Diesel, lange der günstigere Kraftstoff, kostete zuletzt mehr als Benzin. Inzwischen haben sich die Preise wieder gedreht. Was sind die Gründe?
Mit Beginn des Irankriegs und der Blockade der Straße von Hormus haben sich die Spritpreise drastisch verteuert. Die Einführung der 12-Uhr-Regel an Tankstellen Anfang April beschleunigte den Anstieg noch einmal. Ein Liter Super E10 kostete nach ADAC-Angaben in Deutschland zeitweise bis zu 2,192 Liter. Diesel erreichte in der Spitze sogar 2,447 Euro – obwohl er eigentlich um rund 20 Cent niedriger besteuert wird.
Das lag daran, dass der Dieselpreis als krisenanfälliger gilt. Bereits in der Anfangsphase des Ukraine-Krieges vor vier Jahren hatte er stärker reagiert als der Preis von Benzin. Einer der Gründe dafür ist, dass Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird, Diesel für die Industrie eine größere Rolle spielt und im Güterverkehr der Logistik eingesetzt wird. Das sorgt für eine konstant höhere Nachfrage in Notlagen – und treibt den Preis.
Außerdem ist Deutschland beim Diesel auf Importe aus Raffinerien im Ausland angewiesen, während der inländische Bedarf an Benzin durch heimische Anlagen gedeckt werden kann. „Weil rund ein Drittel des Diesels importiert werden muss, treiben globale Konflikte und blockierte Seewege den Preis häufig rasch nach oben“, erklärt der ADAC. Beim Diesel gebe es daher eine stärkere Abhängigkeit von den internationalen Preisnotierungen, heißt es auch vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x).
Risikoaufschlag nimmt ab
Erstmals seit Anfang März ist Diesel jetzt aber wieder billiger als Benzin. „Vor allem der Wegfall des kriegsbedingten Risikoaufschlags scheint sich hier bemerkbar zu machen“, schreibt der ADAC auf Anfrage der ARD-Finanzredaktion. Die Blockade der Straße von Hormus habe den Dieselpreis so extrem in die Höhe getrieben, dass der Steuervorteil komplett aufgefressen worden sei. „Mit der jüngsten Waffenruhe und der Entspannung auf den maritimen Lieferrouten bricht dieser Aufschlag in den letzten Tagen sukzessive weg“, so die Experten.
„Bei Diesel überwiegen Hoffnungen auf Entspannung im Nahostkonflikt, die sich allerdings erst noch bewahrheiten müssen“, betont en2x gegenüber der ARD-Finanzredaktion. Der Verband verweist auch auf den Beginn der sogenannten Driving Season, der traditionell die Benzinpreise global steigen lässt. Und: „In Europa erleben wir mit dem Start der Urlaubssaison ebenfalls rund um Pfingsten einen Wechsel weg von Flügen, hin zu Zügen, aber eben auch zum Auto und damit zu Benzin.“ Bei Privatpersonen in Deutschland sind Autos mit Benzinmotor deutlich verbreiteter.
Spritpreise wieder unter zwei Euro
Generell ist das Tanken in den vergangenen Wochen wieder etwas günstiger geworden. So fiel der Preis von Super E10 seit Mitte Mai laut ARD-Daten im Mittel um vier Cent je Liter, der Preis von Diesel sogar um sieben Cent. Beide Kraftstoffe kosten wieder unter zwei Euro pro Liter. Heute um 13 Uhr zahlten Autofahrer im Mittel 1,96 Euro für einen Liter E10 und 1,92 Euro für einen Liter Diesel. Das ergibt die SWR-Datenanalyse aller Kraftstoff-Preise der rund 15.000 deutschen Tankstellen.
Die ADAC-Auswertung zeigt einen ähnlichen Trend: Demzufolge kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel aktuell 1,984 Euro, ein Liter Diesel 1,956 Euro. Nach Ansicht des Automobilclubs kommt nämlich inzwischen der eingeführte Tankrabatt in Höhe von 16,7 Cent pro Liter bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an. Dank der Energiesteuersenkung, die am 1. Mai für die Dauer von vorerst zwei Monaten in Kraft getreten ist, seien die Spritpreise spürbar niedriger als noch im Vormonat.
Die Spritpreise setzen sich neben den Steuern und Abgaben aus den Kosten für Raffinerien, Transport und Logistik, den Gewinnmargen der Ölkonzerne sowie den prognostizierten Beschaffungskosten für das Rohöl zusammen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent war seit Kriegsbeginn immer wieder über 100 Dollar gesprungen – und hatte so auch die Spritpreise in die Höhe getrieben. Zeitweise wurden im März sogar mehr als 120 Dollar je Barrel Öl gezahlt. Ende Februar waren es noch 70 Dollar.
Verlängerung des Tankrabatts unklar
Aktuell schwanken die Ölpreise stark. So sanken sie am Pfingstmontag mit den Anzeichen für eine mögliche Entspannung im Iran-Krieg noch deutlich auf 96 Dollar – den tiefsten Stand seit Mitte April. Heute ziehen sie jedoch im Zuge der US-Angriffe auf Iran schon wieder auf knapp 100 Dollar an. Die hohen Preise führen zu sprudelnden Profiten der Mineralölkonzerne – was immer wieder Diskussionen über stärkere Regulierung und eine Übergewinnsteuer für die Branche entfacht.
Ob der Tankrabatt verlängert wird, ist derweil noch nicht entschieden. Bislang sei vereinbart, dass die Entlastungsmaßnahme Ende Juni auslaufe, sagte jüngst der CDU-Wirtschaftspolitiker Sepp Müller. „Ob es darüber hinaus ein weiteres Maßnahmenpaket braucht, das wird die Lage dann zeigen.“ Müller verwies auf Berechnungen des Münchner ifo-Instituts, wonach die Steuervergünstigung zu sehr weiten Teilen an die Autofahrer weitergereicht werde.
„Das ist ein gutes Signal“, so Müller. Die Maßnahme kostet den Staat rund 1,6 Milliarden Euro und wurde von Ökonomen zuletzt stark kritisiert, weil sie nicht zielgenau bedürftigen Menschen unter die Arme greife und die Anreize zum Umstieg auf klimafreundlichere Fortbewegungsmittel einschränke.

