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VIP VIP, Hurra!: Steven Spielbergs schönster Irrtum

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 12, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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VIP VIP, Hurra!Steven Spielbergs schönster Irrtum

12.06.2026, 17:11 Uhr Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Steven Spielberg und Emily Blunt auf Promo-Tour. (Foto: dpa)

Hollywood-Regisseur Steven Spielberg reist mit seinem neuen Film „Disclosure Day“ aktuell um die Welt und sucht weiter nach Antworten in den Sternen. Frage: Warum warten wir eigentlich immer darauf, dass jemand anderes unsere Probleme löst?

Die Wildtiere kommen! Waschbär-Alarm in Berlin! Wildschweine wurden neulich mitten in einem Neubaugebiet gesichtet, eine ganze Horde! Füchse gehören ja mittlerweile fast zum Stadtbild. Was das alles mit der aktuellen VIP-Kolumne zu tun hat? Hereinspaziert in die Welt von Steven Spielberg. Dass das Kinoticket in Berlin 24 Euro kosten kann, ignorieren wir an dieser Stelle ganz nonchalant.

Neulich streife ich mit meinem Kater wie jeden Abend durch die inzwischen sehr hohen Gräser unseres Innenhofes in Berlin-Pankow, als Freddie plötzlich aus dem Augenwinkel einen dicken süßen Waschbären entdeckt und über den gesamten Hof auf einen Baum hochjagt. Der arme Kerl sitzt ängstlich auf einem Ast und kann sich kaum halten, und ich muss den halben Kampfhund zurückhalten und ihn beruhigen. Das dauert ein Weilchen. Inzwischen ist es dunkel geworden, der Himmel ist sternenklar.

Der Waschbär ist verschwunden, ich lege gedankenverloren den Kopf in den Nacken, als sich ein Licht weit oben durch den Berliner Himmel bewegt. Wahrscheinlich ein Flugzeug, denke ich, oder ein Satellit. Und während ich so nach oben gucke, ertappe ich mich bei dem Gedanken, den Menschen ja immer wieder mal haben, sobald sie lange genug in den Nachthimmel schauen. Was wäre eigentlich, wenn es kein Flugzeug wäre, kein Satellit?

Schuld an diesen Gedanken ist ausgerechnet einer meiner Lieblingsregisseure, der großartige Steven Spielberg, der gerade mit seinem neuen Film „Disclosure Day“ durch die Welt jettet. Während andere in seinem Alter darüber nachdenken, kürzerzutreten, sich dem Anbau seltener Rosenbüsche widmen oder die Hollywoodschaukel einweihen, reist Spielberg von Premiere zu Premiere, gibt Interviews, beantwortet Fragen und spricht wieder über jene großen Geheimnisse, die ihn offenbar schon sein ganzes (Berufs-)Leben beschäftigen.

Nicht identifizierte anomale Phänomene

Das große Unbekannte. Das Leben außerhalb unseres kleinen Planeten, Dinge, die irgendwo dort oben sein könnten. Man bekommt fast den Eindruck, als würde Spielberg seit nun fast 50 Jahren auf denselben Rückruf aus dem All warten. Begleitet wird der 79-Jährige dabei von seinen Stars Emily Blunt und Colman Domingo, die derzeit ebenfalls durch Talkshows und Pressekonferenzen tingeln und mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit über die großen Fragen des Universums sprechen. Promo. Man kennt es.

In diesem Zusammenhang bin ich über einen Begriff gestolpert, der mittlerweile häufiger verwendet wird als das gute alte UFO. Heute spricht man von UAPs. Haben Sie, lieber Leser, davon schon einmal gehört? Es steht für „Unidentified Anomalous Phenomena“, auf Deutsch: „nicht identifizierte anomale Phänomene“.

Früher genügte es, wenn jemand sagte, er habe etwas Merkwürdiges am Himmel gesehen. Besonders praktisch ist dabei, dass ein UAP nicht einmal fliegen muss. Es kann sich am Himmel befinden, im Weltraum, auf oder unter dem Wasser. Im Grunde beschreibt der Begriff alles, was Menschen beobachten und nicht erklären können. Davon gibt es bekanntlich reichlich. Auch mein Kater Freddie ist manchmal ein UAP, wenn er nur schnell genug über den Hof flitzt.

Was mich an der ganzen Sache allerdings mehr interessiert als die Frage nach Außerirdischen, ist diese bemerkenswerte Beharrlichkeit Steven Spielbergs. Der Rest der Welt scheint sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert zu haben. Die Nachrichten sind düsterer geworden, die öffentlichen Debatten um Längen aggressiver. Fast täglich entsteht der Eindruck, dass wir uns mit einer neuen Krise beschäftigen müssen, bevor wir die alte überhaupt verstanden haben. Spielberg dagegen schaut noch immer in den Himmel, als würde dort oben jeden Moment eine gute Nachricht eintreffen.

