Vor Parlamentswahl in SerbienStudentenliste mobilisiert Zehntausende in Belgrad
„Serbien oder die Mafia, Freiheit oder Sklaverei“: Die Studentenliste stellt im Wahlkampf in Serbien eine Grundsatzfrage. Gelingt es ihr, den Autokraten Aleksandar Vucic zu entmachten? Umfragen deuten auf ein offenes Rennen hin.
Drei Tage vor der Parlamentswahl ist in der serbischen Hauptstadt Belgrad eine riesige Menschenmenge zur Abschlusskundgebung der oppositionellen Studentenliste gekommen. Zehntausende hörten auf dem zentralen Slavija-Platz die Reden von zehn Kandidatinnen und Kandidaten, berichtete das Nachrichtenportal „danas.rs“. Laut der unabhängige Gruppe Archiv öffentlicher Versammlungen beteiligten sich rund 150.000 Menschen an der Kundgebung.
Die neue Studentenliste fordert bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag die Macht des autokratischen Populisten Aleksandar Vucic heraus, der die Politik in Serbien seit 14 Jahren dominiert. Meinungsumfragen sehen die Studentenliste in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Vucics Serbischer Fortschrittspartei (SNS).
Kandidat Tihomir Stanic sagte auf der Abschlusskundgebung: „Wir haben es satt, dass wir nicht alle vor dem Gesetz gleich sind.“ Serbien verdiene Freiheit, Gerechtigkeit und eine verantwortliche Regierung. Andere Redner sagten, die Bürger hätten die Wahl „zwischen Serbien oder der Mafia, zwischen Freiheit oder Sklaverei, zwischen Wohlstand oder Niedergang“.
Kein EU-Beitritt unter Vucic greifbar
Unter Vucic hat sich die Korruption Kritikern zufolge systematisch ausgebreitet. Der einstige Gefolgsmann von Ex-Machthaber Slobodan Milosevic war im September nach neun Jahren als Präsident zurückgetreten, um nun Ministerpräsident zu werden. In den letzten Jahren hat er weite Teile der Justiz unter seine Kontrolle gebracht. Er lässt politische Gegner durch Schlägertrupps seiner Partei einschüchtern und engt die Freiheit der Medien ein. Unter seiner Regierung hat Serbien keine Fortschritte bei der angestrebten Annäherung an die EU gemacht – obwohl sich Vucic inzwischen als Reformer präsentiert.
Die Studentenliste wurde von der neuen Studentenbewegung aufgestellt. Diese entstand aus den massiven Protesten nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Kritiker führten das Unglück auf die Korruption und Schlamperei der Vucic-Regierung zurück.
