Wählerstimmen zu den MidtermsDie „normalen Menschen“ wünschen sich Veränderung
Zwei Jahre nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten werden die Menschen in die USA erneut an die Urnen gerufen. Sie stimmen unter anderem für ein neues Repräsentantenhaus und den Senat ab. Vor allem linksgerichtete Wählerinnen und Wähler zeigen sich hoffnungsvoll.
Ob in Brooklyn, Atlanta, Miami oder Austin: Überall in den USA haben sich Wählerinnen und Wähler auf den Weg in die Wahllokale gemacht, um sich an den wichtigen Kongresswahlen zur Mitte der Amtszeit von Präsident Donald Trump zu beteiligen. In Interviews mit der Nachrichtenagentur AFP schildern sie ihre Gedanken und Beweggründe für ihre Wahl.
Viele linksgerichtete Wählerinnen und Wähler zeigen sich hoffnungsvoll angesichts der Umfragen, denen zufolge die Demokraten gute Chancen auf eine Mehrheit im Repräsentantenhaus und vielleicht sogar im Senat haben. „Das Ergebnis vor zwei Jahren war für mich wirklich verheerend“, sagt Emma Mondadori aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn mit Verweis auf den Sieg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl. Sie habe sich „wirklich sehr auf diesen Tag gefreut, an dem wir endlich wieder ein Mitspracherecht haben, was die Zukunft unseres Landes angeht“, sagt die 39-Jährige, die im Wohltätigkeitsbereich arbeitet. „Ich bin vorsichtig optimistisch.“
Nach einem Anstieg der Benzinpreise um ein Drittel und einer Verdoppelung der Dieselpreise seit dem vergangenen Jahr ging es vielen Menschen bei der Wahl um die Inflation. „Es geht um die Lebenshaltungskosten, Benzinpreise, solche Sachen. Für die normalen Menschen muss sich etwas ändern. Ich bin ein normaler Mensch“, sagt Donta Comer, 38-jähriger Projektmanager aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.
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Der 27-jährige Geschäftsmann Tom, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, stimmt Comer zu. „Jeder, zumindest in meiner Generation“, sei frustriert wegen der Benzinpreise, „dem, was im Ausland passiert“ und wegen der Frage, was man sich überhaupt noch leisten könne.
Zurück zur „Kultur des Anstands, der Integrität, Ehrlichkeit“
Midterm-Wahlen in den USA gelten generell als Abstimmung über den amtierenden Präsidenten, doch nur wenige Staatschefs spalten die US-Öffentlichkeit so sehr wie Donald Trump. „Ich gehöre keiner Partei an, aber ich habe die Demokraten gewählt“, sagt Yan Cardineau aus Austin, Texas. „Ich will nur zurückkehren zu der Kultur des Anstands, der Integrität, Ehrlichkeit“, sagt der 59-Jährige. „Wenn wir das verlieren, ist es egal, wie viel wir verdienen.“
Estrella Roque, eine 69-jährige Wählerin mit kubanischen Wurzeln, sagt in Miami, sie habe für die Republikaner gestimmt. „Was ich an den Republikanern mag ist, dass sie das Land reparieren können“, sagt sie auf Spanisch. „Donald Trump hat nicht die Zeit bekommen zu zeigen, wer er wirklich ist.“ Bei seinem letzten Wahlkampfauftritt verwies Trump auf Erfolge bei der Verringerung der Migration und ein Ende illegaler Grenzübertritte. Während seine harte Haltung bei seinen Stammwählern gut ankommt, haben andere sich abschrecken lassen von dem brutalen Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE.
„Ich mache mir große Sorgen über den Klimawandel, Gewalt an den Schulen und die Situation von Menschen, die immer noch keinen Einwandererstatus in diesem Land haben“, sagt die in Kuba geborene Diana Alvarez in Doral im Bundesstaat Florida. „Das ist für jede Präsidentschaft schwierig, aber diese hier war insbesondere gegenüber Migranten ein wenig gewalttätig und aggressiv, und ich glaube nicht, dass das notwendig war“, sagt die 38-jährige Anwältin.
Mehrere Wähler verweisen im Gespräch mit AFP auch auf die folgenreichste außenpolitische Entscheidung Trumps in seiner zweiten Amtszeit, den am 28. Februar mit Israel gestarteten Krieg gegen den Iran. „Es ist entmutigend. Wieder wurden Versprechen gemacht und nicht gehalten. ‚Keine neuen Kriege‘ war das Mantra“, sagt Wes Pyron. Der 37-Jährige arbeitet in einer Umweltschutzorganisation in Washington. „Ich verstehe nicht, was wir dort machen, die Ziele sind nicht klar, die Prioritäten sind nicht klar.“
Demokraten als gefährliche Sozialisten?
Viele republikanische Kandidaten und Trump haben ihre demokratischen Rivalen als gefährliche Sozialisten dargestellt, die mit ihrer Steuerpolitik den US-Kapitalismus zerstören wollten. „Viele junge Menschen denken heute, dass Sozialismus der richtige Weg ist“, sagt der 84-jährige Daryl Ruley in Austin, Texas. „Sie verstehen die Geschichte nicht, wenn sie das glauben.“ Demokraten seien „sehr sozialistisch, kommunistisch und muslimisch“ geworden, sagt der aus Kolumbien stammende, 70-jährige Maru Restrepo in Miami.
In einem der am meisten beachteten Senatsrennen in Michigan hat sich der demokratische Kandidat Abdul El-Sayed unter anderem eine Krankenversicherung für alle auf die Fahne geschrieben. „Wir müssen das geregelt kriegen, weil wir alle Hilfe brauchen. Ich brauche Hilfe“, sagt die 51-jährige Lehrerin Makeyla Borndes, die in Rente gehen musste, nachdem sie eine Treppe heruntergestürzt war. Sie trägt gleich mehrere El-Sayed-Anstecker auf ihrer grünen Schürze und pinkfarbenen Socken. Trump nennt den bekennenden Muslim El-Sayed „Mohammed“ und beschimpft ihn als „Sympathisanten“ islamistischer Gruppen wie der Hamas.