Als die Zukunft ein Versprechen war

Ich glaube, das ist der Grund, warum seine Filme über Jahrzehnte hinweg so erfolgreich waren. Sie handeln nie nur vom Leben auf anderen Planeten, sondern vielmehr auch von Hoffnung und noch mehr Neugier. Vor allem aber von dem Gedanken, dass hinter dem Horizont vielleicht etwas wartet, das größer ist als wir selbst. Das funktionierte in den Achtzigern hervorragend. Damals war die Zukunft noch ein Versprechen, auch wenn das für viele so klingt, als würde man in Nostalgie baden. Aber man glaubte neben dem Fortschritt auch an Möglichkeiten und daran, dass es morgen besser werden könnte als heute. Die Welt, das wissen wir alle, war keineswegs perfekt, aber sie wirkte zumindest optimistischer.

Inzwischen erscheint mir diese Haltung fast ein bisschen weltfremd, besonders, wenn man das Handy oder die Glotze anschaltet und die Nachrichten sieht. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, lieber Leser, aber ich habe nicht unbedingt den Eindruck, dass die Lösung unserer Probleme irgendwo zwischen den Sternen verborgen liegt. Und ich befürchte, dass selbst wenn morgen Außerirdische bei uns landen sollten, sie vermutlich weder die Renten noch die Welt retten können, die sich, das mag jetzt wirklich pessimistisch klingen, vielerorts von mächtigen Gierschlünden sehenden Auges an den Abgrund getrieben wird. Hauptsache, der Rubel rollt. Kein dreibeiniger Herrscher kriegt diesen Karren wieder aus dem Dreck gezogen.

Sie merken also, ich hege da einen kleinen Einwand gegen die aktuelle romantische Spielberg-Idee. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, nicht gegen den Film, der heute, am 12. Juni, in den USA in die Kinos kommt und bei uns schon seit ein paar Tagen läuft. Auch nicht gegen die Fantasie oder die Vorstellung, dass es irgendwo im Universum anderes Leben geben könnte.

Aber diese alte Hoffnung, dass die Antwort vielleicht von außen kommt, erscheint mir inzwischen nicht nur herrlich naiv, sondern regelrecht infam. Irgendwie wartet die Menschheit seit Jahren darauf, dass irgendjemand erscheint und alles richtet. Die Politik soll es richten. Die Technologie. Die künstliche Intelligenz. Und wenn das alles nicht funktioniert, dann vielleicht eben eine hochentwickelte Zivilisation aus einer anderen Galaxie. Ein schönes Wunschdenken.

Aliens und die sozialen Medien

Dabei spricht nur leider sehr wenig dafür, dass uns irgendjemand retten wird. Die unangenehme Wahrheit lautet nämlich, dass wir auf uns selbst angewiesen sind. Ja, okay, klingt deutlich weniger aufregend als ein Spielberg-Film und verkauft sich wahrscheinlich auch schlechter an den Kinokassen, hat aber den Vorteil, dass es der Realität näher kommt.

Wenn eines Tages tatsächlich ein Raumschiff über Berlin auftauchen sollte, werden die Besucher vermutlich nicht als Erstes fragen, wo sie helfen können. Wahrscheinlicher ist, dass sie sich kurz umsehen, die Nachrichten einschalten, zehn Minuten durch die sozialen Medien scrollen und anschließend beschließen, sich wieder hinter dem Mond zu verstecken. Und während Spielberg weiter durch die Welt reist und vom „Tag der Wahrheit“ schwadroniert, während Experten über UAPs diskutieren und Leute darüber spekulieren, was sich dort oben befinden könnte, geht das Leben hier unten einfach weiter. Katzen jagen Waschbären, Flugzeuge ziehen ihre Bahnen über Berlin, und viele Rätsel des Lebens bleiben ungelöst.

Das Flugzeug oder was immer es war, ist längst verschwunden. Vielleicht saß darin ja Steven Spielberg auf dem Weg zur nächsten Premiere? Diese Vorstellung gefällt mir allemale besser, als zu hoffen, die Lösung unserer Probleme sei irgendwo da draußen. Ja, Spielberg darf ruhig weiter von den Sternen träumen. Dafür hat er uns schließlich einige wunderbare Filme geschenkt. Die Antworten auf unsere Probleme werden wir allerdings wohl oder übel hier unten finden müssen.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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