Trump macht DruckSelenskyj will russische Raffinerien verschonen – unter Bedingungen
Das Weiße Haus fordert von Kiew, Angriffe auf russische Ölanlagen einzustellen. Präsident Selenskyj ist hierzu bereit, allerdings nur, wenn auch Russland nicht weiter ukrainische Energieanlagen beschießt – oder die USA Abwehrraketen liefern.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Stopp ukrainischer Angriffe auf russische Ölanlagen gegenüber den USA an Bedingungen geknüpft. „Wenn ihr wollt, dass wir keine russischen Raffinerien mehr angreifen, dann darf Russland auch unser Energiesystem nicht mehr angreifen“, sagte Selenskyj dem US-Sender Fox News. „Eine andere Möglichkeit wäre: Gebt uns Patriot-Raketen.“
Selenskyj äußerte sich gegenüber dem US-Sender, nachdem er nach eigenen Worten „mehrere verschiedene“ Gespräche mit US-Präsident Donald Trump und dessen Stab zu diesem Thema geführt habe. „Wir haben klargestellt, dass wir nicht untätig bleiben können, nachdem Russland unsere Energieinfrastruktur angegriffen, unsere Menschen getötet und unsere Strom- und Gasversorgung sowie unsere Raffinerien – kurz: alles – attackiert hat“, sagte der ukrainische Staatschef in dem Fox News-Interview. Hinsichtlich seiner Forderung zur Lieferung von Luftabwehrraketen vom Typ Patriot fügte Selenskyj hinzu: „Die Finanzierung dafür werden wir sicherstellen, es geht nicht nur um Hilfsgelder.“
Konkret bot Selenskyj der US-Regierung demnach an, dass Kiew die Angriffe auf russische Raffinerien für einen Monat aussetzen würde, falls Washington für diesen Zeitraum die entsprechenden Raketensysteme bereitstelle. Die Frage, ob er befürchte, dies könne als Versuch ausgelegt werden, Trump unter Druck zu setzen, verneinte Selenskyj. „Ich habe keinerlei Bedenken, wenn ich unter Partnern die Wahrheit ausspreche“, sagte er.
Die Patriot-Abfangraketen sind für die Ukraine enorm wichtig, um russische Geschosse abzuwehren. Kiew hat bei der Abwehr russischer Raketen zunehmend Schwierigkeiten und beklagt seit Wochen schwindende Vorräte. Zuletzt hatte die US-Regierung am Freitag den Verkauf von 500 Patriot-Abfangraketen an die Ukraine genehmigt. Bis die Waffen tatsächlich dort eintreffen, könnten aber noch Jahre vergehen.
Selenskyj hatte die Entscheidung zwar begrüßte, forderte angesichts der langen Lieferzeit aber eine Übergangslösung. Er schlug vor, dass die USA und europäische Verbündete zunächst Raketen aus ihren Beständen an die Ukraine abgeben und diese später durch die neu bestellten Waffen ersetzen.
Trump stellte direkte Militärhilfen ein
Seit Trumps Amtsantritt Anfang 2025 haben die USA ihre direkten Militärhilfen für die Ukraine eingestellt. Über den sogenannten Purl-Mechanismus können Verbündete jedoch Waffenpakete in den USA für Kiew kaufen. Deutschland beteiligte sich bereits an drei solchen Paketen und sagte im Juni weitere 200 Millionen Dollar (180 Millionen Euro) für ein Waffenpaket sowie zusätzlich 200 Millionen Dollar für Patriot-Abfangraketen zu. Zuletzt hatte Selenskyj den USA allerdings vorgeworfen, die Lieferung von Raketen im Rahmen des Purl-Programms zu verzögern.
Trump hatte Kiew scharf für die Angriffe auf russische Ölanlagen kritisiert, weil er sie für die steigenden Energiepreise verantwortlich macht. Zuletzt hatten sich Washington und Moskau auf ein umstrittenes Dieselabkommen geeinigt. Das von Trump vereinbarte Geschäft war durch Lockerungen der US-Sanktionen ermöglicht worden. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten hatten es kritisiert.
Beobachter werten das Abkommen als Versuch Trumps, die Kraftstoffpreise für US-Verbraucher vor den Kongresswahlen in den USA am 3. November zu senken. Bei den sogenannten Midterms am Dienstag stehen Trumps Republikaner wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten und insbesondere der infolge des Iran-Kriegs hohen Spritpreise unter Druck.
