Vorwurf sexueller ÜbergriffeStrafgerichtshof suspendiert Chefankläger Khan
Der Chefankläger am Strafgerichtshof in Den Haag ist nach einer Anklage gegen Israels Premier Netanjahu international umstritten. Intern muss Karim Khan nach Sex-Vorwürfen einer Mitarbeiterin sein Amt ruhen lassen. Nun folgt auf Basis eines Rechtsgutachtens die Suspendierung.
Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, Karim Khan, ist wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert worden. Eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Amtsenthebung sollen die Vertragsstaaten auf einer Sondersitzung treffen. Das teilte das Präsidium der Vertragsstaaten des Gerichts in Den Haag mit. Die Sondersitzung soll so schnell wie möglich stattfinden.
2024 hatte eine enge Mitarbeiterin dem britischen Juristen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Er soll sie mehrfach und über einen längeren Zeitraum hinweg bedrängt und zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Eine Kommission der Vereinten Nationen hatte die Vorwürfe untersucht. Diese hatte im Dezember 2025 ihren Bericht vorgelegt. Der Bericht wurde bisher nicht veröffentlicht. Drei Richter des Weltstrafgerichts hatten auf der Grundlage der Untersuchung ein Rechtsgutachten vorgelegt. Auch dieses wurde nicht veröffentlicht.
Ende März hatte es Berichte gegeben, Khan sei entlastet worden. Khans Anwälte erklärten zugleich, das unabhängige Richtergremium sei nach ausführlicher Prüfung einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass kein Fehlverhalten vorliege. Das Präsidium der Staaten, die den Internationalen Strafgerichtshof tragen, dementierte damals die Berichte. Das Disziplinarverfahren sei noch nicht abgeschlossen, hieß es in einer Erklärung. Der 56-jährige Khan lässt sein Amt seit gut einem Jahr vorläufig ruhen und wollte zurückkommen, wenn die Vorwürfe geklärt sind. Er bestreitet alle Vorhaltungen.
USA setzen Gericht unter Druck
Khan war seit 2021 Chefankläger und hatte unter anderem einen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin erlassen. Vor allem wegen des Haftbefehls gegen Netanjahu verstärkten die USA ihren Druck auf das Gericht und verhängten Sanktionen gegen Mitarbeiter und Richter.
125 Staaten haben den Grundlagenvertrag des Strafgerichtshofes unterzeichnet, darunter alle EU-Staaten. Die USA, Russland und Israel gehören dem Gericht nicht an.
