zu sehen und werden derzeit auch in Shanghai im Modern Art Museum ausgestellt.
Parallel steht Depp mit seiner Band Hollywood Vampires neben Rock-Ikone Alice Cooper am Mikrofon auf der Bühne. Mit Stopps in Nürnberg, Köln und Hamburg kommt er damit auch als Musiker live nach Deutschland. Ist das jetzt Kunst oder eine Neuerfindung nach viel negativer Presse und Rückzug aus der Öffentlichkeit?
Kurator Ted Bauer (im weißen T-Shirt) hat die Ausstellung des Hollywood-Stars Johnny Depp (Mitte) in Düsseldorf gestaltet. Er besitzt auch Gemälde Depps.
Fan-Event mit Comeback-Faktor
Eine Frage, die für die anstehenden Fans in Düsseldorf eher zweitrangig ist: Viele warten bei der Ausstellungseröffnung am Wochenende mit Merch und Autogrammkarten vor dem Schloss. Manche haben sich extra Urlaub genommen. Und das nur für den Hauch einer Wahrscheinlichkeit, dass der Schauspieler persönlich vor Ort sein könnte.
Doch Johnny Depp taucht trotz Gerüchten um sein Erscheinen nicht auf. Er hatte sich die Ausstellung nur vorab privat angesehen. Da seien Fans über Absperrungen geklettert, um ihr Idol zu treffen, berichtet Ted Bauer, Kurator der Düsseldorfer Ausstellung.
Bilderstrecke
„The Art of Johnny Depp“ in Düsseldorf
Schlammschlacht mit Amber Heard im Brennglas der Öffentlichkeit
Für die Fans des US-Stars ist die Ausstellung eine Chance, mal wieder etwas von Johnny Depp zu sehen, um den es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden war. Zuvor hatte er eher mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht – am prominentesten wohl im öffentlich ausgetragenen Rosenkrieg mit seiner mittlerweile Ex-Frau Amber Heard.
Heard hatte 2016 nach rund 15 Monaten Ehe die Scheidung eingereicht und Vorwürfe häuslicher Gewalt erhoben, die Depp zurückwies. Die Geschehnisse hatten massive Auswirkungen auf die Karriere des US-Schauspielers: 2020 verlor Depp in Großbritannien eine Klage gegen den Verlag der Zeitung The Sun, die ihn als „Wife Beater“ bezeichnet hatte. Kurz danach verließ Depp auf Wunsch von Warner Bros. die „Fantastic Beasts“-Filmreihe. Seine Rolle wurde neu besetzt.
Ein Verleumdungsprozess zwischen Depp und Heard im Jahr 2022 sorgte für Schlagzeilen, Fans konnten im Internet via Livestream verfolgen, was passiert. Daraus folgte eine Schlammschlacht vor den Augen der Öffentlichkeit, in der Aussagen vor Gericht zu Memes wurden. Der Prozess wurde im Deutschlandfunk später als „Schlammschlacht ohne Gewinner“ bezeichnet.
Auch an seinen Fans geht Depps Privatleben nicht spurlos vorbei. Und doch bleiben sie ihm treu und trennen Privates und Berufliches ganz bewusst: „Das macht was mit einem in dem Sinne, dass man hinterfragt, ob das immer so richtig ist, was diese Person so tut, aber ich kenne ihn nicht persönlich, ich war nicht bei den Situationen dabei, deswegen möchte ich das gar nicht beurteilen“, erzählt Ausstellungsbesucherin Melanie.
Image-Reparatur gelingt nur durch Fans
Doch wie erklärt sich, dass trotz dieses massiven Imageschadens so viele Fans zum Teil aus ganz anderen Ecken Deutschlands eigens zum Schloss Benrath anreisen und auf sein Kommen hoffen? Andrea Claudia Hoffmann, Professorin für investigativen Journalismus, hat dazu eine Theorie: „Wenn Fans viel Zeit, Aufmerksamkeit und Emotionen in die Unterstützung einer prominenten Person investiert haben, entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen der bestehenden Bewunderung und Berichten über problematisches Verhalten.“
Und weiter: „Image-Reparatur gelingt daher häufig nicht allein durch die betreffende Person selbst, sondern auch durch die aktive Unterstützung und Neuinterpretation innerhalb ihrer Fangemeinschaft“, so die Professorin im Gespräch mit dem WDR.
