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Wer muss diesmal dran glauben?: Als der „überflüssigste Abstieg aller Zeiten“ dramatisch überboten wurde

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 11, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Wer muss diesmal dran glauben?Als der „überflüssigste Abstieg aller Zeiten“ dramatisch überboten wurde

11.05.2026, 19:27 Uhr Von Ben Redelings
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Rudi Völler und Andreas Brehme waren gute Fußball-Freunde – 1996 aber wurden sie im Abstiegskampf ungewollt zu Gegnern.

Die Bundesliga hat endlich wieder einmal ein richtiges Abstiegskampf-Finale. St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim treten in die Fußstapfen von Klubs wie dem 1. FC Nürnberg und dem 1. FC Kaiserslautern. Spannung und Dramatik pur sind garantiert.

„Lothar Matthäus hat gestern gesagt: Wolfsburg 60 Prozent, Pauli 30 Prozent, wir zehn Prozent Chance. Ich würde dem Lothar nie widersprechen, aber zehn Prozent sind 1000 Prozent mehr als noch vor ein paar Wochen.“ Heidenheims Trainer Frank Schmidt hat die unglaubliche Aufholjagd seiner Mannschaft seit dem 25. Spieltag – als der Abstand auf einen Relegationsplatz bereits zehn Zähler betrug – am Wochenende nach dem Sieg seines Klubs in Köln mit diesem Spruch auf den Punkt gebracht. Denn damals, Ende Februar, hätte niemand mehr einen Pfifferling auf die Heidenheimer gesetzt.

Doch ihr irres Comeback in den letzten Wochen, bei einer gleichzeitig dramatischen Schwäche der beiden Konkurrenten um Platz 16, dem VfL Wolfsburg und dem FC St. Pauli, beschert der Bundesliga endlich wieder einmal ein echtes Abstiegskampf-Finale. Ob die Spannung nun tatsächlich bis kurz vor Ende der Spielzeit reichen wird, hängt auch maßgeblich davon ab, ob die Heidenheimer das Momentum nutzen und sich zu Hause gegen Mainz in Torlaune präsentieren. Oder aber, ob sie am letzten Spieltag – das zeigt die Geschichte der Liga auf kuriose Art und Weise – plötzlich wieder ein ganz anderes Gesicht zeigen und aus Angst vor der eigenen Courage verzagen.

Andreas Brehme heulte hemmungslos in Rudi Völlers Armen

Vor 30 Jahren stand der Weltmeister von 1990, Andreas Brehme, mit dem frisch gewonnenen DFB-Pokal in Berlin und konnte immer noch nicht glauben, was seinem Klub in den Tagen und Wochen zuvor widerfahren war. Und so sagte er zum Absturz des 1. FC Kaiserslauterns in die Zweite Liga zerknirscht: „Das war der überflüssigste Abstieg aller Zeiten in der Bundesliga. Und überflüssig ist noch untertrieben.“ Eine Woche zuvor hatte er zusammen mit Rudi Völler für eines der unvergesslichsten Bilder der Bundesligageschichte geliefert, als sich die beiden Weltmeister in einem TV-Studio in den Armen lagen und Völler einen hemmungslos weinenden Brehme tröstete. Eine ganze Nation saß damals mit feuchten Augen vor den Bildschirmen.

Das Bittere an diesem letzten Spieltag der Saison 1995/96 aus Lauterer Sicht: Trotz einer Katastrophen-Saison war man der Rettung gegen den direkten Konkurrenten, Bayer Leverkusen, schon sehr nahe, doch am Ende reichte ein spätes und umstrittenes Ausgleichstor für die Bayer-Elf, um sich selbst zu retten – dank der neu eingeführten Drei-Punkte-Regel. Nach der alten Regel wäre Kaiserslautern dringeblieben und der FC St. Pauli abgestiegen.

Der 1. FC Nürnberg erlebte sein blaues Wunder

Trainer der Pfälzer war damals schon nicht mehr Friedel Rausch, der seinen Posten für Eckhard Krautzun hatte räumen müssen. Doch auch nach dem Gang in die zweite Liga war sich Rausch immer noch sicher: „Ich hätte den Verein vor dem Abstieg gerettet!“ Ob das tatsächlich gestimmt hätte – man weiß es nicht. Aber drei Jahre später sollte sich Friedel Rausch als Coach des 1. FC Nürnberg fundamental und dramatisch irren. Denn der „überflüssigste Abstieg aller Zeiten“ wurde vom Club noch einmal überboten. Damals hatte Rausch wenige Tage vor dem 34. Spieltag der Saison 1998/99 selbstsicher verkündet: „Da kann eigentlich nichts mehr anbrennen.“

Auch deshalb hatte man in Nürnberg an diesem legendären Nachmittag des 29. Mai 1999 schon alles für eine große Nicht-Abstiegsparty vorbereitet. Was sollte schließlich auch passieren? Der Club stand auf Platz 12, drei Punkte und fünf Tore vor dem 16. Tabellenplatz. Und noch dazu spielte man zu Hause gegen einen direkten Konkurrenten, das Team des SC Freiburg. Es ist der bis heute unglücklichste Abstieg einer Mannschaft, die glaubte, bereits sicher gerettet zu sein.

Nutzt Heidenheim das Momentum?

Am Wochenende stehen die Vorzeichen nun genau umgekehrt. Der FC Heidenheim hat noch einmal eine Chance, die es eigentlich schon gar nicht mehr gab, den Abstieg zu verhindern. Doch nachdem die Mannschaft wochenlang befreit aufspielen konnte, hat der Klub am Samstag nach langer Zeit nun auch wieder selbst etwas zu verlieren. Mit dem Wissen, dass aller Voraussicht nach auch das Torverhältnis noch eine Rolle spielen wird, müssen die Heidenheimer nicht nur gegen den FSV Mainz 05 siegen – sondern im besten Fall auch noch eine Menge Tore schießen. Denn wenn die Wolfsburger in Hamburg gewinnen sollten, hinge die tolle Aufholjagd der letzten Wochen am seidenen Faden des Torverhältnisses.

Wie immer das Ganze am Samstag auch ausgehen mag: Die Liga freut sich auf einen spannenden und hoffentlich bis zum Schluss dramatischen Nachmittag – über den man auch in vielen Jahren noch begeistert sprechen wird. Und sollte am Ende auch noch die Rettung des 1. FC Heidenheim in der Relegation stehen, dann wird dieses neue Beispiel des „weiter, immer weiter“ in die Geschichte der Bundesliga eingehen. Ganz nach dem Motto von Heidenheims Trainer Frank Schmidt: „Aufgeben gibt es nicht!“

Quelle: ntv.de

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