„Depp als Gesamtkunstwerk“
Neuinterpretation nur in gewissem Maße. Depp selbst betont oft, dass er seit seiner Kindheit male und beschreibt seine drei kreativen Schaffensfelder unterschiedlich: Schauspiel sei sein Beruf, Musik seine Leidenschaft, Malerei seine Therapie.
Gerade diese persönliche Ebene macht die Bilder für Ingrid Tomkowiak, emeritierte Professorin für Populäre Literaturen und Medien an der Universität Zürich, interessant. „Johnny Depp selbst wird zum Gesamtkunstwerk. Die Malerei nimmt darin eine besondere Stellung ein, weil sie behauptet, hinter diese Persona führen zu können: zum Menschen, der angeblich nicht durch Inszenierung verstellt ist“, resümiert sie im Gespräch mit dem WDR.
Johnny Depp (2. v. links) und Alice Cooper (mit Zylinder) spielen in der Rockband „Hollywood Vampires“. Aktuell sind sie auf Tour, die sie auch nach Deutschland bringt.
„Depp als bildender Künstler nicht sehr interessant“
Zum künstlerischen Wert der Bilder gehen die Meinungen unterdessen auseinander. Zumindest haben Kunstexpertinnen wie Elke Buhr eine deutliche Meinung: „Johnny Depp ist als bildender Künstler leider nicht sehr interessant. Stilistisch schwankt er wie Captain Jack Sparrow nach einer Flasche Whiskey.“ Mal kopiere er Andy Warhols Promi-Siebdrucke, mal eine leicht expressive Malweise, mal Collagen.
„Aber die Leute kaufen seine Editionen nicht wegen der künstlerischen Qualität, sondern wegen des Promi-Faktors“, sagt die Chefredakteurin des Kunstmagazins Monopol.
Kunst mit Promi-Faktor
Johnny Depp ist bei weitem nicht der erste Schauspieler, der sich neben der Kinoleinwand auch der Malerei widmet: Auch Brad Pitt, Jim Carrey, Pierce Brosnan, Sharon Stone und Sylvester Stallone haben zum Pinsel gegriffen. Teilweise werden die Promiwerke für Millionenbeträge verkauft. Ob das an der künstlerischen Qualität oder am Promifaktor liegt, lässt Ted Bauer, Kurator der Ausstellung, offen. Er selbst sei im Besitz einiger Gemälde von Johnny Depp.
Comeback als Captain Jack Sparrow?
Auch auf seine eigentliche Leinwand im Kino versucht Depp zurückzukehren. 2023 spielte er in Maïwenns französischem Historienfilm „Jeanne du Barry“ den französischen König Ludwig XV. Der Film eröffnete die Filmfestspiele von Cannes und war Depps erste große Hauptrolle nach mehreren Jahren. Die Premiere erhielt starken Applaus. Zugleich fielen die Kritiken zur schauspielerischen Leistung und zum Film gemischt aus.
Erst im Juli überraschte Depp auf einer US-Comic-Messe in San Diego verkleidet als „Ebenezer Scrooge“: Ende dieses Jahres soll der Film „Ebenezer“ mit ihm in die Kinos kommen.
Rückkehr zum „Fluch der Karibik 6“ im Gespräch
Im August bestätigte Produzent Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“, „Top Gun“) zudem gegenüber dem Branchen-Online-Magazin Deadline, dass derzeit Gespräche über eine mögliche Rückkehr Depps zu „Fluch der Karibik 6“ geführt würden.
Vielleicht gelingt Johnny Depp am Ende das, was seine berühmteste Figur Captain Jack Sparrow schafft: Auch nach großen Rückschlägen immer wieder auf die Beine zu kommen.
